Mit Kinder-Cash und Potz Tuusig zur nachhaltigen Finanzkompetenz

Jeder fünfte Jugendliche hat heute Schulden. Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren ist es gar jeder Dritte. Für eine effektive Schuldenprävention ist es wichtig, dass junge Menschen früh den bewussten Umgang mit Geld lernen und sich Finanzkompetenz erarbeiten. Pro Juventute setzt sich mit Kinder-Cash und Potz Tuusig für nachhaltige Finanzkompetenz bei Kindern und Jugendlichen ein.

Es ist noch nicht lange her, da gab es noch keine Computer, Handys und Werbekampagnen, die auch auf Kinder abzielen. Das Einkaufen fand im Laden und mit Bargeld statt. Durch das digitale Bezahlen und das Einkaufen im Internet ist Geld abstrakter geworden. Und auf dem Schulhof geben häufig Gruppen Gleichaltriger (sogenannte «Peer Groups») die Trends vor.

Vorsicht Schuldenfalle

Für Kinder und Jugendliche ist es schwierig, diesem Druck standzuhalten. Die Erfahrungen zeigen: Wer einmal in der Schuldenfalle sitzt, kommt so schnell nicht wieder davon los. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit Geld und Konsum und Diskussionen über Werte sind entscheidend, um gar nicht erst in diese Falle zu geraten.

Nachhaltige Finanzkompetenz

Potz Tuusig (für 5- bis 8-Jährige) und Kinder-Cash (für 10- bis 13-Jährige) fördern den bewussten Umgang mit Geld und Konsum in der Schule und zu Hause. Darüber hinaus unterstützen diese beiden Angebote von Pro Juventute Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur nachhaltigen Finanzkompetenz.

Wichtige Themen zur Förderung eines bewussten Umgangs mit Geld und Konsum

Wie lernen Kinder und Jugendliche richtig mit Geld und Konsum umzugehen und wie entwickeln sie frühzeitig ihre Finanzkompetenz?

Wie lernen Kinder und Jugendliche richtig mit Geld und Konsum umzugehen und wie entwickeln sie frühzeitig ihre Finanzkompetenz?

Sehr wichtig ist, dass Eltern schon früh mit ihren Kindern über Geld und Konsum sprechen und diese bei alltäglichen Kaufentscheidungen involvieren. Eltern sollten ihren Kindern erklären, warum sie in diesem Moment auf etwas verzichten wollen oder müssen, warum sie sich beim Einkauf im Supermarkt für das eine und nicht für das andere Produkt entscheiden oder dass sie sich zuhause einen Einkaufszettel aus dem Grund schreiben, damit sie beim Einkauf möglichst wenigen Versuchen erliegen. So erhalten Kinder ein Gespür für Geld und Konsum.

Jugendliche sollten im Verlaufe der Jahre zudem erfahren, wie viel die Wohnung der Familie kostet, wie hoch die Krankenkassenprämien sind oder wie stark die Ausgaben für das Auto das Familienbudget belasten. Durch den Miteinbezug werden sie befähigt zu erfassen, was das Leben kostet, dass Geld eingeteilt werden muss, Prioritäten setzen wichtig ist und dass es notwendig ist auch im Privaten gewisse finanzielle Reserven zu bilden.

Pro Juventute fördert seit vielen Jahren die Vermittlung eines bewussten Umgangs mit Geld und Konsum in der ganzen Schweiz. Dazu hat die Stiftung zusammen mit Fachstellen verschiedene Lehrmittel sowie Materialien für zuhause entwickelt.

Wie viel Sackgeld bzw. Taschengeld wird in der Schweiz empfohlen? Ab wann sollen Eltern Sackgeld geben und gibt es eine Sackgeldtabelle?

Wie viel Sackgeld bzw. Taschengeld wird in der Schweiz empfohlen? Ab wann sollen Eltern Sackgeld geben und gibt es eine Sackgeldtabelle?

Pro Juventute rät Eltern, die Sackgeldhöhe nach den Empfehlungen der Budgetberatung Schweiz zu handhaben. Diese Empfehlungen sind:

1. Schuljahr: Fr. 1.– pro Woche
2. Schuljahr: Fr. 2.– pro Woche
3. Schuljahr: Fr. 3.– pro Woche
4. Schuljahr: Fr. 4.– pro Woche
5. und 6. Schuljahr: Fr. 25.– bis Fr. 30.– pro Monat
7. und 8. Schuljahr: Fr. 30.– bis Fr. 40.– pro Monat
9. und 10. Schuljahr: Fr. 40.– bis Fr. 50.– pro Monat
ab dem 11. Schuljahr: Fr. 50.– bis Fr. 80.– pro Monat

Sackgeld gibt einem Kind die Möglichkeit, das Kaufen und das Verzichten innerhalb der Gesellschaft nach und nach zu üben. Dabei ist dieses Geld für Ausgaben bestimmt, die am ehesten unter dem Begriff «Vergnügen» zusammenfasst werden können. Die Verwendungszwecke von Sackgeld sind denn auch von Kind zu Kind sehr unterschiedlich.

Es macht Sinn, Sackgeld bereits ab dem 1. Schuljahr zu geben – auch wenn es sich dabei um einen sehr kleinen wöchentlichen Betrag handelt. Ein «zu früh» oder «zu spät» gibt es nicht. Wenn Kinder während ihrer obligatorischen Schulzeit aber keine Möglichkeit erhalten, das Geldausgeben zu üben, dann fehlt ihnen diese Erfahrung später, die sehr hilfreich ist, um mit dem ersten eigenen Lohn klar zu kommen.

Bis zu welchem Alter sollen Eltern Sackgeld (Taschengeld) geben und welches erweiterte Modell wird empfohlen?

Bis zu welchem Alter sollen Eltern Sackgeld (Taschengeld) geben und welches erweiterte Modell wird empfohlen?

Pro Juventute empfiehlt ausdrücklich, das Taschengeld regelmässig sowie zu fest definierten Zeitpunkten auszubezahlen, so wie es beim Lohn der Eltern ebenso geschieht. Bis zum 4. Schuljahr soll die Auszahlung wöchentlich erfolgen, ab dem 5. Schuljahr dann monatlich. Damit vergrössert sich der zeitliche Rahmen, für den das Budget ausreichen muss. Mit zunehmendem Alter und zunehmender Erfahrung im Umgang mit Geld, werden so gleichzeitig auch die Verantwortung und die sich bietenden Möglichkeiten ausgedehnt. Und ab dem 13. Lebensjahr bietet sich der so genannte «Jugendlohn» als Finanzierungsmodell an.

Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach: Jugendliche erhalten früh – empfohlen wird der Beginn mit 12 Jahren – einen fixen monatlichen Betrag, von dem sie grössere Teile ihrer Lebenskosten selbstverantwortlich finanzieren. Im Jugendlohn enthalten sind alle Bereiche, für welche die Eltern dem Kind die Kompetenzen übergeben.

Mit dem Jugendlohn werden Kompetenzen und Verantwortung zwischen Eltern und Jugendlichen geregelt für
- die notwendigen Lebenskosten der Jugendlichen (Kleider, Coiffeur, Velo, Handy, Sport, Freizeit etc.)
- weitere Lebensbereiche der Jugendlichen (Zimmer, Schule etc.) sowie das Zusammenleben in der Familie.

Jugendlohn fördert die Selbstverantwortung und die Selbständigkeit der Jugendlichen. Das Vertrauen der Eltern in die Fähigkeiten ihres Kindes ist eine notwendige Voraussetzung für die Einführung.
Der Jugendlohn beinhaltet nur Kosten, die von der Familie ohnehin getragen werden. Er soll den bisherigen Ausgaben der Eltern für das Kind sowie dem aktuellen Lebensstandard und dem Familienbudget entsprechen. Das Modell eignet sich deshalb für Familien aller Einkommensklassen. 

Alle Informationen zum Modell Jugendlohn finden Sie auf www.jugendlohn.ch.

Was können Eltern tun, um Schulden bei Jugendlichen zu verhindern und wie sollen Eltern reagieren, wenn Schulen bereits da sind?

Was können Eltern tun, um Schulden bei Jugendlichen zu verhindern und wie sollen Eltern reagieren, wenn Schulen bereits da sind?

Pro Juventute rät allen Eltern mit dem heute leider noch weit verbreiteten Tabuthema «Geld» aufzuräumen und möglichst offen und von klein auf mit ihren Kindern über Geldangelegenheiten zu sprechen. Eine offene Kommunikation über Geld und Konsum in der Familie ist die beste Schuldenprävention.

Wenn Kinder oder Jugendliche dennoch einmal Schulden machen, müssen Eltern das ernst nehmen und mit ihrem Kind darüber sprechen: Weshalb bist du nicht zu mir gekommen – ich bin doch gerne für dich da? Wie wichtig war diese Anschaffung bzw. dieser Kauf für dich? Was wäre gewesen, wenn du darauf verzichtet hättest? Diese und andere Fragen helfen beiden Seiten, die Situation aufzuarbeiten.

Es ist wichtig, gemeinsam einen Weg zu finden, wie diese Schuld getilgt wird. Kinder und Jugendliche müssen in einer solchen Situation lernen, dass die durch sie verursachten Schulden wieder bereinigt werden müssen. Die Erfahrung, aus einer solchen schwierigen Situation wieder herauszufinden, ist wertvoll für das Leben nach dem Elternhaus, wo verschiedene Marktteilnehmer um die Gunst der jungen Erwachsenen buhlen – auch dann, wenn für einen Kauf mit fremdem Geld bezahlt werden soll.

Bei Unsicherheiten in Zusammenhang mit bestehenden Schulden rät Pro Juventute Eltern, sich Rat bei einer der Schuldenberatungsstellen zu holen. Siehe dazu: www.schulden.ch.

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