Pro Juventute lanciert nationale Sexualaufklärungskampagne für Eltern

14.04.2014

Wenn Kinder im Internet an die falsche Adresse geraten

Eltern sind heute bei der Sexualaufklärung ihrer Kinder neu gefordert. Denn mit der Verbreitung von Internet und Smartphones findet der erste Kontakt von Kindern mit Sexualität oft im Web statt. Dabei sind neue Risiken entstanden: online befinden sich Kinder und Jugendliche oft nur einen Klick entfernt von sexuellen Inhalten und geraten leicht an die falsche Adresse. Sexualaufklärung heute muss daher den Cyberspace miteinschliessen. Pro Juventute lanciert dazu heute Montag eine nationale Sexualaufklärungskampagne für Eltern. Diese sensibilisiert Eltern für Online-Risiken, bietet Informationen und zeigt ihnen, dass sie bei der Pro Juventute Elternberatung Unterstützung erhalten.

Jeder Lebensbereich der Jugendlichen findet heute auch online statt. Dadurch hat sich das Thema Liebe und Sexualität teilweise ins Netz verschoben. Jugendliche nutzen häufig Plattformen im Internet um Kontakte zu knüpfen, geflirtet wird via Facebook und das Posten von Fotos auf Instagram dient unter anderem dazu, seine Reize zu testen. Auch die erste Auseinandersetzung mit sexuellen Inhalten findet heute oft online statt. Unaufgeklärte Kinder sind dabei mit ihren Fragen und Unsicherheiten zum Thema Sexualität alleine gelassen. Besonders heikel ist, wenn Kinder und Jugendlichen sich bei der sexuellen Darstellung, in Chatrooms oder im Kontakt mit Unbekannten Gefahren aussetzen.

Fast jedes dritte Mädchen in der Schweiz hat sexuelle Belästigung im Netz erlebt.

Wie dringend die Problematik ist, zeigen aktuelle Studien für die Schweiz: Jedes vierte Kind hatte im Internet bereits Kontakt mit Unbekannten und fast jeder fünfte Jugendliche hat sich bereits mit einer Online-Bekanntschaft getroffen[1]. Problematisch dabei ist, dass es im Internet für Pädokriminellen ein Leichtes ist, sich hinter falschen Profilen zu verstecken. Die Folgen sind fatal, sowohl online wie offline. So hat in der Schweiz fast jedes dritte Mädchen bereits negative Erfahrungen gemacht mit sexueller Belästigung im Internet[2] und es werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Kinder zu Treffen gezwungen und dann sexuell missbraucht werden.  

Im Netz geraten Kinder rasch an die falsche Adresse – das kann verheerende Folgen haben.

Wenn Kinder und Jugendliche im Internet unterwegs sind, befinden sie sich oft nur einen Klick entfernt von sexuellen Inhalten und geraten leicht an die falsche Adresse. Sie landen in virtuellen Darkrooms, klicken auf Pop-Ups mit harter Pornographie oder erhalten sexuelle Darstellungen zugeschickt. «Wenn Kinder über Themen rund um Sexualität und Internet aufgeklärt sind, können sie mit solchen Inhalten besser umgehen», sagt Daniela Melone, Leiterin Pro Juventute Elternberatung. Daher ist es wichtig, dass Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder aufgeklärt werden. Mit der ersten nationalen Sexualaufklärungskampagne von Pro Juventute für Eltern sollen diese mittels Plakaten, Videofilmen und einer Informationsplattform sensibilisiert werden, bei der Sexualaufklärung ihrer Kinder den Cyberspace miteinzuschliessen.

Eltern können sich oft nicht vorstellen, womit ihre Kinder im Netz konfrontiert sind.

Der Handlungsbedarf ist gross: Während es für viele Eltern selbstverständlich ist, dass ihre Kinder Informationen brauchen zu bekannten Risiken wie ungewollter Schwangerschaft oder Geschlechtskrankheiten, fehlt häufig das Bewusstsein, dass Kinder Aufklärung zu Themen und Gefahren der Cyberwelt brauchen. Denn die heutigen Eltern von Teenagern kennen Risiken wie Grooming und Sextortion nicht aus der eigenen Jugend, und in der Schweiz fehlen bis heute Informationskampagnen. Daniela Melone hat darum grosses Verständnis für Eltern: «Sexualaufklärung ist sowieso schon ein heikles Thema für viele Eltern. Mit den Cyberrisiken ist es nun noch schwieriger geworden. Darum wollen wir Eltern Unterstützung anbieten.». Oft können sich Eltern gar nicht vorstellen, womit ihre Kinder im Netz konfrontiert sind. Zwar wurden auch früher auf dem Pausenplatz Sexheftchen herumgezeigt. Im Unterschied dazu kommen Kinder und Jugendlich aber heute im Internet viel früher und unkontrollierter mit sexuellen Bildern und Filmen konfrontiert, sehr oft in Pop-Ups. Und obwohl das vielen Kindern unangenehm ist, reden die wenigsten darüber. So weiss die Hälfte der Eltern nicht Bescheid, dass ihr Kind sexuelle Darstellungen im Netz gesehen hat [3].

Sensibilisierung der Eltern zu Cyberrisiken und Information zu Unterstützungsangeboten.

Eltern sind also heute bei der Sexualaufklärung ihrer Kinder stark gefordert, da mit der Verbreitung von Internet und Smartphones neue Risiken entstanden sind. Dazu kommt, dass seitens der Jugendlichen das Bedürfnis für Sexualaufklärung gross ist: Untersuchungen zeigen, wie das Internet die Zugänglichkeit zu Informationen erleichtert, gleichzeitig aber durch das Übermass die Unsicherheit der Jugendlichen rund um Sexualität vergrössert hat.[4] Und auch wenn Kinder und Jugendliche ihren Eltern im technischen Umgang mit digitalen Medien häufig überlegen sind, ist die Unterstützung durch Erwachsene wichtig. So zum Beispiel bei der Einschätzung, ob Informationsquellen glaubwürdig sind oder wie mit persönlichen Informationen umgegangen werden soll. Damit Eltern diese Aufgabe wahrnehmen können, braucht es dringend eine Sensibilisierung, um das Bewusstsein zu schaffen, dass Sexualaufklärung der Kinder heute Cyberrisiken miteinschliessen muss. Weiter benötigen die Eltern Informationen, damit sie wissen welche konkreten Themen und Risiken es gibt und dass sie Hilfs- und Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen können. Darum führt Pro  Juventute aktuell eine nationale Elternkampagne durch.

Unterstützung für alle Eltern: die Pro Juventute Elternberatung

Sexualaufklärung ist für viele Eltern eine echte Herausforderung. Dass diese heute auch den Onlinebereich umfassen muss, macht es nicht einfacher. Gewisse Fragen entstehen über längere Zeit, andere tauchen wie aus dem Nichts auf. Dazu kommt, dass keine Familie gleich ist und kein Kind wie das andere. Hier setzt die Pro Juventute Elternberatung an: Unter der Nummer 058 261 61 61 finden Eltern individuelle Antworten auch auf Fragen rund um Sexualaufklärung, Cyberbelästigung und neue Jugendrisiken wie Grooming und Sexting. Neu steht die Elternberatung für alle Eltern und Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Fragen können telefonisch oder online zu jeder Tages- und Nachtzeit an die Fachberaterinnen und -berater gerichtet werden (www.projuventute-elternberatung.ch).

 

Download-Materialien zur Kampagne

 


[1] 25% aller Kinder hatten im Internet bereits Kontakt mit jemandem, den sie nicht persönlich kennen und 18% der 15-16 Jährigen haben sich mit jemandem getroffen, den sie im online kennen gelernt haben (eukidsonline 2013)

[2] 28% der befragten Mädchen geben an, bereits einmal negative Erfahrungen im Netz gemacht zu haben (Im Rahmen der Optimusstudie von der Universität Zürich durchgeführt, 2013).

[3] 28% der Kinder empfinden dies als unangenehm, bei den 9-10 Jährigen gar 50% (eukidsonline 2013)

[4]Jugendsexualität im Zeitalter neuer Medien, Eveline Hipeli, Lic. Phil und Prof. Dr. Daniel Süss in Jugendsexualität im Wandel der Zeit, 2009 herausgegeben von der EKKJ

 

Für weitere Informationen und Interviews:

Pro Juventute
Bernhard Bürki
Verantwortlicher Kommunikation / Mediensprecher
Thurgauerstrasse 39, Postfach
8050 Zürich
Tel: 044 256 77 22
Fax: 044 256 77 78
Pro Juventute
Irene Meier
Leiterin Politik
Thurgauerstrasse 39,
Postfach
8050 Zürich
Tel: +41 44 256 77 36
Mobile: +41 79 501 24 23

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Programme und Dienstleistungen, wie die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 oder die Pro Juventute Elternberatung an. Davon profitieren jährlich rund 280'000 Kinder und Jugendliche und 105‘000 Eltern in der Schweiz.

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