Aktuelle Studie zeigt: 79% der 12- bis 13-jährigen spielen mindestens einmal pro Woche Computergames

28.09.2015

Die Stiftung Pro Juventute fordert Eltern auf, sich mit dem Gameverhalten ihrer Kinder auseinanderzusetzen

Für Primarschüler in der Schweiz gehört das sogenannte Gamen zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Bereits 50% der 6- bis 7-jährigen spielen mindestens einmal pro Woche Computerspiele. Mit zunehmendem Alter werden auch häufiger Games gespielt: 79% der 12- bis 13-jährigen gamen mindestens einmal pro Woche. Doch Eltern schätzen den Einfluss von Gamen auf ihre Kinder eher als negativ ein. Dies zeigt eine heute publizierte Studie der ZHAW*. Besonders aufschlussreich: Eltern und Kinder beeinflussen sich bei der Mediennutzung und nutzen oft die gleichen Medien ähnlich häufig. Pro Juventute empfiehlt Eltern in der Schweiz daher, sich mit dem Gameverhalten der Kinder auseinanderzusetzen und gibt Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Games.

Eltern sollen sich für das Gameverhalten ihrer Kinder interessieren


«Schon immer hatten Menschen Spass an Unterhaltungsspielen», sagt Laurent Sédano, Programmverantwortlicher Medienkompetenz bei Pro Juventute. «Spielerisch Aufgaben zu bewältigen und sich zu unterhalten sind Grundbedürfnisse des Menschen. Die Unterhaltung durch Computer-, Smartphone-, Tablet- und Konsolen-Games ist eine neue Kategorie von Spielen und vielen Erwachsenen noch fremd.»

Sédano empfiehlt den Eltern, sich mit den Games, die ihre Kinder spielen, auseinanderzusetzen: «Lassen Sie sich die Welt der Games von Ihrem Kind oder im Internet erklären. Sie werden von spannenden Aufgaben erfahren, welche in riesigen, fantastischen, farbenfrohen oder düsteren Welten gelöst werden müssen. Vielleicht können Sie die Faszination Ihres Kindes sogar teilen.» Es lohne sich für Eltern, herauszufinden, worin für Ihr Kind der Reiz des Spiels besteht sowie ob und wie ihre Tochter oder ihr Sohn mit den gezeigten Darstellungen und Handlungen umgehen kann. Wie auch beim Schauen von Filmen, beim Musikhören oder Lesen von Geschichten würden bei Computerspielen verschiedene Gefühle bei den Kindern ausgelöst.

Den Umgang mit diesen Gefühlen  -  dazu gehört auch der Drang, nicht mehr aufhören zu wollen  - müssen Kinder lernen. Das hält die Stiftung Pro Juventute heute fest. Dazu brauchen sie laut der Kinder- und Jugendorganisation Erwachsene die sich mit diesen Erfahrungen auseinandersetzen und ihnen zur Seite stehen. PEGI Altersempfehlungen geben einen Hinweis darauf, ob das Spiel für ein Kind bereits geeignet ist aus einer Betrachtung des Kinder- und Jugendschutzes. Eltern sollten Ihre Kinder vor allem auch beim Persönlichkeitsschutz unterstützen sowie vor finanziellen Fallen, welche sich vor allem im online Bereich stellen.

Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit Games


Pro Juventute empfiehlt, dass sich die Eltern mit dem Gamen und den Spielen der Kinder auseinandersetzen:

Wissen Sie, wie viel Geld Ihr Kind für Games ausgibt?
Grundsätzlich kostet jedes Spiel Geld. Spiele, die gratis angeboten werden, finanzieren sich in der Regel durch Werbung oder Links auf Seiten, die nicht immer sicher sind. Zudem ist es eine häufige Praxis, dass in den Spielen Waffen, Zeit, Credits, Upgrades usw. gekauft werden müssen – zum Teil für teures Geld.

Wissen Sie, wie viel Zeit Ihr Kind mit Spielen verbringt?
Vereinbarungen und Medienzeitbudgets helfen Ihrem Kind, das Gamen im Griff zu behalten und ausreichend Zeit für andere Beschäftigungen zu haben. Eine abwechslungsreiche Freizeit wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Wissen Sie, wieso Ihr Kind das eine dem anderen Game vorzieht?
Es gibt ruhige, kreative, hektische, brutale, witzige und knifflige Spiele, solche mit einzelnen in sich abgeschlossenen Aufgaben oder solche die quasi endlos sind. Bei dieser Vielfalt ist es praktisch unmöglich, generelle Spieleempfehlungen abzugeben. Ein gutes Computerspiel passt zur Persönlichkeit des
Kindes und zu den Werten der Familie.

Wissen Sie, ob Ihr Kind alleine oder mit Freunden spielt?
Es gibt Spiele bei denen Ihr Kind zwar alleine vor dem Bildschirm sitzt, jedoch mit vielen anderen Spielerinnen und Spielern aus der ganzen Welt spielt. Dabei sollte es keine persönlichen Daten und Geheimnisse freigeben. Nur Fantasienamen verwenden. Die Webcam niemandem freigeben, den es nicht persönlich kennt. Und bei einem unguten Gefühl oder Belästigungen den Chatraum sofort verlassen und mit Eltern oder einer Bezugsperson sprechen.

Wissen Sie, ob es Aktivitäten und Aufgaben gibt, die durch das Gamen verdrängt werden?
Wenn Sie feststellen, dass Gamen für Ihr Kind zum Problem wird oder, dass Ihr Kind viel spielt, da es sich in seinem Umfeld ausgeschlossen fühlt, tauschen Sie sich mit anderen Eltern oder den Lehrpersonen des Kindes aus. Auch bei der Pro Juventute Elternberatung finden Eltern und Bezugspersonen Unterstützung und Antworten.


* Quelle: „Ergebnisbericht zur MIKE-Studie 2015“, ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, September 2015: Forschungsbericht: https://www.zhaw.ch/storage/psychologie/upload/forschung/medienpsychologie/mike/Bericht_MIKE-Studie_2015.pdf


Für weitere Informationen und Interviews:

Pro Juventute
Irene Meier
Leiterin Politik
Thurgauerstrasse 39,
Postfach
8050 Zürich
Tel: +41 44 256 77 36
Mobile: +41 79 501 24 23

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Dienstleistungen wie die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 oder der Elternberatung von Pro Juventute an. Davon profitieren jährlich über 300‘000 Kinder und Jugendliche und rund 100‘000 Eltern in der Schweiz.

www.projuventute.ch  www.projuventute-elternberatung.ch

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