Fachleute schlagen Alarm: Jugendliche Patientinnen mit Verdacht auf Magersucht werden immer jünger

19.01.2015

Pro Juventute sieht Bestärkung von Jugendlichen in ihrem Körperbild als zentrale Präventionsaufgabe

Spitalbehandlungen aufgrund Magersucht nahmen in den letzten drei Jahren um 30 Prozent zu. Dabei sind laut aktueller Erklärung des Aargauer Spitalpersonals vermehrt auch sehr junge Patientinnen betroffen. Denn: Jugendliche werden zusehends über die Sozialen Medien unter Druck gesetzt – so weit, dass das gestörte Verhältnis zum eigenen Körper nicht mehr als krank gilt, sondern vermehrt als Lifestyle. Eine repräsentative Umfrage der Jugendorganisation Pro Juventute bestätigt den Druck nach einem perfekten Körperbild, der durch die sozialen Medien verstärkt werden kann. Die Organisation macht daher heute anlässlich der aktuellen Meldungen aus der Spitalpflege darauf aufmerksam, dass Jugendliche dringend Aufklärung brauchen.

Für Pro Juventute zeigen die Erfahrungen aus der Spitalpflege, dass die Aufklärung und die Bestärkung von Jugendlichen in ihrem Selbst- und Körperbild eine der zentralen Aufgaben in der Prävention und der Gesundheitsvorsorge sein müssen, wie die Stiftung heute in einem aktuellen Communiqué festhält. Während früher eine typische Magersuchts-Patientin 15 Jahre alt war, sind heute teilweise bereits 9-jährige Mädchen davon betroffen, also bereits Mädchen in der Vorpubertät. Die Chefärztin des Kompetenzzentrums Essverhalten, Adipositas und Metabolismus des Spitals Zofingen, Bettina Isenschmid, schlägt in aktuellen Medienberichten Alarm. Die Zahl der Patientinnen mit Essstörungen nahm in den letzten Jahren massiv zu. Zudem sind bereits bei sehr jungen Patientinnen Verdachte auf Magersucht zu beobachten. Insgesamt wurden schweizweit 2013 dreissig Prozent mehr Personen in den Spitälern wegen Magersucht behandelt als noch 2010. Druck auf das Aussehen und die eigene Wahrnehmung werde dabei zusehends auch über die sozialen Medien und das Internet verbreitet.

Repräsentative Umfrage zeigt: Ein Fünftel der Jugendlichen steht unter Druck, Idealbildern zu entsprechen

Die Jugendorganisation Pro Juventute bestätigt diesen Trend. In der Entwicklung ihres Selbst- und Körperbildes stehen Jugendliche heute unter grossem psychischen Druck, denn sie sind in der Gesellschaft, den Medien und auf sozialen Plattformen konstant mit überhöhten Idealen konfrontiert. Eine 2014 publizierte repräsentative Jugendbefragung unter 1‘000 Jugendlichen in der ganzen Schweiz* zeigte: 22% der befragten Jugendlichen gaben an, dass es sie verunsichert oder gar Krisen auslöst, wenn sie Bilder von Gleichaltrigen anschauen und sich mit deren Leben und Aussehen vergleichen. Bei den Mädchen ist fast jedes Dritte (28%) verunsichert durch die permanenten Vergleiche. Die Umfrage zeigte zudem, dass der Vergleich mit Idealbildern bei den Jugendlichen vor allem online stattfindet: 52% geben an, sich auf Facebook zu vergleichen, 41% im Internet allgemein, 37% auf Instagram und nur 28% im TV, 20% in Magazinen, 12% in Zeitungen.

Selbstwert und Aussehen als wichtige Themen in der Beratung von Jugendlichen

Mehrmals am Tag melden sich Jugendliche bei der Notrufnummer 147 von Pro Juventute mit Fragen oder Sorgen im Zusammenhang mit Selbstwertgefühl und ihrem Aussehen. Moana Crescionini, langjährige Beraterin bei der Notrufnummer: «Der enorme Druck ist in vielen Gesprächen förmlich spürbar. Da ist das 13jährige Mädchen, das sich seit Monaten aus lauter Verzweiflung selber verletzt, weil sie sich hässlich und langweilig findet im Vergleich zu den perfekten Facebook-Fotos der anderen. Oder der 15jährige Junge, der vor lauter Fitnesstraining kaum mehr Zeit findet um sich unbeschwert mit seinen Freunden zu treffen. Aber er hat Angst davor, nie eine Freundin zu finden, wenn er nicht muskulös daherkommt.» Bei der Notrufnummer 147 von Pro Juventute unterstützen Fachleute Kinder und Jugendliche rund um die Uhr. Hilfesuchenden steht die Beratung per Telefon und SMS unter der Nummer 147 oder per Mail, Chat und Web-Self-Service auf www.147.ch zur Verfügung.

Nationale Jugendkampagne «Echtes Leben»

Die nationale Jugendkampagne «Echtes Leben» von Pro Juventute zeigt daher mit einem Jugendspot, Plakaten, Merkblättern und Aktionen an Schulen den Jugendlichen auf, dass das auf den ersten Blick perfekte Leben der anderen nicht der Realität entspricht. Auf der Onlineplattform www.projuventute.ch/echtesleben finden Jugendliche, Eltern, Lehr- und Fachpersonen Informationen und Materialien zum Thema.

*) Repräsentative online-Umfrage: gfk-Forschungsinstitut, 2014, beauftragt von Pro Juventute.

Für weitere Informationen und Interviews:

Pro Juventute
Bernhard Bürki
Verantwortlicher Kommunikation / Mediensprecher
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8050 Zürich
Tel: 044 256 77 22
Fax: 044 256 77 78
Pro Juventute
Irene Meier
Leiterin Politik
Thurgauerstrasse 39,
Postfach
8050 Zürich
Tel: +41 44 256 77 36
Mobile: +41 79 501 24 23

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Programme und Dienstleistungen, wie die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 oder die Pro Juventute Elternberatung an. Davon profitieren jährlich über 300‘000 Kinder und Jugendliche und rund 100‘000 Eltern in der Schweiz.

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