Prävention von Jugendarbeitslosigkeit

In der Schweiz haben bei Weitem nicht alle Jugendlichen intakte Chancen für ihren Berufseinstieg. Wer keinen guten Schulabschluss mitbringt oder einen Migrationshintergrund aufweist, hat es oft schwerer, in der Berufswelt Fuss zu fassen. Wir setzen uns deshalb im Sinne der Prävention von Jugendarbeitslosigkeit für die Verbesserung der beruflichen Chancen von Jugendlichen ein.

Alle Jugendlichen in der Schweiz brauchen eine Chance für einen guten Berufseinstieg

  • In der Schweiz haben bei Weitem nicht alle Jugendlichen intakte Chancen für ihren Berufseinstieg. Wer keinen guten Schulabschluss mitbringt, einen Migrationshintergrund hat oder mit psychischen Schwierigkeiten kämpft, hat es schwer, in der Berufswelt Fuss zu fassen. Die Lehrstellensuche ist für solche Jugendlichen deutlich schwieriger als für andere. Zudem ist bei ihnen die Gefahr grösser, dass sie die Berufsausbildung abbrechen oder nach der Lehre keine Stelle finden. 
  • Solche Benachteiligungen sind aus Sicht der Jugendlichen ungerecht. Aus Sicht der Gesellschaft sind sie zudem volkswirtschaftlich problematisch. Früher oder später kostet dies die öffentliche Hand viel Geld. 
  • Pro Juventute setzt sich deshalb im Sinne der Prävention von Jugendarbeitslosigkeit für die Verbesserung der beruflichen Chancengleichheit von Jugendlichen in der Schweiz ein. Damit ein guter Berufseinstieg für alle gleichermassen möglich ist, braucht es Massnahmen, die für intakte Chancen bei der Lehrstellensuche sorgen, die Zahl unnötiger Lehrabbrüche verringern und die Arbeitslosigkeit nach Lehrabschluss reduzieren.

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben ist für alle Jugendlichen ein wichtiger Schritt. Nicht allen gelingt er jedoch gleich gut. Die Chancen auf einen guten Berufseinstieg sind in der Schweiz nämlich sehr ungleich verteilt. Deutlich mehr Mühe haben Jugendliche, die keinen guten Schulabschluss mitbringen, einen Migrationshintergrund aufweisen oder mit psychischen Problemen kämpfen. Für sie alle ist es schwieriger, überhaupt eine Lehrstelle zu finden, und sie fassen im späteren Berufsleben schwerer Fuss als ihre gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen. So müssen junge Ausländerinnen und Ausländer mehr als doppelt so viele Bewerbungen schreiben und können nur viel seltener ihren Wunschberuf erlernen. Selbst bei identischem Schulniveau haben sie schlechtere Aussichten. Solche systematischen Benachteiligungen beim Berufseinstieg sind sowohl ungerecht als auch volkswirtschaftlich problematisch. Sie sind langfristig oft verbunden mit hohen Kosten, etwa für Sozialhilfeausgaben oder IV-Neuverrentungen. Massnahmen für die Prävention von Jugendarbeitslosigkeit sind deshalb lohnenswerte Investitionen. Ansetzen müssen sie überall dort, wo Jugendliche vor Selektionshürden stehen: (1) beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung, (2) während der Berufsausbildung selber und (3) beim Übergang von der Berufsausbildung ins Erwerbsleben. Dies sind zentrale Lebensphasen, in denen die Weichen für die berufliche Zukunft gestellt werden und sich entscheidet, ob und wie gut jemand im Erwerbsleben Fuss fassen und selbstverantwortlich sein Leben meistern kann.

Benachteiligte Jugendliche bei der Lehrstellensuche unterstützen

Jeder Jugendliche in der Schweiz soll die Möglichkeit haben, eine Berufslehre zu absolvieren, die seinen Wünschen und Fähigkeiten entspricht. Diese Chance darf nicht von sozialem Status oder Herkunft abhängig sein. Ein guter Einstieg in die Berufsbildung verringert Probleme während der Ausbildungszeit, aber auch psychische Belastungen wie Stress und übermässigen Leistungsdruck. Während der Berufsorientierung besonders wichtig ist die Unterstützung durch die Eltern. Dazu gehört ganz praktische Hilfe, etwa bei der Stellensuche oder beim Verfassen von Bewerbungen, aber auch das Wissen um Informations- und Unterstützungsangebote. Im Nachteil sind deshalb besonders Jugendliche, die nicht oder kaum auf diese Unterstützung aus dem Elternhaus zählen können.

Pro Juventute fordert, dass in der Schweiz Startnachteile gezielt durch geeignete Massnahmen abgefedert werden. Das gilt insbesondere für Jugendliche mit Migrationshintergrund und für solche mit psychischen Schwierigkeiten oder geringer Ausbildung. Nötig ist ein wirksames Angebot an Unterstützungs- und Beratungsangeboten mit Blick auf benachteiligte Gruppen und ihr Umfeld. 

Viele Lehrabbrüche sind unnötig und vermeidbar

Die Zahl der Jugendlichen, die in der Schweiz ihre Lehre abbrechen, ist klar zu hoch. Im Durchschnitt wird jedes vierte Lehrverhältnis vorzeitig beendet. Dabei ist die Abbruchquote bei ausländischen Jugendlichen deutlich höher als bei Schweizer Jugendlichen. Und der Jugendliche, der bildungsnah und mit unterstützenden Eltern aufwächst, hat deutlich grössere Chancen, seine Lehre erfolgreich zu absolvieren, als seine Kollegin aus einer wirtschaftlich und sozial belasteten Familie. Lehrabbrüche sind für Lernende und Lehrbetriebe unerfreulich. Für den Lehrbetrieb sind sie mit Aufwand und Kosten verbunden, für die Jugendlichen stellen sie risikoreiche Brüche in der Erwerbsbiographie dar und erschweren den Einstieg ins Erwachsenenleben. Wer die Ausbildung abbricht, läuft ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden, und bleibt häufig längerfristig ohne Berufsabschluss. Damit verschärfen Lehrabbrüche ohnehin vorhandene berufliche Ungleichheiten zusätzlich und sind deshalb wenn immer möglich zu verhindern.

Pro Juventute fordert deshalb Massnahmen zur Reduktion der Anzahl Lehrabbrüche in der Schweiz. Einerseits durch eine verbesserte Beratung und Unterstützung bei der Berufswahl und während der Berufsausbildung. Andererseits durch eine gute Ausbildungsqualität in Lehrbetrieben, damit sich diese um die persönlichen Verhältnisse der Jugendlichen bemühen können und für die Schwierigkeiten von Benachteiligten sensibilisiert und adäquat ausgebildet sind.

Reduktion der Arbeitslosigkeit von Jugendlichen nach Lehrabschluss

Eine weitere Herausforderung für Jugendliche ist der Übergang von der Lehre ins Erwerbsleben. Benachteiligte Jugendliche, insbesondere solche mit geringer Bildung, ausländischer Herkunft oder psychischen Schwierigkeiten, haben deutlich mehr Mühe, nach der Lehre eine Stelle zu finden. Sie tragen damit ein erhöhtes Risiko, trotz abgeschlossener Berufsbildung den Einstieg ins Erwachsenenerwerbsleben nicht rechtzeitig zu schaffen. Diese ungewollte Arbeitslosigkeit ist für Jugendliche eine schwere Belastung und birgt längerfristig ein klares Armutsrisiko. Deshalb besteht ein grosses gesellschaftliches und volkswirtschaftliches Interesse, möglichst alle jungen Erwachsenen nach der Ausbildung erfolgreich ins Berufsleben zu integrieren.

Pro Juventute fordert deshalb geeignete Massnahmen für Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, nach der Ausbildung eine Stelle zu finden. Unterstützt werden sollen gleichzeitig auch Unternehmen, die darum bemüht sind, benachteiligte Jugendliche zu integrieren und ihnen so den Einstieg ins Erwerbsleben zu ermöglichen.

Neben der politischen Arbeit engagiert sich Pro Juventute auch in ihren Programmen für die Prävention von Jugendarbeitslosigkeit.

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