Schule & Ausbildung

Wenn Corona das Schnuppern bei der Berufswahl erschwert

Aktuell herrscht in der Schweiz aufgrund der Corona-Krise Ausnahmezustand. Das wirkt sich auch auf die Berufswahl aus und macht den Entscheidungsprozess nicht einfacher. Momentan können nur begrenzt Eindrücke aus der Arbeitswelt gesammelt werden. Auch wenn die Situation herausfordernd ist, gibt es Möglichkeiten, um Kinder bei der Suche zu unterstützen.
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Jugendliche informieren sich online zur Berufswahl und Eltern unterstützen dabei.

In der Oberstufe rückt die Frage nach der Berufswahl ins Zentrum. Manche Jugendlichen haben bereits eine Idee, welcher Beruf passen könnte. Andere wissen nicht mehr weiter, sind mit der Suche überfordert und es fällt ihnen schwer, eine Entscheidung zu fällen. Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder motivieren und in der Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt bestärken. Je nach Situation, in welcher sich die Tochter, der Sohn gerade befindet, werden unterschiedliche Hilfestellungen benötigt.

Einige exemplarische Optionen

Ihr Kind hat noch keine beruflichen Vorstellungen

Vielleicht hatte Ihr Kind bis jetzt noch keinen «Moment der Erleuchtung» und braucht mehr Informationen über Optionen, die zur Verfügung stehen. Dabei geht es um die Frage, welche Berufe gibt es und welche entsprechen den Interessen und Stärken Ihres Kindes?

Bedingt durch die Corona-Krise bieten in verschiedenen Regionen diverse Berufsberatungsstellen neben persönlichen Beratungsgesprächen auch Online-, Telefon- und E-Mail-Beratungen an. Die entsprechenden Anlaufstellen finden Sie hier.

Füllen Sie gemeinsam mit Ihrer Tochter, Ihrem Sohn einen Interessenstest/Berufs-Finder aus. Oder Sie ermuntern Ihr Kind, den Test selbstständig zu machen. Eventuell kristallisiert sich dabei heraus, für welche Berufe es sich eignen könnte. Beispiele für solche Tests finden Sie unter:

Ihr Kind hat bereits eine Vorstellung

Ihr Kind hat bereits einige Eindrücke gesammelt und weiss, welche Lehrberufe in Frage kommen. Trotzdem besteht noch eine gewisse Unsicherheit, ob diese Berufe wirklich den Vorstellungen entsprechen. 

YouTube ist ein wahrer Fundus, zahlreiche Berufe werden in Videos vorgestellt. Mit etwas Recherche stösst man auf eine Menge Informationen. Etwas zielgerichteter sind Plattformen, die Ihrem Kind bestimmte Berufe anhand von Steckbriefen oder Videos näherbringen und einen Einblick gewähren. Unter folgenden Links finden Sie viele verschiedene Berufsbilder:

Eine weitere Option ist, Interviews durchzuführen mit Leuten aus einem bestimmten Beruf oder Berufstätigen aus dem eigenen Umfeld. Vielleicht arbeitet die Tante im Gesundheitsbereich, der Götti in einer Werkstatt und die Nachbarin als Goldschmiedin. Auch Eltern oder ältere Geschwister können für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Entfernte Bekannte, wie die Eltern einer Kollegin oder der Nachbar eines Klassenkameraden könnten Auskunft geben. Vielleicht lässt sich mit einem kurzen Telefon ein guter Zeitpunkt für ein «Interview» vereinbaren.

Im Vorfeld auch festlegen, ob die Befragung via Skype, Teams, Zoom, Jitsi, etc. stattfinden soll, damit man sein Gegenüber während des Gesprächs sieht. Natürlich können Fragen an die ausgewählten Auskunftspersonen auch ganz klassisch per Mail verschickt werden.

Schlagen Sie Ihrem Kind vor, erst einen «Fragekatalog» zu ausgewählten Berufen zu erstellen und sich nachher auf die Suche nach einer geeigneten Person zu machen, um sich diese Fragen beantworten zu lassen. Mögliche Fragen könnten lauten: Was gefällt Ihnen, dir besonders in diesem Beruf? Wie könnte mein Arbeitsalltag aussehen? Welche Schulfächer werde ich belegen? etc. …

Unterschiedliche Regelungen

Nachdem der Bund Lockerungen beschlossen hat, nehmen in gewissen Bereichen und Betrieben die Möglichkeiten zum Schnuppern langsam wieder zu. In vereinzelten Unternehmen, die ihren Arbeitsalltag wieder aufgenommen haben, können unter strikter Einhaltung der Schutzmassnahmen nach und nach wieder Schnupperlehren durchgeführt werden. Dazu gehören beispielsweise Coiffeure, Gastronomie, Detailhandel etc. 
Auch wenn die Anzahl an Covid-19-Fällen momentan nicht mehr drastisch steigt, sind wir noch lange nicht über dem Berg. Betriebe wie Login haben deshalb die Option «virtuelles Schnuppern» eingeführt. Genauere Informationen finden Sie hier.

Ihr Kind hat bereits eine Lehrstelle in Aussicht

Vielleicht hat Ihr Kind bereits eine Entscheidung getroffen und weiss, welchen Beruf es erlernen möchte. Es hat Glück und vielleicht sogar schon eine konkrete Möglichkeit in Aussicht. Nur das vorgängige Schnuppern im Betrieb, um sich gegenseitig besser kennenzulernen, ist im Moment wegen des Coronavirus nicht möglich. Wie kann Ihr Kind einschätzen, ob der Betrieb wirklich passt, bevor es den Lehrvertrag unterzeichnet?

Da der berufliche Alltag langsam wieder Fahrt aufnimmt, ist ein kurzer Besuch vielleicht doch möglich. Sonst besteht vielleicht die Chance, dass Ihrem Kind per Telefon oder Video-Call der Betrieb nähergebracht wird. Und in einem Telefonat mit der Berufsbildnerin oder eventuell auch mit einem Lernenden der Firma lassen sich bestimmt einige Fragen klären. Möglicherweise schildern Lernende Ihrem Kind ihre Eindrücke. Es lohnt sich, im Betrieb nachzufragen, ob solche Möglichkeiten bestehen

Viele Familien befassen sich momentan mit der Berufswahl und der Lehrstellensuche. Für manche unter ihnen gestaltet sich die Situation nicht ganz so einfach. Wir möchten Sie dennoch ermutigen ihr Kind auf diesem Weg mit Zuversicht und Geduld zu begleiten. Diskutiert wird zudem eine Verlängerung der Bewerbungsfrist für Lehrstellen. Bleiben Sie dran, bleiben Sie kreativ und geben Sie nicht auf!

Tipps für Eltern

  • Wenn Ihr Kind noch keine beruflichen Vorstellungen hat, kann es auf berufsberatung.ch eine Berufsberatung beanspruchen und so im Entscheidungsprozess unterstützt werden.
  • Füllen Sie gemeinsam einen Interessenstest/Berufs-Finder aus oder lassen Sie Ihr Kind den Test allein machen. Eventuell kristallisiert sich dabei heraus, für welche Berufe es sich eignen könnten.
  • Mit Hilfe von Steckbriefen oder Videos erhält Ihr Kind einen guten Einblick in verschiedene Berufe. 
  • Anhand eines «Fragekatalogs» kann Ihr Kind Berufsleute zu einem bestimmten Beruf befragen. 
  • In einem Telefonat mit der Berufsbildnerin oder eventuell auch mit einem Lernenden der Firma können Fragen beantwortet werden, die üblicherweise beim Schnuppern geklärt werden.