Mein Kind erfindet Geschichten

«Unser Sohn ist drei Jahre alt und macht uns viel Freude. Er ist verspielt und hat viel Fantasie. Im Spiel wird alles lebendig. Manchmal hat er Angst, dass ein Ungeheuer ins Zimmer kommt, wenn er nicht einen Stuhl vor die Türe schiebt. Dass das nicht möglich ist, will er nicht begreifen. Auch hat er angefangen, Dinge zu erzählen, die nicht stimmen. Wenn wir ihm sagen, dass er das erfunden habe, beharrt er darauf, dass es so gewesen sei. Kürzlich naschte er heimlich etwas Kuchen. Als wir ihn zur Rede stellten, meinte er, dass er gesehen habe, wie Mogli, unsere Katze, Kuchen gegessen habe. Wir möchten nicht, dass unser Sohn zu lügen beginnt und machen uns Sorgen. Was können wir tun, damit er merkt, dass wir ihn durchschauen und wissen, dass seine Geschichten erfunden sind?»

M.K., 34, Bellinzona

Antwort von der Pro Juventute Elternberatung

Kinder haben eine blühende Fantasie und wir verstehen, wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Sohn Lügenmärchen erzählt. Doch wir können Sie beruhigen. Mit drei Jahren sind Kinder von ihrer Entwicklung her noch nicht fähig, absichtlich zu lügen. Erst wenn ein Kind die Folgen seines Tuns abschätzen kann, versucht es vielleicht, sich durch eine Lüge einem Konflikt zu entziehen. 

In der Welt von Kleinkindern vermischen sich Wirklichkeit und Vorstellungskraft. Im Spiel zeigt sich das deutlich. Der Stuhl wird beispielsweise zum Auto und umgedreht zum Schiff. Blitzschnell wechselt das Kind von einer Welt in die andere. Ist es Zeit zum Mittagessen fährt das Schiff an Land und verwandelt sich wieder in einen gewöhnlichen Stuhl. Vielleicht gelingt dieser Wechsel mühelos, doch manchmal bleibt das Kind in seiner fantastischen Welt hängen.  

In der Welt von Kleinkindern vermischen sich Wirklichkeit und Vorstellungskraft.

In der kindlichen Vorstellungskraft helfen geheimnisvolle Wesen, wie Feen, Wünsche zu erfüllen, zu trösten oder zu beschützen. Zugleich können wilde Tiere, Zwerge, Riesen auch bedrohlich wirken. Fantasien helfen dem Kind, die Wirklichkeit besser zu bewältigen und mit vielfältigen Gefühlen umzugehen. Versuchen Sie nicht, Ihrem Sohn seine magischen Vorstellungen auszureden. Nehmen Sie seine Befürchtungen ernst, doch es nützt nichts, zu sagen: «Ungeheuer gibt es gar nicht». Seine Angst bleibt bestehen, denn in seiner Wirklichkeit versucht ein Ungeheuer ins Zimmer zu kommen. Natürlich können Sie dazu beitragen, dass sich Ihr Kind beruhigt. Vielleicht wählen Sie zusammen ein Plüschtier aus, das Ihren Sohn schützt. Oder Sie machen sich gemeinsam auf die Suche nach einer Monsterabwehrwache. Zwischen dem vierten und achten Lebensjahr ist die magische Vorstellungskraft sehr ausgeprägt und so können Sie noch eine Weile, über die Ideenwelt Ihres Sohnes staunen und mit ihm eintauchen.  

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