Mein Kind wird gemobbt

Was sollen Eltern tun, wenn ihr Kind gemobbt wird? Wie können sie ein betroffenes Kind unterstützen? Hilfreiche Informationen und ein Einblick in ein komplexes und für Betroffene schmerzvolles Thema.

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Jugendlicher wird von einer Gruppe gemobbt.

Mobbing hat viele Facetten, unterschiedliche Beteiligte und kann jede und jeden treffen. Auch bei Kindern und Jugendlichen ist Mobbing leider keine Seltenheit. Mobbing wächst durch Schweigen und ist eine schwere Form von Schikane. 

Bei Mobbing braucht es Hilfe

Oft wird in einem Umfeld gemobbt, indem sich ein Kind nicht einfach entziehen kann, zum Beispiel in der Schule oder in einem Verein. Meistens ist das Gefühl der Ohnmacht sehr gross, auch bei den nicht direkten Betroffenen. Wichtig ist: Mobbing löst sich nicht von allein auf und Kinder brauchen Hilfe von Erwachsenen. Und bei Mobbing braucht es eine andere Art von Hilfe als bei einem Konflikt. 

Wenn Kinder nichts sagen

Kinder sprechen nicht immer offen über Mobbing. Die Gründe für ihr Schweigen sind unterschiedlich. Vielleicht haben sie Angst, dass sich die Situation verschlimmert, oder fürchten sich vor einer Strafe, beispielsweise dass ihnen ihr Handy weggenommen wird. Manchmal erkennen sie selbst nicht, dass sie gemobbt werden, sondern stufen es als «Spass» oder etwas «Normales» ein. Vielleicht schämen sie sich auch oder wollen den Eltern keine Sorgen bereiten und verheimlichen deswegen ihre Lage. 

Konflikt oder Mobbing

Nicht alle fiesen Handlungen sind als Mobbing einzustufen. Deshalb ist es wichtig, erst einmal zu unterscheiden, ob es sich bei einem Vorfall um Mobbing oder einen Konflikt handelt. Bei einem Konflikt geht es um eine Auseinandersetzung in einer Sache, eine Meinungsverschiedenheit. Bei Mobbing hingegen handelt es sich um gemeines Verhalten gegenüber einer Person und über längere Zeit. Dabei geht es nicht mehr um eine Sache, sondern nur noch darum, die betroffene Person fertigzumachen. Die Vorgänge bei Mobbing können unterschiedlich sein. Oftmals wird wiederholt beleidigt, beschimpft, ausgeschlossen, bedroht, blossgestellt, geschlagen oder es werden Dinge weggenommen oder kaputtgemacht. 

Mobbing löst sich nicht von allein auf und Kinder brauchen Hilfe von Erwachsenen.

Anzeichen und Auswirkungen

Mobbing zu erkennen ist von aussen nicht ganz einfach. Kommt auch noch Cybermobbing  hinzu, spielen sich die Attacken virtuell ab und Erwachsene haben oft gar keinen Einblick . Eltern können jedoch mögliche Auswirkungen von Mobbing bei ihrem Kind beobachten. Beispielsweise, dass das Kind traurig, ängstlich, müde, verschlossen oder antriebslos wirkt. Eventuell zieht es sich in der Schule oder zu Hause mehr und mehr zurück oder sein Verhalten verändert sich ganz allgemein. Es machen sich körperliche Beschwerden bemerkbar, wie Bauch- oder Kopfschmerzen, und vielleicht hat es sogar Prellungen. Manchmal löst Mobbing auch Schlafprobleme und Appetitlosigkeit aus. Oder das Medienverhalten des Kindes ist anders und es nutzt Medien plötzlich viel intensiver oder kaum noch. Möglich ist auch, dass das Kind aus Angst nicht mehr in die Schule oder ins Training gehen will oder gar Suizidgedanken hat. 

Solche Anzeichen können auf Mobbing hinweisen, können aber auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden. Zum Beispiel durch Veränderungen während der Pubertät, als Folge von zu viel Medienkonsum oder aus Angst vor einer bevorstehenden Prüfung.

Was Eltern tun können

Wenn Eltern bei ihrem Kind Mobbing vermuten, sollten sie es nicht mit der Frage überrumpeln: «Wirst du gemobbt?». Besser ist, dem Kind zu spiegeln, was man wahrnimmt. Beispielsweise zu sagen: «Mir ist aufgefallen, dass du nicht mehr so viel von der Schule erzählst» oder «ich habe das Gefühl, dass es dir nicht so gut geht». Das Kind sollte merken, dass seine Not gesehen wird und es nicht allein ist. Öffnet sich das Kind und erzählt was los ist, braucht es Geborgenheit, Unterstützung und das Gefühl, gehört und ernstgenommen zu werden. Eltern können ihrem Kind vermitteln, dass sie da sind, ihm helfen wollen, ihm nicht die Schuld für seine Lage geben und es von ihnen keine Strafe befürchten muss. 

Strategien entwickeln

Mobbing löst sich nicht von allein auf. Nicht hilfreich ist, wenn Eltern im Alleingang handeln und die mobbende Person oder deren Eltern direkt konfrontieren. Häufig reagieren die Eltern des mobbenden Kindes mit Abwehr und die Situation verschärft sich. Weil das mobbende Kind seinen Ärger wieder am betroffenen Kind auslässt, wird das Mobbing häufig nur noch schlimmer. Eltern sollten nie über den Kopf ihres Kindes hinweg entscheiden, sondern es immer in das weitere Vorgehen miteinbeziehen. So kann gemeinsam eine Strategie für eine nächste Mobbingsituation entwickelt werden, wie beispielsweise Hilfe holen, nicht selbst beleidigen oder weglaufen. 

Hilfe holen

Passieren die Mobbingvorfälle in der Schule soll über eine Lehrperson, Schulleitung oder Schulsozialarbeit möglichst schnell informiert und Hilfe aktiviert werden. Gemeinsam können Lösungen gesucht und alle involvierten Kinder und Jugendlichen abgeholt und begleitet werden. Wenn sich Eltern und Schule miteinander austauschen, wird Mobbing besser erkannt, gestoppt und aufgelöst. Nicht immer ist das so einfach, da jede Situation anders und oftmals sehr komplex ist. Es gibt verschiedene Anlauf- oder Beratungsstellen, die Hilfe anbieten, zum Beispiel die Pro Juventute Elternberatung, die Opferhilfe oder die Präventionsfachstelle bei der Polizei.

Mobbing und das Gesetz 

Einige Handlungen bei Mobbing sind gesetzliche Straftaten. Dazu gehören Drohungen und Erpressungen. Bei solchen Taten sollten Beweismittel gesammelt werden, beispielsweise Chatverläufe. Man kann aufschreiben, wer wann was gemacht hat und wer Zeuge ist. Wenn über digitale Medien gemobbt wird, kann man Bildschirmfotos von diesen illegalen Handlungen erstellen und beratenden Personen oder der Polizei am Gerät zeigen. 

Das weitere Vorgehen

Wann man sich an die Polizei wenden oder Anzeige einreichen soll, kann nicht allgemein beantwortet werden. Es gilt zu berücksichtigen, dass die Polizei je nach Delikt reagieren muss. Mit einem rechtlichen Verfahren kann sich die Situation unter Umständen unnötig verschlimmern. Die Polizei sollte also erst eingeschaltet werden, wenn andere Massnahmen erfolglos waren. Eine Möglichkeit wäre, erst anonym abzuklären, wie ein mögliches Vorgehen aussehen würde.

Tipps für Eltern 

  • Seien Sie wachsam und achten Sie auf Veränderungen und Warnsignale. Finden Sie heraus, wie es Ihrem Kind geht. Reden Sie mit ihm über sein Befinden in der Schule, mit Freunden, im Verein etc. 
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind vorgängig über Mobbing und zeigen Sie ihm auf, wie Mobbing zu erkennen ist und wie man reagieren kann. Definieren Sie gemeinsam Handlungsmöglichkeiten oder Strategien. 
  • Fragen Sie bei einem Verdacht behutsam nach und bieten Sie dem Kind Ihre Unterstützung an. Kinder, die wissen, dass es die Eltern interessiert, wie es ihnen geht, erzählen eher, wenn etwas nicht stimmt.
  • Sagen Sie Ihrem Kind, dass es sich immer an Sie oder eine andere Vertrauensperson wenden und mit Hilfe rechnen kann. Zeigen Sie ihm auch Alternativmöglichkeiten auf, zum Beispiel Beratung+Hilfe 147 von Pro Juventute
  • Leben Sie ein gewaltfreies Miteinander, Offenheit und Zivilcourage vor und beziehen Sie eine klare Stellung gegen Mobbing. Ermutigen Sie Ihr Kind, mutig für andere einzustehen und unfaires Verhalten nicht einfach hinzunehmen.
  • Holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung in der Schule, bei Anlauf- oder Beratungsstellen, der Pro Juventute Elternberatung oder der Polizei.  

Mobbing wächst durch Nichtreagieren und Schweigen. Wer nicht reagiert, der akzeptiert Mobbing. Helfen Sie mit, gegen Mobbing anzugehen und teilen Sie diesen Artikel.