Streit um Dein und Mein

«Wenn ich Freundinnen mit Kleinkindern treffe, kommt es manchmal zu unschönen Szenen. Mein Sohn ist anderthalb Jahre alt und gerne mit anderen Kindern zusammen. Allerdings nimmt er ihnen oft Spielsachen weg, wenn sie ihm gefallen. Das belastet Begegnungen mit anderen Familien. Wie soll ich reagieren, damit mein Sohn merkt, dass er sich Dinge nicht einfach nehmen kann?»

A.M., 32, Neuenburg

Antwort von der Pro Juventute Elternberatung

Vielen Dank für Ihre Offenheit und ein kleiner Trost: Auch andere Eltern machen diese Erfahrung und haben Angst, dass das Verhalten des Kindes gewertet wird. Durch Schubsen oder am gleichen Gegenstand ziehen, drücken Kleinkinder ihr Interesse am Gegenüber aus. 

Von aussen betrachtet sieht es aus, als ob sie nebeneinander und nicht miteinander spielen. Dieser Eindruck täuscht, denn Kleinkinder stehen stärker in Kontakt, als man meint. Je nach Persönlichkeit begegnen sie einander mit Neugierde oder eher zurückhaltend. Und wie Sie selbst erleben, ist eine Kontaktaufnahme in diesem Alter oft handgreiflich. Eine andere Möglichkeit kennt das Kind noch nicht. Es muss erst lernen, was im Umgang mit anderen Kindern funktioniert und was nicht. Wahrscheinlich werden Sie staunen, wie schnell Ihr Sohn Fähigkeiten erwirbt, um Konflikte zu lösen. 

Ein Kleinkind kann noch nicht zwischen 'dein' und 'mein' unterscheiden.

Ein Kleinkind kann noch nicht zwischen «dein» und «mein» unterscheiden. Will der kleine Spielpartner oder die kleine Spielpartnerin etwas nicht freiwillig hergeben, nimmt man es sich halt. Dass das mit mehr oder weniger Krafteinsatz geschieht, ist in diesem Alter normal. Als Mutter an die Vernunft zu appellieren, wäre in dieser Entwicklungsphase müssig. Besser ist es, wenn Sie Ihrem Sohn erklären, dass das Spielzeug dem Mädchen gehört und es beispielsweise ohne seinen Hasen traurig ist. Vielleicht können Sie die Situation auch entschärfen, indem Sie Ihrem Sohn ein Tauschobjekt anbieten, beispielsweise seine Plüschkatze. 

Mehr und mehr werden Sie ein Gespür dafür entwickeln, ob Sie zuwarten oder eingreifen sollen. Falls nötig, können Sie das auch gegenüber anderen Eltern erklären. Trösten Sie Ihren Sohn, wenn er weint, weil sein Gegenüber ihm wehgetan hat. Geben Sie ihm aber auch zu verstehen, dass Sie gewisse Dinge nicht tolerieren, beispielsweise wenn er haut oder beisst. Beobachten Sie erst, wie sich die Kinder verhalten, bevor Sie vorschnell reagieren. 

Um sich in der Kinderwelt zurechtzufinden, müssen Eltern und Kinder viel lernen. Es braucht Geduld und zugleich ist es spannend. Freuen Sie sich, Ihren Sohn bei seinen Erfahrungen und bei Entdeckungen zu begleiten. 

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