Entwicklung & Gesundheit

Was tun, wenn das Kind süchtig ist?

Wie können Eltern Abhängigkeitserkrankungen bei Jugendlichen erkennen und ihrem Kind helfen? Welche Warnzeichen gibt es für Sucht? Erfahren Sie, wie Symptome erkannt werden können und erhalten Sie Tipps für das Gespräch mit Ihrem Kind.
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Junge gamet in seinem Zimme.

Was sind Abhängigkeitserkrankungen?

Sucht- oder Abhängigkeitserkrankungen sind psychische Störungen, die sich in der Konsumation von Substanzen oder im Verhalten ausdrücken können. Die Abhängigkeit von Substanzen umfasst die Sucht nach Drogen wie Cannabis, Alkohol, Nikotin und Kokain. Verhaltenssüchte beinhalten ein exzessives und zwanghaftes Verhalten wie Handysucht, Gamesucht, Sportsucht, Kaufzwang, Glücksspielsucht oder Sexsucht.

Sucht im Jugendalter

Die Sucht aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn – es entsteht ein angenehmes Gefühl. Wenn dieses Gefühl nachlässt, möchte das Gehirn es wieder erlangen, was zu einer Abhängigkeit führen kann. Im Jugendalter sind Abhängigkeitserkrankungen besonders gefährlich, da das Gehirn bis Mitte zwanzig noch in der Entwicklung ist. Die Auswirkungen einer Suchterkrankung auf die Gehirnreifung und den Entwicklungsprozess stellen ernsthafte Risiken dar. 

Im Jugendalter sind Abhängigkeitserkrankungen besonders gefährlich, da das Gehirn bis Mitte zwanzig noch in der Entwicklung ist. 

Oftmals beginnen Suchterkrankungen in der Jugend und reichen bis ins Erwachsenenalter. Manchmal sind sie dauerhaft, manchmal gibt es Zeiten ohne Symptome, aber mit Rückfällen.

Sucht erkennen

Gerade bei Verhaltenssüchten ist es nicht immer einfach, diese zu erkennen, da viele der Verhaltensweisen im Alltag integriert sind und als normal angesehen werden. Wir alle treiben Sport, nutzen das Internet und tätigen Einkäufe. Die Gedanken einer abhängigen Person drehen sich aber ständig um die Wiederholung des entsprechenden Verhaltens oder den Konsum der Substanz.

Die Gedanken einer abhängigen Person drehen sich aber ständig um die Wiederholung des entsprechenden Verhaltens oder den Konsum der Substanz. 

Anzeichen einer Abhängigkeitserkrankung

Zu den typischen Warnzeichen für eine Sucht gehören:

  • ein erhöhter Leidensdruck
  • die Vernachlässigung früherer Hobbys oder sozialer Kontakte 
  • der zwanghafte Konsum von Substanzen
  • die Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen trotz negativer Folgen
  • Entzugssymptome wie Schlaflosigkeit, Unruhe oder Konzentrationsprobleme 

Es ist üblich, dass Suchtkranke auch andere psychische Probleme wie Angst oder Depressionen haben. Es ist jedoch oft schwer zu sagen, ob diese Probleme die Ursache oder die Folge der Sucht sind, da sie sich gegenseitig beeinflussen können.

Über Sucht sprechen

Es ist wichtig, mit Jugendlichen, die von einer Suchterkrankung betroffen sein könnten, offen und ehrlich zu sprechen. Dabei können Verhaltensweisen, die Sorgen bereiten, und beeinträchtigte Lebensbereiche angesprochen werden. Eine Ich-Botschaft, wie: «Ich mache mir Sorgen um dich, wenn du wegen des nächtlichen Gamens morgens kaum aus dem Bett kommst», kann ein sachliches Gespräch einleiten.

Was Eltern tun können

Abhängigkeit ist eine ernsthafte Erkrankung, die professionelle Hilfe benötigt. Von einer Sucht loszukommen, ist nicht einfach und guter Wille reicht oft nicht aus. Wenn Eltern vermuten, dass das Kind abhängig sein könnte, ist professionelle Hilfe nötig. Dies kann durch eine Therapie, eine Beratungsstelle oder in einem speziellen Hilfsprogramm für Jugendliche erfolgen. In der Regel ist es einfacher, das Problem zu lösen, wenn es früh angegangen wird.

Tipps für Eltern

  • Kein Verharmlosen: Exzessives Verhalten ist bei Jugendlichen oft auch ein vorübergehendes Problem. Es ist daher wichtig, Abhängigkeiten nicht mit pubertärem Verhalten zu verwechseln und zu verharmlosen.
  • Warnsignale erkennen: Veränderungen im Verhalten Ihres Kindes, insbesondere die Vernachlässigung von Hobbys und sozialen Kontakten, können ein Anzeichen für eine Abhängigkeitserkrankung sein.
  • Darüber sprechen: Sprechen Sie mit Ihrem Kind offen über Ihre Sorgen und ermutigen Sie es, seine Gefühle und Erfahrungen offen zu teilen.
  • Unterstützung anbieten: Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass es in dieser schwierigen Zeit nicht allein ist und dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Hilfe zu suchen.
  • Professionelle Hilfe aufsuchen: Wenn Sie eine Abhängigkeit bei Ihrem Kind vermuten, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch. Es gibt viele Ressourcen und Therapieoptionen, die helfen können.

Im ensa Erste-Hilfe-Kurs Fokus Jugendliche wird praxisnah Basiswissen über Abhängigkeitserkrankungen und andere psychische Erkrankungen und Krisen Jugendlicher vermittelt. Teilnehmende lernen, Probleme rechtzeitig zu erkennen, wertfrei anzusprechen und Betroffene zu professioneller Hilfe zu ermutigen.

ensa ist ein Programm der Stiftung Pro Mente Sana, mitinitiiert und unterstützt durch die Beisheim Stiftung.

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