Entwicklung & Gesundheit

Langeweile zulassen – gar nicht so einfach!

Langeweile zu haben und Langeweile zuzulassen ist in vielen Momenten das Beste für das Gehirn und die Seele. Nun zwingt uns der Corona-Lockdown Aktivitäten einzustellen und bedingt, dass wir uns wieder mit uns selber beschäftigen lernen. Tipps und Ideen für mehr Entspannung im Alltag mit Kindern.
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Langeweile mag Kinder nerven. Zugelassene Langeweile aber ist super fürs Hirn

Viele Menschen denken, Langeweile müsse man bekämpfen, denn Langeweile sei ein Problem, Nichtstun etwas für «Verlierer». So wird Langeweile gering geschätzt, da der heutige Mensch ständig unter dem Druck steht, seine Zeit sinnvoll zu nutzen. Immer aktiv sein zu müssen, immer etwas zu tun zu haben, ist mit ein Grund für unsere stressgeplagte Gesellschaft. Doch seit dem Corona-Lockdown ist alles anders. Wir müssen zu Hause bleiben und wieder lernen, unsere Freizeit selber zu gestalten und eigene Beschäftigungsideen zu entwickeln.

Langeweile ist «Super Food» für das Gehirn

Doch Langeweile kann etwas Gutes sein, und viele heutige Psychiater und Psychiaterinnen nennen die Langeweile sogar «Super Food» fürs Gehirn und für die Seele. Nichts zu tun zu haben oder, wie es in Italien so schön heisst, das Dolce far niente – das süsse Nichtstun – kann auch sehr entspannend sein und ungemein entschleunigen: kein Plan, einfach den Impulsen folgen und tun, worauf man gerade Lust hat – und sei es den ganzen Tag auf dem Sofa rumzuhängen oder im Garten rumzulungern. Ganz in Ruhe in den Himmel schauen macht den Kopf frei für Neues! Solche Erfahrungen sind wichtig. Durch den veränderten Alltag können sich Kinder diese Fähigkeit wieder aneignen.

Wenn wir unsere Kinder anschauen, erkennen wir, dass sie einen natürlichen Umgang haben mit dem Herumhängen und dem Nichtstun. Sie besitzen eine Wertschätzung für die Langeweile, die verloren geht, wenn Eltern Kinder ständig zur Aktivität auffordern und sie mit den unterschiedlichsten Hobbys überbuchen.

Gezwungenermassen bleibt Kindern nun mehr unverplante Zeit. Bestimmt macht sich in den nächsten Wochen auch Langeweile breit. Bedingt durch die Ausnahmesituation gibt es weniger Ausweichmöglichkeiten und es gilt, die Langeweile zu ertragen. Dadurch aber wird nun die eine oder andere Idee entstehen, die sonst weder Raum noch Platz gefunden hätte.

Weniger Aktivitäten führen zu grösserem Ideenreichtum

Durch zu viel Abwechslung und Dauerprogramm werden die Kinder empfindlich gegenüber Langeweile. Mit der Zeit wissen sie nichts mehr mit sich anzufangen, sie wollen immer beschäftigt sein. Eigentlich müssten wir Erwachsene uns bewusst werden, wie der eigene Umgang mit Zeit auf die Kinder wirkt. Durch den Lockdown ist nun alles anders. In den letzten Wochen mussten wir uns immer mehr zurücknehmen. Die Schulen sind geschlossen und viele Ablenkungen fehlen. Die Kinder können nun wieder aus eigener Kraft mit freier Zeit umgehen lernen. Plötzlich werden sie nicht ständig unterhalten oder mit Aktivitäten überhäuft. So können die Kinder der Leere, die Langeweile als Merkmal in sich trägt, wieder mit Ideenreichtum begegnen.

Den Tag planen kann Stress mindern

Empfehlenswert ist, den Tagesablauf trotzdem gut zu strukturieren und Fixpunkte festzulegen: Aufstehzeit, Frühstück, Aufgabenzeit, zusammen kochen, backen, Ruhezeit, um für sich zu spielen, gemeinsames Spielen/Basteln. Falls eigene Ideen fehlen, gibt es online unzählige Anregungen für die Lockdown-Zeit. 

Fazit: Auch in herausfordernden Zeiten kann Langeweile durchaus eine Möglichkeit sein, Kreativität und seelisches Gleichgewicht zu fördern.

Empfehlungen für Eltern

  • Lassen Sie Ihren Kindern Zeit zum Träumen und zum Nichtstun. Wenn Sie sich dazugesellen, wird es sogar noch schöner.
  • Ein «Pyjama-Tag» bietet sich für Sonntage gut an, gehen Sie den Tag entspannt an. 
  • Respektieren Sie, wenn Ihr Kind einmal nur rumhängen will. Und lassen Sie sich nicht davon stressen, dass das Kind auf gar nichts Lust hat. In solchen Momenten haben auch Sie mehr Zeit für sich.
  • Zusammen spielen stärkt das Familiengefüge erwiesenermassen und eignet sich gut in dieser Zeit des Rückzugs aus dem öffentlichen Leben.
  • «Mami, mir ist langweilig.» Regen Sie Ihr Kind an, sich ein paar Dinge auszudenken, die es gerne machen würde und die auch machbar sind. Oder überlegen Sie gemeinsam, was es unter den veränderten Bedingungen für Beschäftigungsmöglichkeiten gibt. 
  • Füllen Sie eine «Langeweileschachtel» mit Ideen, was man tun könnte, wenn es einem langweilig ist. Sie können das auf Papierstückchen schreiben, Zeichnungen machen oder Gegenstände hineinlegen.