Familie & Gesellschaft

Mit Kindern über Geld sprechen

Über Geld spricht man nicht. Oder doch? Geld und Konsum spielen in unserer Welt eine zentrale Rolle. Damit Kinder diese komplexe Thematik verstehen lernen, ist es wichtig, sie in Alltagssituationen einzubeziehen und mit ihnen altersgerecht über Geld zu reden. Tipps, wie Eltern das machen können.
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Kind und Eltern beim Einkaufen im Laden.

Schon früh kommen Kinder mit Geld in Berührung und begegnen den Verlockungen in den Läden. Sie beobachten zudem Erwachsene genau und registrieren Details wie: Papa bezahlt am Kiosk mit «Nötli und Münz», Mama an der Tankstelle mit Karte. Doch viele Dinge in Zusammenhang mit Geld sind kaum sichtbar und deshalb für Kinder nur schwer nachvollziehbar. Da helfen Erklärungen und Gespräche.
Im Alltag ergeben sich immer wieder Anlässe und Fragen, die genutzt werden können, um in der Familie über Geld zu sprechen.

Hier ein paar Beispiele: 

Gemeinsam planen und einkaufen

Für kleine Kinder sieht es beim Einkaufen aus, als würden die Erwachsenen wahllos Produkte in den Einkaufswagen legen. Kinder wissen nicht, was in den Köpfen von Erwachsenen vor sich geht. Weil Kaufentscheide für Kinder oft nicht nachvollziehbar sind, fragen sie sich: «Wieso nimmt Papa Gemüse, aber keine Schokolade?». Erklären Sie dem Kind, wieso Sie sich für oder gegen gewisse Produkte entscheiden. Wenn Sie den Einkaufszettel gemeinsam schreiben, kann das Kind im Kühlschrank nachsehen, was fehlt und ebenfalls überlegen, welche Produkte noch benötigt werden. Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie bereits zu Hause notieren, was Sie einkaufen sollten.

Fragen zum Nachdenken und gemeinsam Diskutieren: 

  • Woher kommt das Geld? Und wohin geht es?
  • Was kaufst du mit deinem Geld?
  • Was würdest du tun, wenn du ganz viel Geld hättest?
  • Wie wichtig ist Geld für dich?
  • Was ist dir wichtig und lässt sich nicht mit Geld kaufen?

Digitales Geld erklären

Aus Sicht von Erwachsenen hat der Wandel zu digitalem Geld vieles vereinfacht. Für Kinder bleibt der Geldfluss jedoch vermehrt unsichtbar und bestimmte Eigenschaften des Geldes dadurch weniger greifbar. Auch hier gilt: Wenn Kinder nicht nachvollziehen können, was passiert, brauchen sie mehr Erklärungen von Erwachsenen. Sagen Sie Ihrer Tochter, Ihrem Sohn beispielsweise, dass Sie beim Arbeiten Geld erhalten und Sie mit diesem Geld Essen und Kleider kaufen können. Weisen Sie Ihre Tochter, Ihren Sohn auch darauf hin, dass Sie das Geld von Ihrem persönlichen Bankkonto nehmen und überlegen müssen, wofür Sie es ausgeben und wie viel davon.  

Fragen zum Nachdenken und gemeinsam Diskutieren:

  • Wo brauchst du (Bar-)Geld? 
  • Wann hast du mit Geld zu tun, das du nicht in den Händen hältst?
  • Was würde sich ändern, wenn es kein Bargeld mehr gibt?
  • Welche Arbeit ist wie viel wert? Warum verdienen die einen viel mehr als die anderen, obwohl sie gleich lange arbeiten?
  • Was wäre, wenn alle gleich viel verdienen würden – egal, was sie arbeiten?

Über Wünsche sprechen

Wünsche gehören zum Leben. Auch Erwachsene haben Wünsche. Über dieses Thema kann man mit Kindern wunderbar reden und philosophieren. Dazu gehört auch, dass nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen und es manchmal viel Geduld braucht, bis sich ein Wunsch erfüllt. Üben sich Kinder im Warten, können sie diese Fähigkeiten später für verschiedene Belange einsetzen. Eltern können ihr Kind beim Warten unterstützen, im Umgang mit Enttäuschungen stärken oder zum Sparen anregen.  

Fragen zum Nachdenken und gemeinsam Diskutieren: 

  • Was brauchst du, damit es dir gut geht?
  • Was ist dir wichtig und lässt sich nicht mit Geld kaufen?
  • Wie erfüllst du deine Wünsche, wenn du kein Taschengeld bekommst?
  • Wie gut kannst du verzichten? Worauf kannst du verzichten?
  • Wofür hast du schon gespart? Hast du dein Sparziel erreicht? Hat es sich gelohnt, dafür zu sparen?

Ferienbudget erstellen

Ferien oder Ausflüge sind ideale «Projekte», um zusammen mit dem Kind zu überlegen, wo überall Kosten anfallen. Wenn Sie ein Ferienbudget erstellen und als Familie alle Kosten zusammentragen, ergeben die verschiedenen Ausgabeposten bestimmt Diskussionsstoff. Zudem entsteht ein schöner Nebeneffekt: Gewisse Streitpunkte über Ausgaben in den Ferien lassen sich schon vor dem Urlaub abhaken, was die Ferien entspannter macht.

Fragen zum Nachdenken und gemeinsam Diskutieren: 

  • Was wäre, wenn alles gratis wäre?
  • Sind Dinge, die gratis sind, gleich viel wert, als wenn sie etwas kosten?
  • Wie stellst du dir ein Leben ohne Geld vor? Was wäre gleich und was anders?
  • Wie lange macht ein Geldgeschenk glücklich?
  • Macht Geld glücklich? Kann man auch ohne Geld glücklich sein?

Werbestrategien durchschauen

Werbung enthält Botschaften, die Bedürfnisse wecken. Oft sehen Kinder nur, dass es etwas Tolles und Neues gibt und dass sie das unbedingt haben müssen. Doch Werbung sagt meist nicht die ganze Wahrheit. Ein Handy für einen Franken? Wohl kaum. Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Strategien die Werbung nutzt und warum das Ungesagte und Kleingedruckte für den Kaufentscheid so wichtig ist. 

Fragen zum Nachdenken und gemeinsam Diskutieren:

  • Welche Marken sind cool? Und warum?
  • Wo sind dir Marken wichtig? Wo sind sie weniger wichtig?
  • Beeinflusst die Werbung unsere Träume und träumen wir von Dingen, die wir aus der Werbung kennen?
  • Sind Träume schöner als die Wirklichkeit?

Über Konsum nachdenken

Was ist wirklich wichtig und notwendig? Regen Sie Ihr Kind zum Nachdenken an. Diskutieren Sie über die verschiedenen Aspekte, die mit Konsum verbunden sind. Auch mit jüngeren Kindern kann man sich Gedanken machen über Ressourcen, Nachhaltigkeit, Notwendigkeit, Qualität und was es für Alternativen gibt. Teilen Sie Ihrem Kind Ihre Meinung zu kritischen Aspekten der Konsumhaltung mit und hören Sie zu, was Ihr Kind dazu zu sagen hat. 

Fragen zum Nachdenken und gemeinsam Diskutieren: 

  • Was ist Luxus? Braucht der Mensch Luxus?
  • Wofür gibst du gerne und/oder viel Geld aus? Warum?
  • Worauf achtest du, wenn du etwas kaufst?
  • Wann verzichtest du darauf, ein Produkt zu kaufen?
  • Was ist das Wertvollste, das du besitzt? Warum ist es für dich so wertvoll?

Buchtipp für Kinder von vier bis acht Jahren

Im Bilderbuch «Geld zu verkaufen!» geht es darum, wie man zu Geld kommt, was man damit tun kann und dass Geld eine begrenzte Ressource ist. Auf spannende und kindergerechte Weise greifen Lorenz Pauli und Claudia de Weck in ihrer Geschichte diese und weitere Themen auf. 

Das Bilderbuch soll Kinder und Eltern anregen, über diese Themen zu sprechen.

Hier können Sie das Buch bestellen.

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«Geld zu verkaufen» – das Pro Juventute Kinderbuch zum Thema Geld und Konsum