Familie & Gesellschaft

Kinderrechte im Alltag

Die Schweiz hat sich verpflichtet, die Umsetzung der Kinderrechte zu garantieren. Wie die Umsetzung im Familienalltag aussehen könnte, ist jedoch nicht so einfach zu verstehen. Erfahren Sie anhand von Beispielen, wie Kinderrechte im Alltag gelebt werden können.
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Kinderrechte kennen und verstehen - jetzt informieren

In der Einleitung der UNO-Kinderrechtskonvention steht, dass «das Kind zur vollen und harmonischen Entfaltung seiner Persönlichkeit in einer Familie und umgeben von Glück, Liebe und Verständnis aufwachsen sollte». Doch wer definiert Glück? Kann Zuneigung angeordnet werden? Können Eltern gezwungen werden, ihr Kind zu lieben? 

Glück, Liebe und Verständnis sind unverzichtbar für ein Kind, können aber weder gemessen, noch als Rechte eingefordert werden. Die in der UNO-Kinderrechtskonvention enthaltenen Rechte sind in der Absicht festgehalten, die bestmöglichen Grundlagen zu schaffen, damit sich Kinder vollumfänglich und ihren Bedürfnissen entsprechend entwickeln können.

Kinderrechte kennen und verstehen

Wie die Umsetzung im Alltag aussehen könnte und sollte, ist oft nicht einfach zu verstehen. Viele Institutionen haben sich dem Thema gewidmet. Kinderschutz Schweiz befasst sich eingehend damit und hat in den Pro Juventute Elternbriefen in sechs Beiträgen die Grundlagen der Kinderrechte, sowie spezifische Umsetzungsmöglichkeiten durch praxisnahe Beispiele verständlich erklärt.

Zum Beispiel: Kinder haben das Recht auf die bestmögliche Entwicklung, aber wie sieht diese aus? Entwicklung ist in der UNO-Kinderrechtskonvention als Prozess definiert, der zum Ziel hat, alle anderen Rechte der Kinderrechtskonvention zu verwirklichen. Demzufolge geht Entwicklung weit über das Überleben hinaus und umfasst die Persönlichkeit, die Begabungen, die seelischen, geistigen und körperlichen Fähigkeiten des Kindes sowie sein materielles Wohlbefinden. Eltern kommt die wichtige Rolle zu, die Entwicklung ihres Kindes bestmöglich zu unterstützen. Wie das konkret im Alltag aussieht, kann jedoch nicht allgemeingültig definiert werden.

Das Kind in seiner Individualität wahrnehmen

Die acht Monate alte Lara liebt es im Wasser zu sein. Jedes Mal, wenn sie gebadet wird, drückt sie ihre Freude durch Jauchzen und Lachen aus. Gerne würden die Eltern mit ihr einen Babyschwimmkurs besuchen. Doch die regionalen Kurse sind teuer und die Termine passen nicht mit dem Familienplan überein. Laras Eltern besorgen ein kleines Planschbecken und beschliessen, regelmässig mit ihrer Tochter ins Schwimmbad zu gehen.

Angebote wie Babyschwimmen zu nutzen, ist keine Voraussetzung, die für eine bestmögliche Entwicklung notwendig ist. Ein Kind braucht aber Eltern oder Bezugspersonen, die es in seiner Individualität wahrnehmen und merken, wenn ihm etwas besonders entspricht.

So erklären Kinder Kinderrechte – Ein Video, das im Rahmen eines Ferienplausch-Workshops von Pro Juventute entstanden ist:

 

Kindeswohl ist die Umsetzung aller Kinderrechte

Wenn Kinder alle festgehaltenen Rechte geniessen, dann spricht man vom Überbegriff «Kindeswohl». Sich am Kindeswohl zu orientieren, bedeutet unter anderem, die Bedürfnisse der Kinder wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Das kann beispielsweise bedeuten:

Die zwei Monate alte Elisa liegt in ihrem Bettchen und weint seit geraumer Zeit. Ihre Mutter ist mit dem dreijährigen Leo am Kuchen backen. Zuvor hat sie Elisa gestillt und ihr die Windeln gewechselt. Leo möchte die Zutaten unbedingt selber verrühren, braucht aber Hilfe. Nun wartet er ungeduldig, weil sich seine Mutter zwischendurch um Elisa kümmert und sie aufnimmt. Während die Mutter und Leo gemeinsam weitermachen, bleibt Elisa auf dem mütterlichen Arm. Das Baby scheint ein Bedürfnis nach Nähe verspürt zu haben – innert weniger Minuten ist es ruhig und zufrieden.

Viele Kinderrechte werden von Eltern und anderen Bezugspersonen intuitiv umgesetzt, andere lohnt es sich zu kennen und zu verstehen, um sie auch aktiv fördern zu können. Wer sich auf spielerische Weise mit den Rechten der Kinder auseinandersetzen möchte, kann das Kinderrechtsspiel herunterladen. Denn nicht nur die Schweiz als Land hat sich Verpflichtet, die Kinderrechte zu wahren. Sie müssen auch im Alltag gelebt werden.

Digitale Bildungsangebote rund um die Kinderrechte

Kinderrechte entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie bekannt sind. Kinderrechtsbildung stärkt Kinder darin, ihre eigenen Rechte zu kennen, zu verstehen und im Alltag wahrzunehmen. Gleichzeitig unterstützt sie Fachpersonen dabei, Kinderrechte in ihrem beruflichen Handeln konsequent umzusetzen.

Für Kinder: Kidimo – Web-App zu den UN-Kinderrechten

Kidimo ist eine interaktive, spielerische Lernplattform rund um die UN-Kinderrechtskonvention und wurde von der Fachhochschule Ostschweiz gemeinsam mit Kindern sowie Partnerorganisationen wie Pro Juventute entwickelt. Die mehrsprachige Web-App funktioniert auf dem Smartphone, Tablet und Computer und macht das abstrakte Thema Kinderrechte alltagsnah und verständlich erlebbar. Kidimo ist ideal für Unterricht und ausserschulische Bildungsangebote. Ergänzend stehen Begleitmaterialien für Fachpersonen zur Verfügung.

Für Fachpersonen: childrights-mooc.ch – Online-Kurs zu Kinderrechten

Mit childrights-mooc.ch steht ein kostenloser, mehrsprachiger Online-Kurs zu Kinderrechten in der Schweiz zur Verfügung. Entwickelt wurde er vom Internationalen Institut für die Rechte des Kindes (IDE) in Zusammenarbeit mit über 40 Partnerorganisationen, darunter Pro Juventute. Der MOOC richtet sich an Fachpersonen, die mit und für Kinder arbeiten, und umfasst sechs praxisorientierte Module (u. a. Kinderschutz, Bildung, Justiz und Gesundheitswesen). Der Kurs kombiniert Videovorträge, interaktive Übungen und Diskussionsforen und kann flexibel sowie im eigenen Tempo absolviert werden. Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein Zertifikat. 

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