Kindesentführung: Prävention ist wichtig
Liebe Mamis und Papis, ein Kind aus dem Kindergarten wurde auf dem Nachhauseweg von einem fremden Mann angesprochen. Er bot ihm Süsses und forderte es auf, mit ihm mitzugehen. Das Kind reagierte richtig und ist davon gerannt. Die Polizei ist informiert. Bitte seid aufmerksam, zum Schutz all unserer Kinder!
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Immer wieder kommt es vor, dass in Elternchats solche oder ähnliche Nachrichten kursieren. Und auch wenn es Einzelfälle sind, schrillen schnell mal die Alarmglocken. Fragen tauchen auf: Ist es wahr? Was soll ich meinem Kind sagen? Wie kann ich mein Kind vor einer Kindesentführung schützen?
Die Elternberatung von Pro Juventute unterstützt Eltern bei Sorgen und Ängsten um ihre Kinder. Nachfolgend beantwortet sie die wichtigsten Fragen rund um das Thema Kindesentführung:
Müssen Eltern eine solche Benachrichtigung ernst nehmen?
Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten. Es kommt etwas darauf an, von wem die Benachrichtigungen kommen. Auf jeden Fall sollten Eltern eine Benachrichtigung ernst nehmen, wenn sie von der Schule oder direkt Betroffenen kommt. Stammt sie hingegen von Bekannten oder gar von Bekannten von Bekannten, darf man auch skeptisch sein.
Ist es sinnvoll, den Kindern davon zu erzählen?
Nur wenn es wahrscheinlich ist, dass Kinder vom Vorfall erfahren. Dann ist es besser, wenn die Eltern sie informieren und allfällige Ängste direkt auffangen. Sonst ist es sinnvoller, einfach nochmals präventiv mit dem Kind zu sprechen. Je jünger das Kind ist, umso öfter sollte besprochen werden, was im Umgang mit Fremden zu tun ist, damit es auch hängenbleibt.
Es ist wichtig, dass Eltern Kinder auf solche Fälle vorbereiten, bevor etwas passiert.
Wie können Eltern ihr Kind auf eine mögliche Kindesentführung vorbereiten?
Es ist wichtig, dass Kinder wissen, dass sie nicht mit fremden Menschen mitgehen oder Geschenke annehmen dürfen. Es kann auch sinnvoll sein, sichere Orte auf dem Kindergarten- oder Schulweg abzumachen. Dies kann zum Beispiel ein Laden sein, in dem das Kind sich Unterstützung holen kann.
Wichtig zudem: Umso jünger die Kinder sind, umso wahrscheinlicher ist es, dass ein Täter aus dem Umfeld des Kindes stammt. Es ist ganz selten der böse Fremde, der das Kind bedroht. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder auch nicht einfach mit Bekannten weggehen dürfen, wenn dies nicht mit den Eltern abgesprochen ist.
Kinder müssen auch wissen, dass es schlechte und gute Geheimnisse gibt. Schlechte Geheimnisse dürfen immer erzählt werden. Gute, wie zum Beispiel die Überraschung für einen Geburtstag dürfen sie hingegen getrost für sich behalten. Ganz wichtig ist es auch, dass die Kinder ihre Grenzen kennen und beispielsweise lernen, Stopp zu sagen – auch gegenüber Erwachsenen.
Umso jünger die Kinder sind, umso wahrscheinlicher ist es, dass ein Täter aus dem Umfeld des Kindes stammt. Es ist ganz selten der böse Fremde, der das Kind bedroht.
Kann eine Smartwatch oder ein GPS-Tracker das Kind schützen?
Eine Smartwatch oder ein Armband mit GPS-Tracker gibt den Eltern die vermeintliche Sicherheit, dass sie jederzeit wissen, wo sich ihr Kind befindet. Doch gerade bei einer Kindesentführung wäre die Smartwatch wohl das Erste, was dem Kind abgenommen würde. Darüber hinaus kann ein solches Tool die Wachsamkeit des Kindes einschränken, da es davon ausgeht, dass seine Eltern ohnehin wissen, wo es ist. Eine Smartwatch aus Angst vor einer Kindesentführung anzuschaffen könnte also gar kontraproduktiv sein.
Wie sollen die Eltern reagieren, wenn das eigene Kind von einer versuchten Kindesentführung erzählt?
Wichtig ist, Ruhe zu bewahren. Es bringt nichts, das Kind zu verängstigen. Es ist aber sinnvoll, mit dem Kind über den Vorfall zu sprechen und es unbedingt dafür zu loben, was das Kind richtig gemacht hat. Zum Beispiel, dass es nicht auf die fremde Person reagiert hat, nichts angenommen hat oder bekannte Erwachsene um Hilfe gebeten hat. Die Eltern können mit dem Kind alternative Handlungsmöglichkeiten besprechen, damit es sich sicher fühlt. Zudem kann es sinnvoll sein, die Polizei und die Schule über den Vorfall zu informieren.
Was können die Eltern tun, wenn ein Kind verunsichert ist, weil es von einem solchen Vorfall gehört hat?
Es hilft dem Kind, wenn die Eltern mit ihm besprechen, was es in einem solchen Fall tun kann und worauf es achten muss. Wenn es unsicher ist, kann es auch sinnvoll sein, das Kind vorübergehend auf dem Kindergarten- oder Schulweg zu begleiten, bis das Kind sich wieder sicher genug fühlt. Allenfalls kann es auch helfen, wenn es mit anderen Kindern laufen kann.
Ist es sinnvoll, mit dem Kind ein Codewort abzumachen?
Unter Umständen kann ein Codewort sinnvoll sein. Dies, falls eine Person aus dem Umfeld dem Kind sagt, dass es von den Eltern geschickt wurde, um es abzuholen, die Person dazu aber gar keinen Auftrag erhalten hat.