Familie & Gesellschaft

Klima-Angst bei Kindern: So können Eltern unterstützen

Wut, Trauer, Angst, Hoffnungslosigkeit und Schuld: Der Klimawandel löst viele Gefühle in uns aus. Klima-Angst ist weltweit insbesondere unter jungen Menschen sehr verbreitet. Wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, die Klima-Angst zu bewältigen?
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Vater spricht mit Sohn über Klima Angst.

Die Zukunft unseres Planeten betrifft uns alle. Die Klimakrise ist eine dringende Herausforderung, die sofortiges Handeln erfordert. Und mit der wir täglich konfrontiert sind: verstörende Bilder von Überschwemmungen und Plastik in unseren Meeren, deprimierende Zukunftsaussichten aus dem jüngsten Klimabericht und immer neue Rekordzahlen beim CO2-Ausstoss. Die Klimakatastrophe macht Angst. Eine weltweite, empirische Studie, die 2021 von der britischen Bildungsforscherin Caroline Hickmann durchgeführt wurde, verdeutlicht, dass insbesondere Jugendliche stark von Klima-Angst betroffen sind. 

Begriffsdefinition «Klima-Angst»

Angst ist eine gesunde Reaktion auf Bedrohung. Die globale Bedrohung des Klimawandels kann Angst oder andere Gefühle wie Wut, Ohnmacht, Verzweiflung, Trauer und Hoffnungslosigkeit auslösen. Die existenzielle Sorge um die Zukunft unseres Planeten ist eine reale Bedrohungssituation der gesamten Gesellschaft, auf die jeder Mensch unterschiedlich reagiert. 

Ängste äussern sich durch Anspannung, Sorge, innere Unruhe und Furcht vor zukünftigen Ereignissen. Sie können auch körperliche Anzeichen hervorrufen oder zu Schlafschwierigkeiten führen. Erfahren Sie in unserem Artikel Ängste bei Kindern und Jugendlichen, wie sie lernen mit ihnen umzugehen .

Die Klima-Angst ist ein Hinweis darauf, dass wir handeln sollten. Sie ist ein gesellschaftliches Phänomen. In der Regel ist Klima-Angst nicht behandlungsbedürftig, sondern sinnvoll, denn sie kann motivieren und mobilisieren.

Jugendliche sind stark betroffen

Kinder und Jugendliche sind die Bevölkerungsgruppe, welche in ihrer Zukunft am stärksten vom Klimawandel betroffen sein wird. Ihre Gesundheit und Zukunft wird massgeblich durch den Klimawandel beeinträchtigt. Gleichzeitig hat diese Gruppe wenig politisches Mitspracherecht, um die Situation im Jetzt zu verbessern und Schäden zu begrenzen. Das macht sie anfällig für Klima-Angst.

Aufgrund ihres Verständnisses von der Welt verspüren vor allem Jugendliche oft Klima-Angst. Sie sind in einem Alter, in dem sie die Welt entdecken und verstehen wollen, gleichzeitig in ihrer Entwicklung aber auch an einem Punkt, an dem sie mit Bedrohungen noch nicht angemessen umgehen können.

Über die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen schätzen die Zukunft in Bezug auf das Klima als beängstigend oder sehr beängstigend ein.

Die Ergebnisse einer globalen Umfrage aus dem Jahr 2021 zeigen, dass über die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen die Zukunft in Bezug auf das Klima als beängstigend oder sehr beängstigend einschätzen. Fast die Hälfte fühlt sich im täglichen Leben belastet von den Emotionen, welche die Klimakrise auslöst.

Wie entsteht Klima-Angst?

Die Klimakrise mit ihrem globalen Ausmass ist ein komplexes und grosses Problem. Viele verspüren eine Ohnmacht gegenüber der Herausforderung. Dies führt zu Unsicherheit und Angst. Gleichzeitig wünschen sich Viele mehr Handlungswillen von Politik und der gesamten Gesellschaft. 

Auch auf der persönlichen Ebene ist es schwierig, die Klimakrise in ihrer Grösse zu begreifen, ohne davon überwältigt zu werden. Angst kann lähmend wirken, wenn keine Kanäle für dieses Gefühl existieren. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen.

Was verstehen wir unter «Klimakrise»?

Die Klimakrise, auch Klimawandel oder Klimakatastrophe, ist ein globales Phänomen, das tiefgreifende Veränderungen in unserem Klima verursacht. Sie bezeichnet eine langfristige Veränderung der Wetterbedingungen und des Klimas auf der Erde, die hauptsächlich durch menschliche Aktivitäten verursacht wird. Die Erhöhung der Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre führt zu einer Erwärmung des Planeten. 

Die Auswirkungen der Klimakrise sind vielfältig und weitreichend, darunter der Anstieg des Meeresspiegels, häufigere und intensivere Wetterextreme, der Verlust von Biodiversität und Bedrohungen für die menschliche Gesundheit und Sicherheit. 

Klima-Resilienz statt Klima-Angst

Offene Gespräche mit Kindern und Jugendlichen unterstützen sie dabei, ihre Gefühle zu verstehen und auszudrücken (lesen Sie dazu auch unseren Artikel Krisen belasten Kinder und Jugendliche – wie damit umgehen?). Es ist wichtig, dass sich die Jugendlichen ernstgenommen fühlen. Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern anzusprechen, hilft, um einen Umgang damit zu finden und fördert die Resilienz. Alle Emotionen sind sinnvoll – auch die Angst. Sie zeigt uns, dass wir handeln sollten. Wenn wir über unsere Ängste sprechen können, lähmen sie uns nicht. Diskussionen um Lösungen mit der Familie und Freunden verlegen den Fokus von den ständigen negative Nachrichten hin zu Problemlösungen.

Eine aktive Beteiligung an Lösungen für den Klimawandel kann dazu beitragen, die Klima-Angst zu reduzieren. Kinder und Jugendliche müssen spüren, dass sie einen Unterschied machen können. Dazu gehören umweltrelevantes Verhalten, Information und Austausch zu einer nachhaltigen und klimaneutralen Lebensweise oder Klimaschutz. Auch ein gemeinsames Engagement gegen die Klimakrise kann verbindend und bestärkend wirken. 

Tipps für Eltern

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind offen über den Klimawandel. Dabei gilt es nicht über die Existenz des Klimawandels zu debattieren. Nur so können Sie die damit verbundenen Ängste ernst nehmen. Informationen zum Thema Klima-Angst für Jugendliche bietet der Artikel Dein Planet, deine Zukunft: Wie du mit Klima-Angst umgehst und aktiv wirst auf 147.ch
  • Helfen Sie Ihrem Kind, sich über den Klimawandel zu informieren. Vermitteln Sie dabei die Komplexität des Themas, aber auch die Hoffnung und die Möglichkeiten, die es für Veränderungen gibt.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind, aktiv zu werden: ob durch Recycling, den Verzicht auf Plastik oder kürzeres Duschen. Verdeutlichen Sie, dass auch kleine Veränderungen im Alltag bereits einen Unterschied machen. Gleichzeitig ist es für ihr Kind wichtig zu spüren, dass Verzicht eine Herausforderung ist, nicht immer gelingt und dass das völlig okay ist.
  • Seien Sie sich Ihrer Vorbildrolle bewusst. Zeigen Sie durch Ihr eigenes Verhalten, wie man nachhaltig lebt. 
  • Wenn Ihr Kind durch die Klima-Angst im Alltag nicht mehr funktionieren kann oder unter Panikattacken leidet, ziehen Sie professionelle Hilfe in Betracht. Psychologen oder Therapeuten können wertvolle Unterstützung bieten.
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