Familie & Gesellschaft

Kinder zu Wort kommen lassen

Kinder haben das Recht, ihre Meinung frei zu äussern und angehört zu werden. Sie sollen ihre Bedürfnisse formulieren und mitbestimmen dürfen. So steht es in der UNO-Kinderrechtskonvention. Eine Auswertung von UNICEF zeigt, die Schweiz hat in Bezug auf Mitbestimmung von Kindern noch Potenzial.
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Kinder haben Rechte. Am 20. November ist Tag des Kindes.

Kinder als Persönlichkeit wahrnehmen

In den letzten hundert Jahren hat sich das Kindsein in der Schweiz grundlegend gewandelt. Früher wurden Kinder als Eigentum der Eltern betrachtet. Erst im 20. Jahrhundert begann sich das Bewusstsein durchzusetzen, dass Kinder besonderen Schutz benötigen. Inzwischen werden ihnen eigene Rechte zugestanden und ihr Wohl in den Vordergrund gestellt. 1997 hat auch die Schweiz die UNO-Kinderrechtskonvention unterschrieben und sich verpflichtet, die Umsetzung zu garantieren.

Auch das Recht der Kinder, ihre Meinung äussern zu dürfen und angehört zu werden, ist in den Kinderrechten verbrieft. Doch wie wird Partizipation (Mitsprache) im Alltag gelebt und können Kinder und Jugendliche in der Familie, Schule oder bei der Gestaltung ihrer Freiräume wirklich mitreden? Oder anders gefragt: Wie viel Mitbestimmung gestehen wir Kindern in der Schweiz heute zu?

Mehr Mitbestimmung bei Alltagsthemen 

«Erwachsene und Kinder haben eine unterschiedliche Auffassung davon, was Partizipation heisst», schreibt UNICEF im November 2014 in der Auswertung der Studie Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz. Von 2012 bis 2014 untersuchte die Studie «Von der Stimme zur Wirkung» Veränderungen der letzten zehn Jahre. 

Im Vergleich zu früher schätzen Kinder und Jugendliche innerhalb der Familie, die Möglichkeit zur Mitwirkung als grösser ein. Vor allem bei individuellen Fragen wie Freundschaften oder Schlafenszeiten ist das Mitbestimmungsrecht relativ hoch. Hingegen wird bei Themen, welche die gesamte Familie betreffen, beispielsweise die Wahl des Ferienziels, der Entscheid für oder gegen ein Haustier, weniger Mitbestimmungsrecht gewährt. Bestätigt hat sich auch die naheliegende Tatsache, dass autoritär erzogene Kinder sich als weniger mitbestimmend erleben als Kinder, die liberaler erzogen werden.

Wenig Partizipation in der Schule

Aus Sicht der Kinder bleibt in der Schule wenig Spielraum zum Mitgestalten. Partizipation beschränkt sich auf schulische Projekte, was gemäss Studie von den Kindern als zu einseitig empfunden wird. Schüler*innen sind der Ansicht, dass Entscheidungen mehrheitlich von Erwachsenen gefällt werden. Um Kinder richtig einzubinden, besteht noch Verbesserungspotenzial. 

Pro Juventute engagiert sich für die Rechte der Kinder. Mit Projekten und ihrem politischen Engagement trägt die Stiftung dazu bei, dass die Mitsprache der Kinder umgesetzt und die politische Bildung gefördert werden. 

 

Tipps für Eltern

  • Interessieren Sie sich für die Kinderrechte und sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind seine Rechte kennt und seine Bedürfnisse formulieren lernt. Nutzen Sie dafür unsere Broschüre «Kinderrechte im Alltag» und unser Kinderrechtsspiel
  • Machen Sie sich Gedanken darüber, wie viel Mitbestimmung Sie Ihrem Kind in der Familie zugestehen möchten.
  • Engagieren Sie sich in Elternvereinigungen, damit Sie mitgestalten können, wie das Mitspracherecht in der Schule aussehen soll.
  • Nehmen Sie auch Stellung zu gesellschaftlichen Fragen die Kinder betreffen. Zum Beispiel: Wie stark sollen Kinder mitplanen dürfen, wenn es um die Gestaltung von Spiel- und Pausenplätzen geht? Tragen Sie so dazu bei, dass die Anliegen der Kinder in der Gesellschaft bekannt sind und auf politischer Ebene Gehör finden.
     

Digitale Bildungsangebote rund um die Kinderrechte

Kinderrechte entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie bekannt sind. Kinderrechtsbildung stärkt Kinder darin, ihre eigenen Rechte zu kennen, zu verstehen und im Alltag wahrzunehmen. Gleichzeitig unterstützt sie Fachpersonen dabei, Kinderrechte in ihrem beruflichen Handeln konsequent umzusetzen.

Für Kinder: Kidimo – Web-App zu den UN-Kinderrechten

Kidimo ist eine interaktive, spielerische Lernplattform rund um die UN-Kinderrechtskonvention und wurde von der Fachhochschule Ostschweiz gemeinsam mit Kindern sowie Partnerorganisationen wie Pro Juventute entwickelt. Die mehrsprachige Web-App funktioniert auf dem Smartphone, Tablet und Computer und macht das abstrakte Thema Kinderrechte alltagsnah und verständlich erlebbar. Kidimo ist ideal für Unterricht und ausserschulische Bildungsangebote. Ergänzend stehen Begleitmaterialien für Fachpersonen zur Verfügung.

Für Fachpersonen: childrights-mooc.ch – Online-Kurs zu Kinderrechten

Mit childrights-mooc.ch steht ein kostenloser, mehrsprachiger Online-Kurs zu Kinderrechten in der Schweiz zur Verfügung. Entwickelt wurde er vom Internationalen Institut für die Rechte des Kindes (IDE) in Zusammenarbeit mit über 40 Partnerorganisationen, darunter Pro Juventute. Der MOOC richtet sich an Fachpersonen, die mit und für Kinder arbeiten, und umfasst sechs praxisorientierte Module (u. a. Kinderschutz, Bildung, Justiz und Gesundheitswesen). Der Kurs kombiniert Videovorträge, interaktive Übungen und Diskussionsforen und kann flexibel sowie im eigenen Tempo absolviert werden. Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein Zertifikat. 

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