Beim Sparen lernen Kinder fürs Leben
Im Primarschulalter klaffen Wunschvorstellungen und Realitätsbezug oft stark auseinander. Die Kinder haben noch kaum eine Vorstellung, was wie viel kostet. Dass man nicht alles bekommt, was man gerne hätte, muss erst gelernt werden. Mit Taschengeld oder Geldgeschenken zum Geburtstag eröffnen sich Kindern neue Möglichkeiten. Sie können selbst entscheiden, ob sie ihr Geld gleich ausgeben oder dieses sparen, bis sie sich einen grösseren Wunsch aus ihrem eigenen Geld erfüllen können. Im Umgang mit Geld zeigen sich unterschiedliche Verhaltensweisen. Es gibt Kinder, die nicht warten können und ihr Geld leicht ausgeben, während andere eher sparsam sind.
Sparen fällt leichter, wenn man ein klares Ziel vor Augen hat. Darin unterscheiden sich Kinder nicht von Erwachsenen. Eltern können ihrem Kind helfen, Wege zu finden und Ziele zu erreichen. Braucht es zum Erreichen dieser Ziele Geld? Oder müssen andere Voraussetzungen gegeben sein? Gemeinsam können Sparziele definiert werden, die zum Alter und Entwicklungsstand des Kindes passen. Erscheint dem Kind ein Sparziel lohnenswert, kann es Verlockungen eher widerstehen.
Gemeinsam über Wünsche sprechen
Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das Spiel: Wenn ich mir etwas wünschen könnte. Auf diese Weise erfahren Sie, womit sich Ihr Kind beschäftigt und welche Träume es hegt. Über realistische und unrealistische Wünsche nachzudenken, macht Spass. Hören Sie nicht bloss zu, erzählen Sie auch, was Sie gerne hätten und warum Sie sich gewisse Wünsche noch nicht erfüllt haben oder nie erfüllen werden.
Realistische Sparziele setzen
Um Enttäuschungen zu vermeiden, lohnt es sich, zu prüfen, ob sich das Sparziel in der vorgesehenen Zeit erreichen lässt oder die Kosten zu hoch sind. Nur wenn das Kind ein realistisches Sparziel vor Augen hat, das seinen Bedürfnissen entspricht, wird es auch bereit sein, einen Teil seines Geldes auf die Seite zu legen.
Wünsche können sich auch ändern. Deshalb ist es sinnvoll, mit dem Kind von Zeit zu Zeit zu überprüfen, ob die gesetzten Sparziele noch aktuell sind. Vielleicht ist das neue Computergame gar nicht mehr so wichtig und ein Konzertticket für eine angesagte Band womöglich erstrebenswerter. Möglicherweise sollte das Sparziel geändert oder der Zeithorizont angepasst werden.
Sparziel und Zeithorizont
Spricht man bei Kindern von kurzfristigen Sparzielen, denkt man an eine Zeitspanne von wenigen Wochen. Das können Dinge sein, wie ein Comic, Süssigkeiten oder ein Spielzeug, das das Kind gerne kaufen möchte. Mittelfristige Sparziele umfassen einen Zeithorizont von mehreren Monaten oder gar Jahren. Dazu gehören Wünsche wie ein Fahrrad, ein Konzertticket oder ein teures Computergame.
Sparziele, die das Jugend- oder Erwachsenenalter fokussieren, sind langfristig angelegt und für jüngere Kinder kaum fassbar. Wenn das Kind sein Geld in verschiedenen Behältern aufbewahrt und entsprechend anschreibt, fällt es ihm leichter, die Übersicht zu behalten. Es könnte zum Beispiel ein Kässeli zum «Chrömle» anlegen, einen Beutel für das neue Computerspiel und ein Schatzkistchen fürs langfristige Sparen. Andere stecken etwas Geld für laufende Ausgaben direkt ins Portemonnaie und füttern immer mal wieder das Sparschwein, um sich einen kleineren oder grösseren Wunsch zu erfüllen.
Eigenes Sparkonto
Laut Schätzungen sparen Kinder und Jugendliche in der Schweiz jeden Monat 20 bis 50 Prozent ihres Taschengeldes. Wie gespart wird, ist unterschiedlich: Oftmals wird das Taschengeld nicht aufgebraucht und in ein Sparschwein gesteckt.
Werden grössere Beträge gespart, ist ein Jugendkonto sinnvoll. Ab 12 Jahren ist es möglich, ein Konto zu eröffnen, Zugang zu E-banking und Twint zu haben. Dabei kann gleich besprochen werden, wozu ein Konto gut ist und was beispielsweise Zinsen sind. Viele Kinder und Jugendliche deponieren auf ihrem Konto nicht bloss Taschengeld, sondern auch Geldbeträge, die sie geschenkt bekommen. Bestimmt findet es das Kind spannend, den Auszug des Bank- oder Postkontos jeweils gemeinsam anzuschauen, in einer App oder physisch auf Papier.
Tipps für Eltern
- Sprechen Sie in der Familie über Wünsche und darüber, weshalb auch Sie manchmal verzichten oder Wünsche aufschieben müssen.
- Erstellen Sie mit dem Kind eine Wunschliste und unterstützen Sie es dabei, beim Sparen Prioritäten zu setzen.
- Fragen Sie zwischendurch nach, ob Wünsche noch aktuell sind oder sich etwas geändert hat.
- Helfen Sie Ihrem Kind, digitale Hilfsmittel wie E-Banking und Twint zu verstehen, zu nutzen und sich einen Überblick über Ersparnisse und Ausgaben verschaffen.
- Motivieren Sie Ihr Kind, sich einen kleinen Job zu suchen, um Geld zu verdienen. Dadurch lernt es nicht nur den Wert von selbst verdientem Geld kennen, sondern entwickelt auch weitere Fähigkeiten.