Familie & Gesellschaft

Young Carers: Wenn Kinder Aufgaben Erwachsener übernehmen

Geht es den Eltern nicht gut, übernehmen oft die Kinder eine wichtige und tragende Rolle innerhalb der Familie. Diese jungen Menschen werden Young Carers genannt. Worauf Eltern achten können, damit junge Pflegende sich nicht übernehmen und wo betroffene Familien Hilfe erhalten.
Image
Mädchen wäscht ab.

Es kommt vor, dass es Eltern nicht gut geht. Vielleicht erkrankt eine Mutter an Krebs, Multipler Sklerose oder einer anderen körperlichen Krankheit. Oder der Vater leidet unter einer Depression, Angststörung oder einer anderen psychischen Krankheit. Auch ein Unfall, eine kognitive Einschränkung oder eine Suchterkrankung kann Eltern treffen. Geht es der Mutter oder dem Vater schlecht, leidet die ganze Familie. Ängste und Sorgen um die betroffene Person können belasten. Alltagspflichten werden vernachlässigt.

Oftmals sind es neben dem Partner oder der Partnerin ältere Kinder, die dann in die Bresche springen. Sogenannte Young Carers, junge Pflegende, schlüpfen vorübergehend oder längerfristig in die Rolle der oder des Pflegenden. Sie kümmern sich um den Haushalt, organisieren Arzttermine, passen auf jüngere Geschwister auf oder sind einfach da, wenn es sie braucht. Gemäss Careum Hochschule Gesundheit gibt es in der Schweiz über 50’000 Young Carers. Das sind acht Prozent aller Schweizer Kinder und Jugendlichen. 

Informationen und Tipps für Jugendliche

Bist du ein Young Carer? Wir haben für dich Informationen und Tipps zusammengetragen. Denn es ist wichtig, dass du trotz der grossen Verantwortung, die du als Young Carer trägst, auch an dich denkst.

Artikel für Young Carers lesen

Young Carer sollen «Nein» sagen dürfen

Für die Eltern ist es oft eine grosse Entlastung, wenn ältere Kinder einen Teil der anstehenden Aufgaben übernehmen, auf jüngere Geschwister aufpassen oder für die ganze Familie kochen. Für viele Kinder und Jugendliche ist es selbstverständlich, dass sie ihre Eltern pflegen oder sie bei ihren Pflichten unterstützen. Je nach Herkunft und Kultur wird es sogar fast schon erwartet.

Manche Kinder und Jugendliche rutschten auch automatisch und notgedrungen in die Rolle des Young Carers hinein. Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie Ausserordentliches leisten. Doch Kinder sollen Kind bleiben dürfen. Es ist Aufgabe der Eltern, sie auch in einer herausfordernden Situation zu begleiten: 

  • Sprechen Sie über die schwierige Situation. Nehmen Sie Fragen, Sorgen und Ängste der Kinder ernst. Betonen Sie, dass es nicht die Schuld Ihres Kindes ist, dass es im Moment schwierig ist.
  • Machen Sie die schwierige Situation oder Krankheit nicht zum Dauerthema. Sprechen Sie auch über leichte Themen und interessieren Sie sich für die Lebenswelt des Kindes.
  • Achten Sie darauf, dass Heranwachsende ihre eigenen Pflichten in Schule, Ausbildung oder Beruf nicht vernachlässigen und Zeit für Freunde, Freizeit und Erholung bleibt. 
  • Beachten Sie die persönlichen Grenzen Ihres Kindes. Es soll «Nein» sagen dürfen, ohne sich deswegen schlecht zu fühlen. 
  • Passen Sie Ihre eigenen Erwartungen an Haushalt, Kochen und andere Pflichten an. Es muss nicht immer alles perfekt sein.

Ratgeber zu psychisch kranken Eltern

Wenn Eltern psychisch erkranken, versuchen Kinder zu verstehen, was geschieht und benötigen besondere Aufmerksamkeit. Wie erklärt man Kindern auf verständliche Weise, was los ist? Wie geht man als Familie mit psychischen Problemen um?

 

Bestellen Sie unsere Ratgeber zu psychisch kranken Eltern.

Schlechtes Gewissen der Eltern

Manchmal ist es auch das schlechte Gewissen, das sich regt, wenn die eigenen Kinder als Young Carers Aufgaben übernehmen. Man möchte doch selbst stark sein und für die Kinder da sein – nicht umgekehrt. Doch dürfen Eltern durchaus grosszügig mit sich sein. Das Leben nimmt oft unverhoffte Wendungen. Und nur weil man eingeschränkt ist, ist man längst keine schlechte Mutter und kein schlechter Vater.

Viele Kinder möchten die Eltern unterstützen und wären gekränkt, wenn sie es nicht dürften. Trotzdem sollten Erwachsene immer wieder genau hinschauen und Grenzen ziehen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Kinder mehr leisten, als gut für sie ist oder Jugendliche emotional belastet wirken.

Tipps: Hier gibt es Unterstützung

  • Scheuen Sie sich nicht im Familienumfeld, der Nachbarschaft oder bei Bekannten nach Unterstützung zu fragen. Viele helfen gerne, wenn sie gefragt werden.
  • Der Hausarzt oder die Hausärztin kann Hilfe in der Pflege verordnen, beispielsweise durch die Spitex, oder Sie an Fachpersonen überweisen.
  • Das Schweizerische Rote Kreuz und der Entlastungsdienst Schweiz unterstützen Familien in schwierigen Situationen mit unkomplizierter Hilfe zu günstigen Konditionen.
  • Entlastung kann auch eine privat angestellte Putzkraft bringen. Vielerorts gibt es auch Essens-Lieferdienste, beispielsweise von lokalen Alterszentren, welche Mahlzeiten zu fairen Preisen anbieten.
  • Je nach Region gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Entlastung bei der Betreuung von jüngeren Kindern. Erkundigen Sie sich bei der Gemeinde oder Schule nach Betreuungs- und Subventionsmöglichkeiten.
  • Das Schweizerische Rote Kreuz organisiert in Zürich regelmässig Treffen für Young Carers. Machen Sie Ihre Kinder auf solche Angebote aufmerksam.
Jetzt spenden