Familie & Gesellschaft

Wie organisieren berufstätige Eltern die Ferienzeit?

Ferien sind toll und die Kinder freuen sich auf die schulfreie Zeit. Ganz im Gegensatz zu den Eltern, die während der Schulferien oft mit Betreuungslücken konfrontiert sind. Gedanken über ein familiäres Dilemma in einem aussergewöhnlichen Sommer.
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Kinder bei der Kräuterkunde in einem betreuten Ferienkurs.

«Peter, kannst du morgen die Kinder abholen? Ich muss noch an einer kurzfristig angesagten Sitzung teilnehmen». Mirjam und Peter sind wieder einmal dabei, die Planung der Woche anzupassen. Die beiden teilen sich Familien- und Berufsarbeit. Damit alles aufgeht und die drei schulpflichtigen Kinder versorgt sind, muss alles gut organisiert sein. Es gilt abzusprechen, wer die Kinder abholt, ihnen bei den Aufgaben hilft, sie je nach Wochentag zu Aktivitäten begleitet, wer den Einkauf besorgt und das Essen kocht. Familie und Beruf zu verbinden, kommt einem Balanceakt gleich. Eine Patentlösung, wie alle Aufgaben zu bewältigen sind, gibt es nicht. Trotz familienfreundlichen Regelungen und optimaler Planung plagt berufstätige Eltern oft ein schlechtes Gewissen. Nicht selten kommt die Organisation des Alltags einer Managementaufgabe gleich. Was im normalen Schulalltag schon keine einfache Sache ist, stellt berufstätige Eltern während der Ferienzeit vor zusätzliche Probleme. Bedingt durch das Coronavirus wird die Ferienplanung in diesem Jahr womöglich noch etwas komplizierter. 

Lösungen für Betreuungslücken 

Meistens klappt die Verbindung von Beruf und Familie im normalen Alltag relativ gut. Angebote wie Mittagstisch und Aufgabenhilfe entlasten, doch ganz anders sieht es in den Ferien aus. Was macht man mit Kindern, die fünf oder gar sechs Wochen zu Hause sind? Auch wenn Eltern ebenfalls Ferien einplanen, mehr als zwei, drei Wochen haben sie wohl kaum frei und die Sommerpause ist damit längst nicht abgedeckt. Zudem ist die Ferienplanung in diesem Jahr zusätzlich erschwert und Reisepläne werden vielleicht gar nicht gemacht. Nicht nur im Sommer auch im Frühling, Herbst und Winter fällt die Schule ein paar Wochen aus. Doch die Ungewissheit, wie sich die Situation entwickelt bleibt und die wenigsten Familien können es sich zeitlich oder finanziell leisten, jedes Mal zu verreisen. Auf der Suche nach Betreuungsmöglichkeiten kommen nicht selten Grosseltern, Gotte, Götti und Freundinnen und Freunde zum Einsatz – vorausgesetzt sie wohnen in der Nähe, sind gesundheitlich auf der Höhe, haben keine Angst vor dem Virus und sind verfügbar. Wie bei einem Puzzlespiel werden die schulfreien Tage aufgesplittet und Lösungen gesucht, die allen behagen. 

Berufstätigkeit und Schulferien  

Um unnötigem Stress entgegenzuwirken, lohnt es sich, die Schulferien frühzeitig zu planen. Ungewohnt ist, dass man darauf achten muss, welche Vorgaben und Schutzmassnahmen es gibt und ob die Ferienangebote überhaupt durchgeführt werden. Vor allem bei jüngeren Kindern muss eine lückenlose Betreuung gewährleistet sein. Doch auch ältere Kinder sollten nicht sich selbst überlassen werden. Auf der Suche nach familienfreundlichen Modellen sind Gesellschaft und Politik gefordert. Weil Schulferien zahlreiche Familien vor ein Problem stellen, bietet die öffentliche Hand in grösseren Städten Kinderbetreuung an. In der Regel sind die Kosten abhängig vom Einkommen der Eltern. Für Familien mit tiefen Einkommen sind zusätzliche Auslagen trotzdem kaum tragbar und immer noch zu hoch. Und ausserhalb der Städte fehlen solche Angebote meist gänzlich. Auf dem Land sind Familien oftmals auf Verwandte oder ein gut funktionierendes Nachbarschaftsnetz angewiesen. Doch auch die tollsten, flexibelsten Nachbarinnen und Nachbarn möchte man nicht unnötig strapazieren. Bestimmt hilft man sich gerne gegenseitig aus, zu häufig möchte man nicht anfragen und zu lange sollte ein Einsatz ebenfalls nicht dauern.

Freizeitangebote in der Region nutzen

Zum Glück gibt es in der Ferienzeit immer häufiger attraktive Alternativprogramme, die berufstätige Eltern entlasten und Kinder ausfüllen. Auch in Zeiten von Corona können die Kinder aus einer breiten Palette an Freizeitaktivitäten vielfältige Tageskurse, abwechslungsreiche Wochenkurse und spannende Lager auswählen. Wie so oft bestehen regionale Unterschiede und je nach Wohnort gibt es mehr oder weniger Ferienangebote. Wenn spannende und abwechslungsreiche Ferientage auch zu Hause möglich sind, trägt dies dazu bei, Berufe und Familie besser zu verbinden.

Tipps für Eltern

  • Tauschen Sie sich mit anderen Familien aus und fragen Sie nach, wie andere Eltern in Zeiten von Corona mit dem Dilemma Ferien und Berufstätigkeit umgehen. Oftmals entwickelt man gemeinsam neue und kreative Lösungen. Unter Umständen ist in der Nachbarschaft auch eine gemeinsame Kinderbetreuung eine Option.
  • Fragen Sie Grosseltern, Gotte, Götti rechtzeitig an, ob Ihr Kind ein paar Tage zu Besuch kommen darf und ob das aus gesundheitlichen Überlegungen oder persönlichen Ängsten möglich ist. 
  • Schauen Sie sich frühzeitig um, welche betreuten Ferienprogramme in Ihrer Region angeboten werden. 
  • Viele Unternehmen unterstützen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Versuchen Sie mit Ihrem Chef, Ihrer Chefin über die Schulferien eine familienfreundliche Regelung der Arbeitszeit auszuhandeln.