Familie & Gesellschaft

Schauplatz Elternberatung

Bei der Elternberatung von Pro Juventute sind Fachpersonen Tag und Nacht im Einsatz. Sie beantworten Fragen und helfen bei Problemen weiter. Ein paar exemplarische Beispiele veranschaulichen wie so ein Beratungsalltag aussehen könnte.
Image
Besorgte Mutter mit Kind. Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an die Pro Juventute Elternberatung.

Der Beratungsalltag verlangt Kompetenz und Flexibilität, denn das Beratungsteam weiss nie, was für Fragen anstehen und wo sie unterstützend wirken sollen. Bei der Elternberatung gehen ganz unterschiedliche Fragen ein, wie ein Einblick in den Beratungsalltag zeigt:

Schreiendes Baby, verzweifelte Mutter

Es ist fünf Uhr morgens und eine verzweifelte, junge Mutter ruft an, weil ihr Neugeborenes einfach noch keinen Schlafrhythmus findet. Das ewige Schreien des Säuglings kombiniert mit dem eigenen Schlafmanko ist für die Mutter schwierig auszuhalten. Sie weiss nicht, wie sie ihr Baby zum Einschlafen bringen kann. Verständnisvoll hört die Beraterin zu. So beruhigt sich erst die Mutter und schliesslich das Baby. 

Anrufende bestärken

Die Beratung ist nicht darauf ausgerichtet Ratschläge zu erteilen. Vielmehr geht es darum, die Anrufenden zu bestärken und auf der Suche nach einem gangbaren Weg zu begleiten. Mit diesem Anruf geht ein intensiver Nachteinsatz zu Ende und die Morgenschicht übernimmt. Nach einem kurzen Austausch loggt sich die Kollegin am Arbeitsplatz ein. 

Fragen per Mail beantworten

Vorerst bleibt es ruhig und so nutzt die Beraterin die Zeit, um Mailanfragen zu beantworten. Ein Vater schreibt, dass er im Zimmer seines sechzehnjährigen Sohnes Drogen gefunden habe. Ob er selber Drogen konsumiere oder mit Drogen deale, wisse er nicht. Im Antwortmail bestärkt die Beraterin den Vater, den Kontakt zu seinem Sohn zu suchen und auch, wenn es schwierig sei, hartnäckig zu bleiben und dranzubleiben. Sich selber über Drogen zu informieren, helfe ebenfalls der eigenen Unsicherheit etwas entgegenzusetzen.

Neutrale Anlaufstelle

Obwohl es guttut, innerhalb der Familie oder im Bekanntenkreis über Ängste und Sorgen zu sprechen, manchmal fällt es leichter, sich an eine neutrale Anlaufstelle zu wenden. Selbstverständlich werden bei der Elternberatung alle Anfragen vertraulich behandelt. Abwechslungsweise ist ein Team aus Psychologinnen, Sozialpädagogen und Sozialarbeitenden im Einsatz und auch bei Krankheit und Ferienabwesenheit ist ein 24-Stunden-Betrieb gewährleistet. 

Gemeinsam nach Lösungen suchen

Weil die eigene Hilflosigkeit nachts oft grösser ist, unterstützt die Elternberatung von Pro Juventute mit einem rundum Angebot. Tag und Nacht können Eltern und Bezugspersonen ihre Anliegen deponieren. Auch wenn das Problem nach einem Anruf nicht vom Tisch ist, der Austausch hilft. Laut zu denken und mit einer Fachperson eine Strategie zu entwickeln, wie man das Problem angehen könnte, trägt meist schon zur Entschärfung einer Situation bei. 

Breitgefächerte Erfahrung

Das Team der Elternberatung verfügt nicht nur über fachliches Know-how, sondern auch über eine umfassende Adresskartei. Fachstellen weiterzuempfehlen, ist ein wichtiger Aspekt des Beratungsauftrags. Ziel dieses niederschwelligen Angebots ist es, die Anrufenden zu stärken, zu ermutigen und darauf hinzuweisen, wo weiterführende Hilfe zu holen ist.

Aus der Fassung geraten

Zurück zur Morgenschicht: Oftmals wird das Beantworten der Mailanfragen durch Anrufe unterbrochen. Eine verzweifelte Mutter meldet sich, weil ihr gegenüber ihrer zwölfjährigen Tochter wieder einmal, wie sie sagt «die Hand ausgerutscht» ist. Man spürt, dass die Mutter darunter leidet und ihr Problem in den Griff bekommen möchte. Im Gespräch versucht die Beraterin auszuloten, ob räumliche Distanz die Situation kurzfristig entschärfen könnte, und welche weiterführende Hilfe für die Mutter längerfristig in Frage kommt. 

Mangelnde Rücksicht

Gegen Mittag ruft eine andere Mutter an, die klagt, dass ihr 21-jähriger Sohn einen ganz anderen Tagesrhythmus habe und keine Rücksicht auf ihre Befindlichkeit nehme. Er erwarte, dass die Wäsche gewaschen werde und schimpfe, wenn der Kühlschrank leer sei. Auch sei er laut, wenn sie sich zurückziehen möchte. Die Not der Mutter scheint gross und die Beraterin versucht herauszufinden, wie sie sich selber stärken könnte.

Erkenntnis und Perspektivenwechsel

Oft geht es im Austausch um einen Perspektivenwechsel und die Erkenntnis, dass man als Eltern Dinge einfordern darf und sich nicht für alles verantwortlich fühlen muss. Ein Gespräch mit der Elternberatung kann helfen, Abstand zu gewinnen. 

Tipps für Eltern

  • Probleme lösen sich durch einen Anruf nicht einfach in Luft auf. Der Austausch mit Fachleuten hilft herauszufinden, welchen Weg Sie einschlagen könnten. 
  • Im Erziehungsalltag gibt es immer wieder Situationen, die verunsichern oder überfordern. Es lohnt sich, frühzeitig Hilfe zu holen, denn Sie müssen nicht alle Schwierigkeiten alleine meistern. 
  • Ein Aussenblick hilft, Distanz zu gewinnen. Im Austausch mit einer Fachpersonen werden Sie bestärkt, das eigene Verhalten zu reflektieren und Situationen zu fokussieren, die gut laufen. Oft entlastet schon der Gedanke, dass Sie die Möglichkeit haben, eine neutrale Anlaufstelle zu kontaktieren. 
  • Eine zentrale Aufgabe des Beratungsteams besteht darin, Sie bei Bedarf auf Fachstellen und Anlaufstellen hinzuweisen. Im Kontakt mit der Elternberatung profitieren Sie von einem grossen Fachwissen und einer breit abgestützten Vernetzung. 

Pro Juventute Elternberatung 

Bei der Elternberatung von Pro Juventute können Eltern und Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen, Fragen zum Familienalltag, zur Erziehung jederzeit telefonisch 058 261 61 61, per Mail oder Chat stellen. Ausser den normalen Telefongebühren fallen keine Kosten an. 

Eine erste Version dieses Textes ist im ElternMagazin Fritz+Fränzi erschienen.