Familie & Gesellschaft

Mädchen sein, Junge sein

Eine geschlechtergerechte Erziehung beginnt bereits im Babyalter. Bewusst oder unbewusst werden Mädchen gerne anders behandelt als Jungen. Wichtig ist, dass Kinder von klein auf und unabhängig vom Geschlecht vielfältige Erfahrungen machen können. Aufgabe der Eltern ist es, Kinder möglichst ohne Rollenklischees aufwachsen zu lassen.
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Genderneutrale Erziehung

Es ist noch gar nicht lange her, dass Sie voller Spannung gerätselt haben, ob Sie einen Jungen oder ein Mädchen bekommen. Die Frage nach dem Geschlecht beschäftigt nicht nur werdende Eltern, sondern auch die Familie des Paares. Sogar im Freundeskreis wird vielleicht über mögliche Namen gerätselt und nach passenden Geschenken Ausschau gehalten. Kaum steht das Geschlecht des Kindes fest, beginnt man sich auszumalen, wie das Leben mit einer Tochter oder einem Sohn verlaufen könnte. Oft wird auch das Kinderzimmer anders eingerichtet, wenn man weiss, dass man Eltern eines Jungen oder eines Mädchens wird.

Die Farbwahl von Spielsachen

Obwohl Spielsachen für Mädchen und Jungen im Babyalter oft gleich sind, unterscheiden sie sich vielfach farblich. Vielleicht haben Sie sich auch schon gefragt, ob es wirklich wichtig ist, dass der Schlenkerhase für Mädchen in zarten Pastelltönen gehalten wird, während der weiche Knuddelbär für Jungen eher dem braunen Originalton entspricht. Wer diesem Trend entgegenwirken möchte, versucht Spielsachen nicht nach stereotypen Farben auszuwählen.

Gesellschaftliche Normen

Weil man weiss, dass Kinder nicht bloss durch das Geschlecht, sondern auch durch die Erziehung geprägt werden, unterscheidet man zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht. Mit dem Begriff Gender ist das soziale Geschlecht gemeint, welches, durch äusserliche Einflüsse geprägt wird. In jeder Zeitepoche haben gesellschaftliche Normen das Frauen- und Männerbild beeinflusst. Inzwischen hat sich vieles geändert und die Rollenvorgaben zwischen Frauen und Männer sind heute weniger ausgeprägt. Ganz abschütteln lassen sich die Einflüsse aus früheren Zeiten (noch) nicht. Latent herrscht immer noch die Meinung vor, dass Mädchen sich nicht zu dominant verhalten und Jungen nicht gleich losflennen sollten.

Erwartungen und Vorstellungen prägen

Ob wir es wollen oder nicht, wir reagieren oftmals anders, wenn wir uns mit einem Jungen oder einem Mädchen abgeben. Als Vater haben Sie sich vielleicht bereits ausgemalt, wie Sie mit Ihrem Sohn im Wald umherstreifen, campieren und die Männergesellschaft geniessen. Mütter freuen sich auf den Austausch mit einer feinfühligen Tochter und das gemeinsame Plaudern und Bummeln. Auch wenn in der Realität nachher alles anders ist und sich Ihre Tochter als Wildfang entpuppt und Ihr Sohn ein Bücherwurm ist. Unsere Vorstellungen beeinflussen die Art und Weise wie wir mit unseren Kindern umgehen.

Eigene Talente entdecken

Bei der Genderthematik geht es nicht darum, aus einem Jungen ein Mädchen zu machen oder umgekehrt. Es geht lediglich darum, Kindern die Möglichkeit zu geben, unabhängig vom Geschlecht, die eigenen Talente zu entdecken und sich entsprechend zu entfalten. Erwartungshaltungen, ob gesellschaftlicher oder familiärer Natur, besitzen nicht selten eine einschränkende Wirkung.

Rollenvorbilder prägen

Bei Babies sind Geschlechterunterschiede noch kaum relevant und werden erst durch die Eltern oder die Gesellschaft betont. Damit ein Kind seine Geschlechtsidentität aufbauen kann, muss nicht alles im Prinzessinnenlook gestylt oder für einen Fussballer geplant werden. Wichtiger wäre, als Eltern, das eigene Geschlechterrollenvorbild zu reflektieren. Heutzutage zeigen Männer, wie fürsorglich sie sind, dass sie für die Kinder da sein möchten, das Kochen, Füttern, Wickeln übernehmen und auch die Wäsche besorgen können. Weil Mütter vermehrt berufstätig sind, verändert sich die klassische Rollenverteilung mehr und mehr. Idealerweise begegnen Kinder vielfältigen und unterschiedlichen Rollenbildern.

Stärken und Interessen

Im Umgang mit ihrem Sohn, ihrer Tochter sollten sich Eltern bewusst machen, wie sie der Persönlichkeit ihres Kindes, seinen Stärken und Interessen gerecht werden. Versuchen Sie darauf zu achten, dass Sie die Entwicklungsmöglichkeiten nicht ungewollt mit Erwartungen, wie ein Mädchen oder ein Junge zu sein hat, einschränken. Erinnern Sie sich daran, wie Sie als Mädchen oder Junge erzogen wurden, und wie Sie die Geschlechterrollen empfunden haben.

Rollenklischees schränken ein

Vielleicht haben Sie in Ihrer eigenen Kindheit manchmal darunter gelitten, dass Sie in einem Rollenklischee gefangen waren. Dass Sie als kleines Mädchen nicht so unbekümmert auf Bäume klettern durften wie Ihre Brüder oder dass man Sie als kleiner Junge nicht mit Puppen spielen liess. Persönliche Erinnerungen spielen bei der Erziehung der eigenen Kinder mit.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Kapitel «Mädchen sein, Junge sein» des Elternbriefs 04 Ihr Kind im vierten Lebensmonat. In der Printausgabe dieses Elternbriefes werden unter anderem Inhalte wie «Eltern sein», «Schlaf, Kindlein, schlaf ...» sowie «Plauderein mit dem Kind» thematisiert.

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