Familie & Gesellschaft

Geschwister sind Verbündete und Rivalen zugleich

Das Zusammenleben mit Geschwistern gestaltet sich unterschiedlich. Geschwister kann man sich nicht aussuchen und dass sich Brüder und Schwestern einfach so vertragen, ist nicht selbstverständlich. Durch Streitigkeiten und Rivalitäten kann der Familienalltag ganz schön anstrengend werden. Ein entspanntes Miteinander und mehr Gelassenheit helfen, Konflikte zu entschärfen.
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Obwohl Kinder in der gleichen Familie unter gleichen Bedingungen aufwachsen, sind sie oft grundverschieden. Dass Geschwisterliebe keine Selbstverständlichkeit ist, davon können viele Eltern ein Lied singen. Auch Kurt Tucholsky wusste, dass sich diese Beziehung nicht ganz konfliktfrei gestaltet. Der Schriftsteller verfasste folgendes Zitat: «Geschwister sind wie Indianer: Entweder sie sind auf dem Kriegspfad, oder sie rauchen die Friedenspfeife.» 

Rivalität und Anerkennung

Bei Geschwistern besteht nicht selten Rivalität untereinander. Sie buhlen um die Anerkennung und Gunst der Eltern. Mütter und Väter sollten diesen Wettbewerb nicht schüren, sondern die unterschiedlichen Fähigkeiten ihrer Kinder wahrnehmen, lobend anerkennen und fördern. «Was sich liebt, das neckt sich», heisst es im Volksmund. Doch nicht immer geht es zwischen Geschwistern so harmlos zu. Manchmal wird der Konkurrenzkampf so gross, dass Geschwisterliebe in Hass umschlägt. Nicht von ungefähr sind Beziehungen zwischen Geschwistern oftmals Gegenstand von Erzählungen und Romanen.

Geschwister kann man sich nicht aussuchen

Um den Alltag zu meistern, müssen Familien mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und Reibereien innerhalb der Geschwisterreihe zurechtkommen. Das ist einfacher gesagt als getan. Hilfreich ist eine Portion Gelassenheit und ein gewisses Grundvertrauen, dass Kinder ihre Auseinandersetzungen selber regeln. Statt einen Streit bloss durch ein Machtwort zu beenden, könnten Eltern Kompromisse und Alternativen vorschlagen und so zur Lösungsfindung beitragen. Auf diese Weise fördern sie das soziale Lernen ihrer Kinder.

Als Verbündete gemeinsam unterwegs

Zum Glück streiten Geschwister nicht unablässig. Sie spielen zusammen, gehen gemeinsam auf Entdeckungsreisen, hecken Ideen aus und lernen von- oder miteinander. Falls notwendig, treten sie als Verbündete gegen die Eltern, andere Kinder oder andere Erwachsene auf. Geschwisterbeziehungen prägen die individuelle Entwicklung des Kindes. Oft wundern sich Eltern, dass ihre Kinder so unterschiedlich sind. Gerade weil sie verschieden sind und unterschiedlich mit Erfahrungen umgehen, ist es unmöglich, sie genau gleich zu erziehen.

Jedem Kind gerecht werden

Um sich angenommen zu fühlen, braucht jedes Kind eine andere Art von Zuwendung. Wichtig ist, dass Eltern reagieren, wenn ein zu grosses Ungleichgewicht zwischen den Geschwistern besteht. Wenn beispielsweise die grosse Schwester stark dominiert und sich die kleine Schwester stets unterwirft. Beansprucht der ältere Bruder durch sein auffälliges Verhalten viel Aufmerksamkeit, sollte darauf geachtet werden, dass das ruhigere Geschwister nicht untergeht.

Der Status von Erstgeborenen

Zwar haben Kinder persönliche Veranlagungen, doch ob sie als Einzelkind oder mit Geschwistern aufwachsen, ist ebenfalls nicht bedeutungslos. Etwas über Geschwisterkonstellationen zu wissen, ist hilfreich. Dass das erste Kind sehr viel Aufmerksamkeit von Eltern und Grosseltern erfährt, liegt in der Natur der Sache. Beim Erstgeborenen wird jeder Lernschritt mit Bewunderung oder allenfalls mit Besorgnis quittiert. Mit der Ankunft eines Geschwisters gerät der Status des Kronprinzen, der Kronprinzessin ins Wanken. Kaum verwunderlich also, wenn Rivalitätsgefühle auftauchen.

Geschwister beeinflussen einander

Für das mittlere Kind ist die Situation ebenfalls nicht einfach. Es muss sich mit einem älteren und wahrscheinlich überlegenen Geschwister arrangieren und steht gleichzeitig im Schatten des Nesthäkchens. Weil sie gleich an zwei Fronten um ihre Position buhlen müssen, verhalten sich mittlere Kinder möglicherweise provozierender, fordernder oder gar aggressiver. Da innerhalb der Familie die Rollen verteilt sind, wird das jüngste Kind in ein bestehendes Gefüge hineingeboren. Von allen umsorgt und entsprechend verwöhnt, gelingt es ihm meist mit Leichtigkeit, alle um den Finger zu wickeln. Trotz mehr Nachsicht fühlen sich Nesthäkchen manchmal ungerecht behandelt. Einmal mehr zeigt sich, dass Fingerspitzengefühl bei der Kindererziehung unentbehrlich ist.

Was Eltern tun können – vier Tipps

  • Üben Sie sich im Umgang mit Streitereien unter ihren Kindern in Gelassenheit.
  • Vertrauen Sie auch darauf, dass Kinder ihre Auseinandersetzungen oft selber regeln können. Statt einen Streit durch ein Machtwort zu beenden, können Sie Kompromisse und Alternativen vorschlagen und so zur Lösungsfindung beitragen.
  • Ihre Kinder sind verschieden und es ist unmöglich, sie genau gleich zu erziehen. Setzen Sie ähnliche, aber nicht die gleichen Massstäbe und geben Sie jedem Kind, die Zuwendung, die es braucht.
  • Reagieren Sie, wenn ein zu grosses Ungleichgewicht zwischen den Geschwistern besteht. Achten Sie darauf, dass kein Kind zu stark dominiert und andere sich unterwerfen müssen.

Eine erste Fassung dieses Textes ist im ElternMagazin Fritz+Fränzi erschienen.