Familie & Gesellschaft

Mit Kindern Sinnfragen ergründen

Auf der Suche nach einem Sinn fragen Kinder beharrlich nach dem Warum, Weshalb und Wozu. Die kindliche Neugier ist spannend und anspruchsvoll zugleich. Vor allem auch im Umgang mit dem Coronavirus. Ohne Ängste zu schüren, können Eltern mit jungen «Philosophinnen und Philosophen» tiefgründige Gespräche führen.
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Mutter und Sohn im Gespräch. Vier Tipps wie Eltern auf Fragen ihrer Kinder reagieren können.

Um die Welt zu entdecken und Dinge zu begreifen, stellen Kinder Fragen. Unvoreingenommen überlegen sie sich beispielsweise, was ein Gedanke ist, was Seele bedeutet oder wer die Welt erschaffen hat. In Zusammenhang mit dem Coronavirus werden auch Kinder mit Ängsten und Unsicherheiten von Erwachsenen konfrontiert. Gerade in solchen Ausnahmesituationen ist es nicht möglich, Kinder vor der Realität abzuschirmen. Wichtig ist, Fragen zu beantworten, ohne Panik zu schüren und Kinder altersgerecht zu informieren. 

Fragen sind Denkaufgaben

Kinder fragen sich: Müssen Grossmama und Grosspapa nun sterben und machen uns die Viren auch ganz fest krank? Manchmal sind diese Fragen so komplex, dass die Suche nach Antworten für Erwachsene schwierig wird oder gar überfordert. Denn Kinder möchten alles wissen und verstehen: Warum ist das Feuer heiss? Warum scheint die Sonne? Warum ändert der Mond seine Form? Wieso werden nicht alle Menschen alt? Ohne vorgefasste Meinung tauchen Kinder in grosse Denkaufgaben ein. Damit das Fragen nicht aufhört und die kindliche Neugierde nicht gestoppt wird, sollten Erwachsene Kinderfragen ernstnehmen und darauf eingehen. Manchmal ist der Zeitpunkt nicht ideal, um über Grundsatzfragen zu diskutieren. Es macht nichts, ein solches Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, bloss vergessen, sollte man dieses Versprechen nachher nicht. Weil momentan zu Hause sein angesagt ist, bleibt vielleicht eher Zeit für tiefgreifende Gespräche. 

Wieder staunen lernen

Im Austausch mit Kindern rücken Erwachsene der kindlichen Sichtweise ein Stück näher. Möglichweise beginnen Eltern selber wieder zu staunen. Schon für Platon war das Staunen der Anfang aller Philosophie. Durch Zuhören lernen Mütter, Väter, Grosseltern, Lehrpersonen die Gedankengänge des Kindes und ihre Betrachtungsweise kennen. Ein Streit kann beispielsweise ein Anlass sein, um über Freundschaften und den Umgang mit anderen nachzudenken. 

Persönliche Ansichten formulieren

Im Gespräch formulieren die Kinder persönliche Antworten auf allgemein gehaltene Fragen wie: Warum gibt es Streit? Warum fällt das Aussöhnen manchmal so schwer? Warum dürfen wir nicht mehr in die Schule? Nicht nur der Alltag auch Geschichten sind eine ideale Ausgangslage, um zu philosophieren. Wenn sich Gespräche an den Fragen der Kinder entzünden, denken verantwortungsbewusste Eltern oft, dass man auf Kinderfragen stets eine Antwort bereithaben sollte. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass man den Kindern mit vorschnellen Erklärungen nicht immer einen Gefallen erweist. 

Auf der Suche nach Antworten

Auf die Frage wodurch sich ein philosophisches Gespräch von einem herkömmlichen unterscheide, antwortete die Kinderphilosophin und Autorin Eva Zoller Morf: «Beim Philosophieren geht es um Themen, die uns alle betreffen, häufig sind dies moralische oder spirituelle Fragen. Am Ende eines philosophischen Gesprächs liegt keine bestimmte Antwort vor. Gemeinsam hat man seine Meinung über eine Frage erweitert, geschärft, verworfen oder festgestellt, dass ein Thema viel komplexer ist. Dann könnte man wie einst Sokrates sagen: «Wir haben die Wahrheit gesucht. Wir haben sie nicht gefunden. Morgen sprechen wir weiter.»

Was Eltern tun können – vier Tipps

  • Lassen Sie sich auf Kinderfragen ein und nehmen Sie sich Zeit, um mit Ihrem Kind über Dinge nachzudenken. Scheuen Sie sich nicht vor heiklen und schwierigen Themen. Sie werden staunen, wie wertvoll solche Gespräche sind. 
  • Versuchen Sie zu verstehen, was das Kind zu seiner Frage bewegt oder fragen Sie nach wie es auf diese Frage kommt.
  • Überlegen Sie zuerst, wie Sie auf das eigentliche Anliegen des Kindes eingehen können, ohne ihm das Denken abzunehmen. Bei sachlichen Fragen könnten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Informationen beschaffen. Bei emotionalen Themen, wie Verlust und Tod, braucht Ihr Kind vielleicht Trost, Unterstützung oder eine Umarmung. Vielleicht wundert sich Ihr Kind einfach über etwas und möchte erfahren, was andere darüber denken.
  • Bei einer philosophischen Frage können Sie auch zurückfragen: Was meinst du dazu? Und so ein partnerschaftliches Gespräch beginnen. 

Eine erste Fassung dieses Textes ist im ElternMagazin Fritz+Fränzi erschienen.