Familie & Gesellschaft

Getrennte Eltern bleiben Eltern

Bei einer Trennung oder Scheidung erleben Paare vor allem das Trennende. Für das Kind bleiben Eltern zwei Menschen, die eigentlich zusammengehören. Auch wenn die Wege auseinandergehen, Mutter und Vater sind nach wie vor für das Kind verantwortlich. Tipps für einen respektvollen Umgang innerhalb der Familie.
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Abschied Vater und Tochter. Umgang mit Kindern bei Scheidung.

Bei einer Scheidung soll die Regelung des Sorge- und Besuchsrechts nicht zu einem unnötigen Kampf zwischen den beiden Elternteilen führen. Im Idealfall gelingt es getrenntlebenden Eltern, einander – vor allem in Anwesenheit des Kindes – respektvoll zu begegnen. Wichtig ist, dafür zu sorgen, dass das Kind nicht zum Spielball zweier zerstrittenen Parteien wird. Dies wird durch ein gemeinsames Sorgerecht geregelt: Auch wenn Eltern sich getrennt haben, sollen weiterhin beide für das Wohl des Kindes zuständig sein. 

Umgang mit dem Sorgerecht

Gewöhnlich teilen sich auch getrennte Eltern das Sorgerecht, unabhängig davon, ob sie verheiratet waren oder nicht. Je nach Verfahren genehmigt oder regelt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) oder das Gericht die Zuteilung der elterlichen Sorge, den Unterhalt und andere Fragen die sich stellen. Ist das Wohl des Kindes gefährdet, kann das alleinige Sorgerecht einem Elternteil zugesprochen werden. Die Voraussetzungen hierzu sind jedoch streng. Die Regelung sieht vor, dass das Kind Anspruch auf eine optimale Betreuung hat. So werden auch die Kosten für die Kinderbetreuung in den Unterhaltsbeitrag eingerechnet.

Beide Elternteile sind wichtig

Kinder dürfen beide Elternteile gernhaben und zu beiden Elternteilen eine eigenständige Beziehung aufbauen. Um den Alltag in einer veränderten Familienform zu verbessern, soll das Kind vom gemeinsamen Sorgerecht und von verbindlichen Regelungen profitieren. Ein Kind fordert während und nach der Trennung oder Scheidung den betreuenden Elternteil meist zusätzlich heraus. Plötzlich fehlt eine Person, die mit ihm spielt, die es liebhat. Vielleicht befürchtet das Kind, den verbleibenden Elternteil auch zu verlieren. Kein Wunder, dass es möglicherweise mehr weint als sonst und sich ängstlich anklammert, wenn es einen Moment allein bleiben soll. Es spürt die Verunsicherung und Sorgen der Erwachsenen und reagiert darauf. Dies kann sich unter anderem auch in vorübergehenden Ess- und Schlafschwierigkeiten zeigen.

Veränderungen verunsichern

Unter Umständen kommen zum Verlust des einen Elternteils auch noch äussere Veränderungen hinzu: Wohnungswechsel, Arbeitsaufnahme des betreuenden Elternteils, neue Bezugspersonen. Eine Standortbestimmung, eine Neuorientierung wird notwendig. Diese Phase darf bezüglich der Dauer nicht unterschätzt werden. Auch der Umgang mit der Betreuung und das Festlegen von Besuchen ist unter Umständen nicht ganz problemlos. Wenn sich das Kind sehr freut, zum Vater oder zur Mutter zu gehen, ist dies für den anderen Elternteil nicht immer einfach. Zugleich kann es aber auch eine wohlverdiente Entlastung bedeuten.

Kein Schlussstrich für Mutter und Vater 

Als Mann, als Frau möchte man vielleicht die belastenden Erlebnisse mit der Partnerin, dem Partner vergessen und nichts mehr von ihr, ihm hören. Als Vater und Mutter wird man jedoch durch das Kind und seine Fragen weiterhin miteinander konfrontiert. Ein Widerspruch, der nicht zu lösen ist, doch mit der Zeit oft an Bedeutung verliert. Ein Kind will genau wissen, wohin es gehört. Gerade in veränderten Verhältnissen braucht es mehr denn je das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.

Unterstützung und Beratung in Anspruch nehmen

Nach einer Scheidung kann es längere Zeit schwierig sein, mit all den inneren und äusseren Problemen fertig zu werden. Es ist durchaus angebracht und verständlich, wenn in der «Nachscheidungsphase» fachliche Unterstützung und Beratung in Anspruch genommen wird, zum Beispiel bei einer Familien- oder Paarberatungsstelle oder bei einem privaten Psychologen oder einer Psychologin. Weiterhelfen kann auch der Schweizerische Verband alleinerziehender Mütter und Väter.

Rechtliche Aspekte 

Die elterliche Sorge umfasst Entscheidungen zu Erziehung, Ausbildung und gesetzliche Vertretung des Kindes sowie die Verwaltung seines Vermögens. In begründeten Ausnahmefällen kann durch einen Entscheid des Zivilgerichts oder der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) die elterliche Sorge nach wie vor einem Elternteil allein zugesprochen werden. Die Voraussetzungen sind jedoch streng. Unverheiratete, getrennt lebende oder geschiedene Eltern haben Anrecht auf ein gemeinsames Sorgerecht. 

Verantwortung gemeinsam tragen

Nach neuem Recht muss bei unverheirateten Paaren kein Unterhalts- und Betreuungsplan genehmigt werden. Es reicht eine gemeinsame Erklärung, die besagt, dass beide Elternteile bereit sind, gemeinsam die Verantwortung für das Kind zu übernehmen. Diese Erklärung können unverheiratete Eltern im Rahmen der Vaterschaftsanerkennung beim Zivilstandesamt oder aber zu einem späteren Zeitpunkt gegenüber der KESB abgeben. Im Hinblick auf das Kindeswohl müssen die Kinderbetreuung und die Verteilung der Unterhaltskosten geregelt werden. 

Obhut und alternierende Obhut

Die Obhut ist Teil der elterlichen Sorge und umfasst die tägliche Betreuung und Erziehung des Kindes sowie die Befugnis, über den Aufenthaltsort des Kindes zu entscheiden. Eine alternierende Obhut ist möglich, sofern sie von der Betreuung und dem Schulweg her machbar ist und dem Kindeswohl entgegenkommt. Die Aufteilung muss zwischen den Elternteilen klar geregelt werden.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Kapitel «Konflikte gehören zum Leben» des Elternbriefes 20 Ihr Kind ist zwei Jahre und drei Monate alt. In der Printausgabe dieses Elternbriefes werden unter anderem Inhalte wie «Leben heisst spielen, spielen heisst leben...», «Mädchen und Jungen die gleichen Entwicklungschancen geben» sowie «Konflikte gehören zum Leben» thematisiert.

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