Medien & Internet

Bildschirmzeiten im Corona-Lockdown

Die Schulen sind geschlossen und viele Kinder und Jugendliche werden digital unterrichtet. Soziale Kontakte werden hauptsächlich über Snapchat und TikTok gepflegt. Das Fussballtraining ist abgesagt und wird mit Gamen ersetzt. Welche Regeln gelten jetzt eigentlich und worauf sollten Eltern achten?
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Mutter macht mit Sohn am Computer Hausaufgaben. Wie viel Bildschirmzeit ist sinnvoll.

Es sind keine Schulferien und die momentane Lage bedeutet für Familien eine besondere Herausforderung. In dieser Ausnahmesituation gilt es, spezielle Lösungen zu suchen. Der Coronavirus-Lockdown hat den Alltag verändert. Obwohl die Schulen geschlossen sind, geht das Lernen weiter. Regelungen für Bildschirmzeiten sind nicht einfach ausser Kraft gesetzt, sondern werden durch Online-Lernen erweitert. Digitale Medien lassen sich im Lockdown vermehrt nutzen, um soziale Beziehungen zu pflegen. Umso wichtiger wird die Unterscheidung: Bildschirmzeit ist nicht gleich Bildschirmzeit. 

Zwischen Mediennutzung und Medienkonsum unterscheiden

Kinder und Jugendliche brauchen den Bildschirm nun vermehrt als Werkzeug. Sie arbeiten über digitale Plattformen für die Schule, recherchieren online, schauen Lernvideos und erhalten auf digitalem Weg neue Aufträge. All diese Tätigkeiten gehören zum Bereich Mediennutzung und werden nun höher gewichtet. Hingegen sollte der Medienkonsum, also das blosse Konsumieren von Medien in der Freizeit, in etwa gleichbleiben. Um zwischen Mediennutzung und Medienkonsum zu unterscheiden, müssen Eltern genau hinschauen.

Digitale Medien zum Lernen nutzen 

Online-Unterricht ist in der jetzigen Situation ein wichtiges Medium, um Kindern Lerninhalte zu vermitteln, die sie nachher selbstständig bearbeiten können. So ist Mediennutzung gewinnbringend. Natürlich sollen Kinder in der aktuellen Lage neben dem Lernen auch die Möglichkeit haben, soziale Kontakte weiterzupflegen. Weil der physische Kontakt unter Gleichaltrigen nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist, ermöglichen Messenger wie WhatsApp oder Plattformen wie Snapchat, Instagram oder TikTok, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Im Bereich Mediennutzung ist eine Erweiterung der Bildschirmzeit sicher angebracht und teilweise auch notwendig.

Den Medienkonsum gut regulieren

Gamen, fernsehen, YouTube schauen, sich auf Sozialen Medien tummeln, sollte erst angesagt sein, wenn der Unterricht beendet ist. Auch in Zeiten von Coronavirus gehört der Medienkonsum in die unterrichtsfreie Zeit. Zudem sollte die Bildschirmzeit in etwa gleichbleiben, wie vor Corona. Medienkonsum ist oft passiv und dient in erster Linie zur Unterhaltung, zur Ablenkung und um Langeweile zu überbrücken. Weil Kinder den Medienkonsum selber noch nicht sehr gut regulieren können, brauchen sie Regeln und Beschränkungen. Wie immer gilt: Ausnahmen sind möglich.

Im Austausch bleiben

Sich mit Freundinnen und Freunden auszutauschen und zu besprechen, wie die andern zurechtkommen, ist wichtig. Definieren Sie mit Ihren Kindern spezielle Regeln für diese aussergewöhnliche Zeit. Es gilt zu unterscheiden, ob Kinder ihre Freizeit vor dem Bildschirm verbringen, oder ob sie produktiv sind. Auch Ihre Tochter, Ihr Sohn sollte diese Unterscheidungen kennen und damit umgehen lernen. Begleitung und Unterstützung ist wichtiger denn je. Eltern sollten wissen, wo und wie sich das Kind online bewegt. Seien Sie als Ansprechperson verfügbar und fragen Sie auch aktiv nach, wie Ihr Kind die Situation erlebt. 

Medienräume und Medienzeiten festlegen

Thematisieren Sie mit Ihrem Kind den Unterschied zwischen Mediennutzung und Medienkonsum und setzten Sie gemeinsam neue Regeln fest. Eine räumliche und zeitliche Trennung zwischen Nutzung und Konsum hilft dem Kind, die Aktivitäten besser zu unterscheiden und sich an die Regeln zu halten. So kann zum Beispiel ausgemacht werden, dass das Kind zu den abgemachten Zeiten Schularbeiten am Schreibtisch erledigt. Und zum Gamen oder YouTube-Video schauen, darf es sich auf dem Sofa im Wohnzimmer bequem machen. 

Oft ist es für Eltern schwierig zu beurteilen was Kinder am Bildschirm machen. Medienzeit allein im Zimmer ist gerade bei kleineren Kindern nicht angemessen. Informieren Sie sich, was Ihre Kinder digital zu erledigen haben und interessieren Sie sich auch dafür, ob und wie es gemacht wird. 

Abwechslung und nicht mediale Zeiten 

Non-mediale Zeit einzuhalten, stellt in der aktuellen Situation eine besondere Herausforderung dar. Weil Kinder und Jugendliche einen Grossteil des Tages Unterricht an einem digitalen Gerät erleben, digitale Kontakte pflegen und sich zum Vergnügen auf digitalen Geräten verweilen, ist Abwechslung umso wichtiger. Kinder brauchen bildschirmfreie Zeiten und genügend Bewegung. Je jünger das Kind, desto mehr. Während der Arbeitszeit können sich Kinder und Eltern zu gemeinsamen Pausen verabreden. Auch durch Bewegungspausen lässt sich die Schularbeit am PC und die Homeoffice Tätigkeit auflockern. In der Freizeit dürfen digitale Aktivitäten ebenfalls Platz haben, doch sollten sie im Gleichgewicht zu non-medialen Aktivitäten stehen. Um digitale Erlebnisse zu verarbeiten, brauchen Kinder analoge Aktivitäten. 

Gemeinsame Ideensuche

Eltern und Kindern können sich gemeinsam auf die Suche machen und Ideen für Aktivitäten ohne Bildschirm suchen. Wenn die Kinder aufschreiben, was sie gerne machen möchten, ist im Nu ein Wochenplan voller Aktivitäten gestaltet. Ob ein Spaziergang, ein Papierflieger-Contest oder wenn eine «Kügelibahn» durch die Wohnung führt – auch im Lockdown gibt es genügend Aktivitäten, für die es keine digitalen Medien braucht. 

Tipps für Eltern 

  • Stellen Sie klare Regeln für die Bildschirmzeiten auf und unterscheiden Sie zwischen Medienkonsum und Mediennutzung. Ausnahmen dürfen natürlich möglich sein.
  • Bleiben Sie im Austausch und helfen Sie Ihrem Kind, zwischen Mediennutzung und Medienkonsum zu unterscheiden. Wichtig ist, die Aktivitäten räumlich und zeitlich zu trennen und klar sichtbar zu machen, um welche Aktivitäten es sich gerade handelt.  
  • Achten Sie darauf, in Ihrer Familie weiterhin medienfreie Zeiten und Räume beizubehalten. 
  • Suchen Sie gemeinsam nach non-medialen Aktivitäten. Ihre Kinder brauchen Abwechslung, Bewegung und Bildschirmpausen! 
  • Machen Sie gemeinsame Pausen vom online Unterricht und Homeoffice.