Medien & Internet

Gemeinsame Medienaktivitäten im Corona-Lockdown

Weil Alternativen fehlen, finden Freizeitaktivitäten im Lockdown vermehrt vor dem Bildschirm statt. Eine Gelegenheit, um als Familie gemeinsame Medienmomente zu gestalten. Gleichzeitig erhalten Eltern einen Einblick, wie Kinder mit digitalen Medien umgehen.
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Grossmutter mit Enkeltochter am Skypen.

In den letzten Tagen und Wochen hat die Flut an digitalen Angeboten zugenommen. Für Schule und Freizeit gibt es Unterlagen, Lernanleitungen, Spiele, Tipps und Anregungen zu Hauf. Aus dieser Fülle auszuwählen, ist nicht immer einfach. Weil Kinder und Jugendliche nicht immer begleitet werden können, fehlt oft die Kontrolle, wo sie sich in der digitalen Welt aufhalten. Eltern beschäftigt also nicht nur die Dauer der Bildschirmzeit, sondern auch die Frage, ob ihre Kinder mit den vielen Informationen und Inhalten umgehen können. Gemeinsame Medienaktivitäten verschaffen Klarheit, erhöhen das Verständnis und sollten nicht fehlen. Damit nicht jedes Familienmitglied einzeln digital unterwegs ist, kann man die Zeit nutzen und zusammen gamen, einen Film anschauen oder gemeinsam einen Snap verschicken. Solche Momente sind wertvoll für Kinder und aufschlussreich für Eltern. 

Einblick in die digitale Welt des Kindes

Gemeinsame Medienaktivitäten schaffen Nähe, fokussieren unterschiedliche Interessen und geben Eltern einen Einblick in die digitale Lebenswelt ihrer Kinder. Sobald Eltern verstehen, was Kinder online machen, sind Gespräche über Gefahren und Chancen eher möglich. Kinder zeigen und teilen gerne ihre Kompetenzen und fühlen sich gehört, wenn sie diesen Bereich mit Erwachsenen teilen können. Zugleich erfahren Eltern mehr über die Aktivitäten der Kinder und können gezielter unterstützen. Mehr Verständnis führt dazu, dass Kinder über schwierige Online-Erlebnisse sprechen lernen und sich ihren Eltern anvertrauen. Gemeinsame Medienmomente bilden eine Basis, damit heikle Gespräche – falls nötig – überhaupt möglich sind. 

Digitale Erlebnisse verarbeiten

Um digitale Ereignisse und belastende Inhalte zu verarbeiten, brauchen Kinder und Jugendliche Unterstützung. Die Informationsflut zum Thema Coronavirus ist einer dieser Fälle. Übers Radio, am Fernseher, in Zeitungen und im Internet nehmen Kinder und Jugendliche eine Fülle an Informationen auf. Sie hören von Fallzahlen, erkrankten Menschen, Todesraten, unterschiedlichen Fakten und Meinungen. Nachrichten gemeinsam anzuschauen, kann helfen, Ängste zu mindern, Fragen aufzufangen und Informationen gemeinsam zu verarbeiten. Ein bewusstes Gespräch über diese Inhalte ist ein guter Ausgangspunkt, um sich laufend auszutauschen, über Sorgen, die rund um das Coronavirus entstehen.  Eltern sollten bei ihren Kindern nachfragen, was sie gehört oder gelesen haben, und ob sie Fragen dazu haben oder gewisse Informationen verunsichern.

Kaum Zeit für gemeinsame Aktivitäten

Momentan arbeiten viele Eltern im Homeoffice. Gleichzeit sollten sie Lehrpersonen sowie Freizeitanimatoren sein und sich um den Haushalt kümmern. Medienmomente mit erwachsenen Personen sind für Kinder wichtig, müssen aber nicht immer mit den Eltern stattfinden. Um Medienaktivitäten zu gestalten, kann auch das Umfeld eingespannt werden. Der Götti oder die Oma kann auch im Lockdown mit dem Kind eine Medienaktivität planen. Dies hat den Effekt, dass Kinder nicht nur in ihrer Medienkompetenz gefördert werden, sondern während des Lockdowns einen zusätzlichen Raum erhalten, um Beziehungen zu Freunden und Familien zu pflegen. Kinder profitieren davon, in ihrem Umfeld verschiedene Vertrauenspersonen zu haben. Kinder brauchen eine Ansprechperson, aber diese muss nicht in jedem Lebensbereich die Mutter oder der Vater sein. Eltern müssen nicht alles allein stemmen. 

Tipps für Eltern

  • Entdecken Sie mit Ihrem Kind die Möglichkeiten, die digitale Medien im Lockdown bieten. Gehen Sie Medienaktivitäten mit einer positiven Grundhaltung an und lernen und spielen Sie gemeinsam. 
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Medienkonsum. Eine offene Kommunikation stärkt das gegenseitige Vertrauen und macht es leichter, Medienerlebnisse einzuordnen und zu verarbeiten. 
  •  Aktivieren Sie Ihr soziales Netzwerk. Gemeinsame Medienmomente können auch im Lockdown von Personen ausserhalb des Haushalts übernommen werden.
  • Informieren Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind über aktuelle Themen, wie das Coronavirus und die momentane Lage. 
  • Nehmen Sie Ihre Vorbildrolle ernst: Ihr Kind beobachtet, wie Sie mit digitalen Medien umgehen und lernt daraus. 

Ideen für gemeinsame Medienaktivitäten

mit Personen im gleichen Haushalt

  • Familien-Netflix-Serie aussuchen und immer gemeinsam schauen.
  • Zusammen gamen.  
  • Sich gemeinsam über das Coronavirus und die aktuelle Lage informieren. 
  • Rezepte für Menüs suchen und gemeinsam kochen.
  • Programmieren lernen.
  • In der Umgebung, per Velo oder zu Fuss, gemeinsam etwas besichtigen und mit einer Online-Recherche ergänzen. Zum Beispiel die Geschichte des Ortes recherchieren.
  • Ein eigenes Hörspiel aufnehmen oder einen Film drehen.

mit Personen aus einem anderen Haushalt

  • Mit dem Zusatz Netflix-Party kann in verschiedenen Haushalten simultan die gleiche Sendung geschaut und gleichzeitig gechattet werden. 
  • Online ein Multiplayer-Game spielen. 
  • Gemeinsam Fitness machen – Video schauen und miteinander in Bewegung bleiben.
  • Filme/Snaps/TikToks für Familie und Freunde machen.
  • Regelmässige Zoom-Meetings mit der Familie abhalten, zum Beispiel Sonntagstreffen mit allen Geschwistern, Eltern und Grosseltern.