Medien & Internet

Durch digitale Kontakte Nähe schaffen

Soziale Kontakte ausserhalb der Familie zu pflegen, ist für die Entwicklung von Jugendlichen zentral. Wegen des Coronavirus wurde dies zur Herausforderung. Freundschaften lassen sich auch bei physischer Distanz pflegen. Anregungen aus der Fachwelt von Medienpsychologin Isabel Willemse.
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Jugendliche pflegt ihre Freundschaften über das Handy.

Für die Bildung der eigenen Identität ist es wichtig, dass Jugendliche sich direkt mit Gleichaltrigen austauschen können. Durch das Zusammensein mit Gleichaltrigen stimmen Jugendliche ihre eigenen Werte und Meinungen ab. Bedingt durch die Corona-Krise sind physische Kontakt ausserhalb der Familie eingeschränkter. Deutlich zeigt sich, dass soziale Beziehungen digital zu pflegen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene vor Herausforderungen stellt. 

Mikrokosmos Familie

Von Familie zu Familie unterscheidet sich, wie strikt Social Distancing während der Corona-Krise eingehalten wird und welche Leute getroffen werden. «Weil direkte Begegnungen nur eingeschränkt möglich sind, wird die Familie zu einer Art Mikrokosmos», erklärt Isabel Willemse. Wichtig erscheint der Medienpsychologin, dass Kinder und vor allem Jugendliche immer wieder die Möglichkeit haben, aus diesem Mikrokosmos auszubrechen, um sich trotz räumlicher Nähe zur Familie ungestört digital mit Gleichaltrigen auszutauschen. 

Die Tücken der indirekten Kommunikation

Der digitale Austausch hat Grenzen und stellt Jugendliche und Kinder vor neue Herausforderung. Isabel Willemse weist darauf hin, wie schnell es bei schriftlichen Nachrichten Missverständnisse geben kann. Sogar bei einem Anruf oder Video-Call gehen viele Nuancen verloren, die normalerweise durch die Stimme, Körpersprache und Mimik erkannt werden. Dass Jugendliche so lernen müssen, klar und deutlich miteinander zu kommunizieren, kann zugleich eine grosse Chance sein. 

Abwechslungsreicher Austausch

Auch im Online-Austausch ist Abwechslung wichtig. Es zeigt sich nun, dass Kanäle, wie etwa Instagram eine eher einseitige Kommunikationsart darstellen. «Es muss ja nicht immer ein intensives Telefongespräch zu zweit sein», findet die Medienpsychologin. Wenn ein Treffen nicht möglich ist, kann man auch digital miteinander Zeit verbringen und beispielsweise die Kamera einstellen während man das Zimmer aufräumt, am Zeichnen ist oder einen Film schaut. So fühlt es sich ein bisschen wie eine Offline-Begegnung an. Entscheidend ist auch, Jugendliche darauf aufmerksam zu machen, dass sie in gewissen Momenten, zum Beispiel wenn sie sich umziehen, nicht vergessen sollten die Kamera auszuschalten. Einschränkungen geben Raum, um kreative Lösungen zu suchen und neue Ideen zu entwickeln, ist Isabel Willemse überzeugt. Das Spiel «Stadt, Land, Fluss» oder andere altersangemessene Spiele eignen sich beispielsweise prima für eine unterhaltsame Runde via Videokonferenz. 

Wenn die körperliche Nähe fehlt  

Jugendliche setzten manchmal Sexting ein, um über die Distanz trotzdem Nähe zu schaffen. Es braucht Aufklärung über Sexting und die Gefahr, dass Bilder öffentlich gemacht und missbraucht werden. Mehr zum Thema «Sexting» finden Sie im Beitrag «Wenn Sexting öffentlich wird».

Tipps für Eltern

  • Begegnen Sie Ihrem Kind auf Augenhöhe und fragen Sie nach, wie sich der digitale Austausch mit Freundinnen und Freunden anfühlt und welche Probleme oder Chancen sich bei ihnen ergeben.
  • Tauschen Sie Tipps aus, wie man Kontakte auf Distanz pflegen kann.  Weisen Sie auch auf Punkte hin, die Sie selbst als schwierig empfinden in Bezug auf digitale Kommunikation. 
  • Achten Sie darauf, dass Sie Ihrem Kind, trotz räumlicher Nähe, genügend Privatsphäre zugestehen. Es ist wichtig, dass Ihre Tochter oder Ihr Sohn ungestört mit Freunden kommunizieren kann. 
  • Helfen Sie Ihren Kindern, Ideen zu entwickeln für einen abwechslungsreichen Austausch.