Medien & Internet

Hilfreiche Tipps zum Thema «Gamen»

Viele Kinder und Jugendliche gamen gerne. Computerspiele bieten Spass, besondere Herausforderungen oder ermöglichen es, imaginäre Welten zu erschaffen. Im Erziehungsalltag bringen elektronische Spiele aber oft Konflikte mit sich. Hier finden Sie hilfreiche Tipps.
Image
Vater und Sohn am Gamen

Die meisten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz spielen in irgendeiner Form digitale Spiele. Sind die Eltern dem Gamen gegenüber sehr kritisch oder gar abweisend eingestellt, ist das Konfliktpotenzial gross. Mit moralisierenden oder stark bewertenden Kommentaren wie «du spielst viel zu viel», «mit Gamen verschwendest du deine Zeit» oder «dieses Spiel gefällt mir gar nicht», regen Kinder und Jugendliche selten dazu an, ihren Konsum zu reflektieren.

Dossier «Welt der Games»

Pro Juventute hat eine ganze Themenreihe «Welt der Games». In diversen Beiträgen werden verschiedene Aspekte wie Chancen, Risiken und Faszination rund um digitale Spiele beleuchtet.

Fragen wie «Was begeistert dich an diesem Spiel?» oder «Wie gewinnt man in diesem Spiel?» eignen sich besser, um ins Gespräch einzusteigen. Eine grundsätzliche Offenheit gegenüber dem Gamen hilft, konstruktive Gespräche zu führen, die Motivation hinter dem Gamen herauszufinden und angepasste Lösungen zu finden.

Risiken bei Games

Dies bedeutet jedoch nicht, heikle Inhalte auszublenden und nicht zu thematisieren. Im Gegenteil: Für junge Spielende ist es wichtig, gemeinsam auch kritische Inhalte oder Risiken bei Games zu hinterfragen. Denn nicht alle Spiele sind für Kinder geeignet. Gleichzeitig dürfen Eltern auch Begeisterung zeigen. Dies funktioniert am besten, wenn man gemeinsam spielt. Trauen Sie sich, in die Welt der Games einzutauchen!

9 Tipps zum Thema «Gamen» für Eltern

Keine Angst vor Unwissenheit

Kinder und Jugendliche wissen vielleicht besser über Games Bescheid, spielen mehr als Sie und sind besser bei der Bedienung. Für einen bewussten und kritischen Umgang mit dem Medium brauchen sie aber die Unterstützung der Erwachsenen. Informieren Sie sich über die Games, die Ihr Kind interessant findet. Die Beschreibung im App-Store oder auf der Verpackung bietet bereits einige Informationen über den Inhalt eines Games. Auf YouTube können Sie beispielsweise mit dem Stichwort «How to play (Spieltitel)» ein Spiel suchen und mehr darüber erfahren.

Nehmen Sie Ihre Vorbildrolle ernst

Wenn Eltern selbst viel vor dem Bildschirm sitzen und permanent am Handy spielen oder scrollen, ist es für das Kind wenig nachvollziehbar, wenn man dessen Konsum kritisiert und beschränken möchte.

Zeigen Sie Interesse

Versuchen Sie, Ihre Vorurteile gegenüber Computerspielen erst mal beiseite zu legen. Zeigen Sie Interesse und lassen Sie sich von Ihrem Kind die Welt der Games zeigen. Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und reden Sie über die Spiele. Dieses freut sich über Ihr Interesse an seinem Hobby. Auch ist es stolz, wenn es in einem Bereich den Erwachsenen etwas erklären oder gar in einem Spiel gegen sie gewinnen kann! Um mit Ihrem Kind über Games sprechen zu können, müssen Sie nicht Expert*in sein. Aber Sie müssen sich für die Lebenswelt Ihres Kindes interessieren.

Digitale Spiele sind keine Babysitter

Lassen Sie Kinder beim Gamen nicht alleine. Begleiten Sie Kinder je nach Alter beim Konsum von elektronischen Spielen. Gestalten Sie das Gamen mit dem Kind zum Beispiel so, dass Sie immer wieder einen Blick auf den Bildschirm werfen können. 

Achten Sie auf altersgerechte Inhalte

Die Altersangaben bei Games geben einen ersten Eindruck, ob ein Spiel für Ihr Kind geeignet ist oder nicht. Ob ein Game passt, hängt jedoch auch stark vom Interesse und der Entwicklung des Kindes ab. Auf der deutschen Ratgeberseite finden Sie zu vielen Games eine ausführliche Beschreibung sowie eine pädagogische Altersempfehlung.

Diskutieren statt verbieten

Definieren Sie Spielzeiten, Spielinhalte und Spieldauer gemeinsam mit dem Kind. Dies erhöht die Akzeptanz der Abmachungen. Kinder halten sie dann auch eher ein. Sprechen Sie über einen sinnvollen Umgang mit dem Medium. Jugendliche möglichst lange von elektronischen Spielen abzuhalten oder ihnen den Umgang mit Gewaltdarstellung komplett zu verbieten, hat oft einen gegenteiligen Effekt, da es für sie so meist nur noch interessanter wird. Ausserdem gilt zu bedenken, dass ein ausgesprochenes Verbot auch durchgesetzt werden muss. Gut möglich, dass das Kind bei einem Verbot einfach an einem anderen Ort, zum Beispiel bei Freund*innen, spielt.

Junge schützen, Ältere unterstützen

Je jünger das Kind ist, desto stärker sollten Eltern es vor unpassenden Inhalten schützen. Ältere Kinder wünschen mehr Freiraum, auch bei digitalen Medien. Trotzdem ist die Unterstützung der Eltern nach wie vor wichtig. Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass es jederzeit zu Ihnen kommen darf, wenn es etwas Beunruhigendes gesehen hat.

Ausnahmen sind möglich

Ein neu erschienenes Spiel kann anfangs eine hohe Anziehungskraft auslösen. Wenn etwa gerade Schulferien sind oder ein unverplantes Wochenende ansteht, kann es daher auch mal okay sein, mehr zu spielen. Eine Möglichkeit wäre, die Zeit aufzuteilen und mit dem Kind abzumachen, nach der spielintensiven Woche eine spielfreie oder spielreduzierte Woche anzuhängen.

Kündigen Sie das Ende des Spielens an

Das Ärgerlichste als Spieler*in ist es, ein Spiel mitten in einem Level beenden zu müssen, weil dann oft Errungenschaften oder Punkte verloren gehen. Eine Ankündigung kann Frust verringern. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, wann die Spielzeit zu Ende ist: Zum Beispiel «Dieses Level beenden, dann ist fertig». Signale wie ein Wecker oder Timer können Kindern helfen, die verbleibende Spielzeit besser einzuschätzen. Trotzdem fällt der Übergang vom Gamen zu einer anderen Aktivität vielen Kindern schwer. Besprechen Sie deshalb im Voraus, was nach dem Spielen folgt, und unterstützen Sie Ihr Kind beim Abschalten. Nehmen Sie seine Gefühle ernst, wenn es frustriert oder enttäuscht reagiert.

Jugendliche gamen gerne in der Gruppe. Dabei müssen meist mehrere Spielende gleichzeitig online sein. Wenn man zulassen will, dass Jugendliche mit Peers zusammenspielen können, ist dieser Punkt bei der Zeitplanung zu berücksichtigen. Für Kinder sind solche Online-Rollenspiele jedoch nicht zu empfehlen.

Abwechslung zum Gamen

Elektronische Spiele können sehr wohl zum Alltag gehören, aber nicht nur. Bieten Sie Alternativen zum Gamen. Spielen Sie gemeinsam analoge Spiele, unternehmen Sie Ausflüge, fördern Sie Bewegung in der Natur und geben Sie Ihrem Kind genügend Freiraum, draussen und mit Freunden unterwegs sein zu können. Und falls es Ihrem Kind mal langweilig ist, ist das nicht tragisch. Langeweile fördert die Kreativität und die wichtige Fähigkeit, Warten zu können.

Falls Sie das Gefühl haben, dass der Medienkonsum aus dem Ruder läuft und Sie sich ratlos fühlen, ist es sinnvoll, Hilfe zu suchen. Verschiedene Fachstellen können Ihnen weiterhelfen. In vielen Gemeinden und Städten gibt es eine Jugendberatung, welche Ihnen bei diesen Themen weiterhelfen kann. Sie können auch Schulsozialarbeitende, Jugendarbeitende oder Lehrpersonen kontaktieren. Auch die Elternberatung von Pro Juventute ist für Sie da.

Online-Veranstaltung «Welt der Games»

Erhalten Sie einen vertieften Einblick in aktuelle Games sowie hilfreiche Tipps im Umgang mit digitalen Spielen bei unserer Online-Veranstaltung «Welt der Games».

Jetzt kostenlos anmelden

Die Themenreihe «Welt der Games» entstand in enger Zusammenarbeit mit Gameinfo.

Jetzt spenden