Medien & Internet

Was fasziniert Jugendliche an sozialen Medien?

Ein Post hier, ein Hashtag dort, unzählige Fotos, Videos, Storys und Reaktionen in Form von Kommentaren, Herzchen oder Däumchen. Soziale Medien sind aus dem Leben junger Menschen nicht mehr wegzudenken. Eine Erklärung, weshalb Social Media Plattformen Jugendliche in ihrer Entwicklung ansprechen.
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Junge Frau spielt am Handy.

Das Jugendalter ist eine intensive Entwicklungsphase. Auf dem Weg zum Erwachsenenwerden, spielen sich dieselben Dinge ab, die es schon gab, als wir Smartphones noch nicht kannten. Weil Facebook, Snapchat, Instagram und Co. mit all ihren Funktionen eine ideale Plattform bieten, um menschliche Bedürfnisse abzudecken, lösen Jugendliche ihre Entwicklungsaufgaben auch mit diesen Mitteln. Sie möchten sich mitteilen, Bestätigung erfahren und dazugehören. Jugendliche sind dabei, sich in der Welt, in der sie leben, zurechtzufinden und zu orientieren. Damit das gelingt, müssen sie einige zentrale Entwicklungsaufgaben bewältigen: 

  • Kontakte aufbauen und pflegen
  • Die eigene Identität entwickeln
  • Einen Platz in der Gesellschaft finden
  • Sich durch Individualität und Kreativität auszeichnen

Sich gegenseitig austauschen

Jugendliche wollen sich vernetzen und mit Gleichaltrigen in Kontakt sein. Gemeinsam gestalten sie ihre Freizeit und tauschen sich gegenseitig aus. So stärken sie ihre Beziehungen und pflegen auch online Kontakte. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel Durch digitale Kontakte Nähe schaffen. Soziale Medien oder Messenger wie WhatsApp dienen nicht nur als Plattform zur Kommunikation, sondern verbinden auch gemeinsame Interessen. Gleiche Vorlieben für Serien, Filme, Musikstile oder Games sorgen genauso für Gesprächsstoff wie neue «Challenges» oder Trends auf TikTok oder anderen Plattformen.

Zu sich selbst finden

Im Jugendalter wird die eigene Identität gefestigt. Dazu gehört beispielsweise die Akzeptanz des eigenen Körpers und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht. Nach und nach lernen Jugendliche ihre persönlichen Interessen, Stärken und Schwächen besser kennen. Dabei orientieren sie sich an Gleichaltrigen, aber auch an Erwachsenen. Beim Ausprobieren lernen sie schnell, wofür sie welche Rückmeldungen oder Reaktionen erhalten. Views, Kommentare und Likes auf Social Media Plattformen geben ein schnelles Feedback auf Aussehen, Erscheinung oder Auftritte. Reaktionen auf eigene Beiträge widerspiegeln eine vermeintliche Akzeptanz von aussen. Bestätigung und der Zuspruch zu erhalten, ist für Jugendliche bedeutungsvoll. Dadurch fällt es ihnen womöglich leichter, den eigenen Körper, die Fähigkeiten und sich selbst zu akzeptieren. 

Social Media bieten mit all ihren Funktionen eine ideale Plattform, um menschliche Bedürfnisse wie Kontakt, Zugehörigkeit und Bestätigung abzudecken.

Sich Abgrenzen lernen

Junge Erwachsene setzen sich mit der Welt auseinander und versuchen, ihren Platz zu finden. Jugendliche «folgen» beispielsweise auf Instagram Personen, deren Beiträge und Profile sie ansprechen. Vielleicht kommentieren oder reposten sie andere Beiträge sichtbar in ihrem eigenen Profil. So zeigen Sie ihre Haltungen oder welche Interessen sie verfolgen. Solche Posts dienen dazu, sich zu positionieren und zu zeigen, was einem wichtig ist. Auf Social Media Plattformen kommt man mit unzähligen Lebensformen in Berührung. Vergleiche mit anderen Lebensweisen bewirken, dass man die eigene Persönlichkeit oder auch Werte und Einstellungen hinterfragt. Je nachdem ist das hilfreich oder es löst Verunsicherungen aus. 

Dazugehören

Jugendliche wollen dazugehören. Vielleicht schütteln Erwachsene verständnislos den Kopf, weil sich das Kind einer TikTok-Challenge widmet. Womöglich macht es in dieser Zeit mehr, als bloss ein 15-Sekunden-Video aufzunehmen und in der Gegend herum zu tanzen. Einerseits ist es dort unterwegs, wo die Freunde sind: auf sozialen Medien. Es sieht das, was die Freunde sehen und ist Teil dieser Gruppe. Andererseits weiss das Kind wahrscheinlich, wenn die Eltern wenig bis gar nichts mit TikTok oder Instagram anfangen können. Bewusst oder unbewusst ist die Mediennutzung also auch ein Mittel, sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen. 

Chancen und Risiken 

Im Hinblick auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen liegen die Chancen und Risiken von sozialen Medien nahe beieinander. Gewisse Funktionen verbinden und ermöglichen Kontakte auch über Entfernungen zu pflegen. Andere begünstigen bei Posts ein schnelles Feedback auf die eigene Persönlichkeit. Zugleich können Unmengen an ungefilterten Informationen und ungeeignete Inhalte wie Sexualisierung (mehr dazu im Artikel Sexualerziehung und digitale Medien), Gewalt oder Radikalisierung verunsichern oder überfordern. 

Die Kehrseite der Medaille

Obwohl es spannend ist, das Leben mit anderen Personen digital zu teilen, bleibt oft unklar, wer sich hinter einem Profil versteckt. Meist wird ein einseitiges, positives Selbstbild gezeigt und nur die tollen Seiten des Lebens dargestellt. Solche Selbstinszenierungen vermitteln gerne ein falsches Bild der Realität und nähren Selbstzweifel bei den Betrachterinnen und Betrachter. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel So fördern Sie bei Ihrem Kind ein positives Körperbild. Vergleiche mit anderen lassen das eigene Leben langweilig aussehen. 

Distanz nehmen

Das eigene Nutzungsverhalten bewirkt, dass man womöglich immer wieder bei ähnlichen Beiträgen landet. Zudem ist es auch nicht einfach, zwischen Meinungen und Fakten zu unterscheiden. Darum ist es wichtig, dass Jugendliche lernen, die nötige Distanz zu wahren und Gelegenheiten wahrnehmen, um sich nebst sozialen Medien auch anderweitig zu orientieren.

Tipps für Eltern

  • Tragen Sie als Eltern dazu bei, dass Jugendliche ein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln. Dafür braucht es analogen Austausch von Mensch zu Mensch und nicht bloss digitale Feedbacks.
  • Werten Sie soziale Medien nicht ab. Versuchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind über das zu sprechen, was es online sieht und hört und lassen Sie sich Dinge erklären.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Selbstdarstellung im Internet. Fragen Sie beispielsweise, wem es auf Instagram, TikTok oder Snapchat folgt und lassen Sie sich die Profile zeigen.
  • Denken Sie an Ihre Jugend zurück und überlegen Sie, was Ihnen damals wichtig war und was Ihre Entwicklung geprägt hat. Womöglich haben sie dieselben Dinge getan, einfach in einer anderen Form. Zum Beispiel: Fotos von Freunden gesammelt, gemeinsam über Lieblingsmusik gesprochen, einen Filmstar angehimmelt, mit Kleidung ein Zeichen gesetzt oder von den Eltern abgegrenzt. Falls Sie noch Fotos aus dieser Zeit haben, schauen Sie die Bilder doch einmal gemeinsam an. Dies kann eine Basis schaffen, um über Dinge zu sprechen, die Ihrem Kind heute wichtig sind.