Schule & Ausbildung

Hausaufgaben: Tipps für Eltern

An Hausaufgaben scheiden sich die Geister. Doch egal, ob Sie diese sinnvoll oder überholt finden: Für viele Kinder sind sie Tatsache. Erfahren Sie, was Kindern bei der Hausaufgaben-Routine hilft und wie Sie Ihre Kinder unterstützen können, wenn Hausaufgaben belasten.
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Mädchen macht Hausaufgaben.

In vielen Schulen gehören Hausaufgaben zum Schulalltag. Sei es, um Aufträge fertig zu machen, Themen zu vertiefen, Lösungswege zu verinnerlichen oder auf Prüfungen zu lernen. Schüler*innen üben dabei das selbstständige Arbeiten und übernehmen Verantwortung. Hausaufgaben sind aber auch immer wieder ein Thema, das zu Diskussionen führt. Und während einige Kinder ihre Hausaufgaben im Nu und ohne Ermahnung erledigen, lösen sie bei anderen regelmässig Widerstand oder Frust aus.

In vielen Familien führen Hausaufgaben denn auch regelmässig zu Streit oder belasten die Eltern-Kind-Beziehung. Etwa dann, wenn das Kind zum gefühlt hundertsten Mal daran erinnert werden muss, die Hausaufgaben zu erledigen. Oder wenn die Hausaufgaben unangenehme Gefühle auslösen, die dann die Eltern oder Geschwister zu spüren bekommen. 

Sind Eltern unsicher, lohnt es sich, das Gespräch mit der Lehrperson zu suchen.

Auch können Erwartungen der Eltern belasten, wenn es beispielsweise für sie sehr wichtig ist, dass ihr Kind die Hausaufgaben zuverlässig erledigt, es das selbst aber noch nicht schafft. Wichtig ist, zu wissen, dass man mit diesen Problemen nicht allein ist und sie nicht einfach aushalten muss. Verschiedene Tipps und Möglichkeiten zur Unterstützung können entlasten.

Hausaufgaben im Lehrplan 21

Der allgemeine Lehrplan 21 macht keine Vorgaben, ob und wie viele Hausaufgaben Lehrpersonen geben müssen. Manche Kantone schreiben in ihrer kantonalen Version Hausaufgaben hingegen explizit vor. Für alle Kantone, die den Lehrplan 21 eingeführt haben, gelten folgende Punkte: 

  1. Schülerinnen und Schüler müssen die Aufgabenstellung der Hausaufgaben verstehen und die Arbeitstechnik kennen. Hausaufgaben müssen ohne fachliche Hilfe der Eltern und Erziehungsberechtigten lösbar sein.
  2. Die Lehrpersonen berücksichtigen beim Erteilen von Hausaufgaben das Leistungsvermögen der Schülerinnen und Schüler, damit eine Überbelastung vermieden wird.
  3. Vom Vormittag auf den Nachmittag und vom Vortag eines Feiertags auf den nächsten Schultag sowie über die Ferien dürfen keine Hausaufgaben erteilt werden. Hausaufgaben über ein reguläres Wochenende sind möglich.

Sind Hausaufgaben sinnvoll?

Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) hat sich eingehend mit Forschungsergebnissen zur Lernwirksamkeit von Hausaufgaben befasst. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich folgendermassen zusammenfassen:

  • Obwohl seit Jahrzehnten intensiv erforscht wird, welchen Nutzen Hausaufgaben haben, gibt es noch keine klare Antwort.
  • In einzelnen Studien zeigen sich positive Effekte auf die Leistung der Schüler*innen. In anderen sind die Vorteile nur gering oder es überwiegen gar negative Effekte.
  • Ob Hausaufgaben sinnvoll sind oder nicht, hängt von Qualität, Quantität, gewissenhafter Ausführung, Altersgerechtigkeit und dem Umfeld zuhause (Chancengerechtigkeit) ab. 

Auch unter Eltern ist die Haltung zu Hausaufgaben unterschiedlich. Viele schätzen, dass Hausaufgaben ihnen einen Einblick in den Schulalltag geben. Andere empfinden Hausaufgaben als unnötig oder gar als Belastung und berichten, dass Hausaufgaben oft ein Grund für Streit sind. Auch wenn man über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben diskutieren kann, gehören sie zum Alltag vieler Kinder. Eltern können es ihren Kindern erleichtern, wenn sie mit der Schule ein konstruktives Team bilden, statt die Hausaufgaben andauernd infrage zu stellen. 

Wie viele Hausaufgaben sind angemessen?

Manche Schulgemeinden oder Kantone kennen Regeln, wie viel Zeit pro Schulstufe für Hausaufgaben angemessen ist. Diese sind jedoch unterschiedlich. Besonders verbreitet ist die 10-Minuten-Regel: In der ersten Klasse maximal zehn Minuten Hausaufgaben täglich, in der zweiten Klasse höchstens 20 Minuten pro Tag, usw. Viele Eltern verlangen jedoch, dass ihr Kind so lange Hausaufgaben macht, bis es fertig ist – auch wenn das deutlich länger dauert, als empfohlen. Das kann kontraproduktiv sein, wenn das Kind dadurch die Motivation am Lernen verliert. Sind Eltern unsicher, lohnt es sich, das Gespräch mit der Lehrperson zu suchen und die Erwartungen zu klären.

Tipps für die Hausaufgaben

Lassen Sie das Kind den Arbeitsplatz wählen

Manche Kinder lernen gerne in ihrem Zimmer, andere bevorzugen den Ess- oder Küchentisch in der Nähe der Eltern. Viele Kinder lernen auch gerne am Boden oder auf dem Sofa statt an einem Tisch. Wichtiger als das Wo ist, dass sich das Kind wohlfühlt und nicht abgelenkt wird. Handy, Fernseher oder andere Störfaktoren sollten während der Hausaufgaben weggeräumt werden.

Legen Sie feste Zeiten fest

Zum Beispiel direkt nach dem Zvieri. Feste Rituale helfen Kindern, sich leichter an die Aufgabe zu machen. Berücksichtigen Sie dabei individuelle Bedürfnisse. Manche Kinder brauchen nach der Schule erst eine längere Pause und machen die Hausaufgaben lieber nach dem Abendessen statt am Nachmittag.

Sorgen Sie für Pausen

Langes Arbeiten ist anstrengend – besonders für jüngere Kinder. Teilen Sie die Aufgaben deshalb in kleinere Einheiten auf. Nach spätestens 30 Minuten sollte eine kurze Pause gemacht werden. Danach kann Ihr Kind leichter weiterarbeiten.

Motivieren Sie Ihr Kind

Loben Sie Ihr Kind für seine Ausdauer, auch wenn es nicht alles richtig macht. Ermutigen Sie Ihr Kind, neue Aufgaben auszuprobieren und auch Fehler zu machen. Möglicherweise müssen Sie dafür Ihre eigenen Ansprüche herunterschrauben. Denn viele heutige Erwachsene sind so erzogen worden, dass nur das perfekte Ergebnis zählt und haben Mühe damit, Fehler als Teil des Lernprozesses zu sehen.

Bieten Sie Hilfe an

Ihr Kind sollte die Hausaufgaben möglichst selbstständig erledigen. Falls es Mühe hat, können Sie mit ihm die Aufgabe besprechen, einen Teilschritt erklären oder gemeinsam nach einer Lösung suchen. Aber erledigen Sie die Hausaufgaben nicht für Ihr Kind. Versteht Ihr Kind die Aufgabe nicht, ist es sinnvoll, dass es am nächsten Tag selbst bei der Lehrperson nach dem Lösungsweg fragt. So weiss diese auch, wo die Schüler*innen noch mehr Erklärung brauchen.

Unterstützen Sie beim Aufteilen von Wochenaufgaben

Viele Kinder bekommen Anfang Woche die Hausaufgaben für die ganze Woche. Hier zeigen sich die unterschiedlichen Lerntypen besonders gut: Das eine Kind macht am Montag alle Hausaufgaben, um den Rest der Woche „frei“ zu haben. Ein anderes schiebt alle Aufgaben auf und macht sie auf den letzten Drücker. Wenn Ihr Kind sich die Aufgaben selbst noch nicht so gut einteilen kann und in Stress kommt, können Sie es dabei unterstützen. Machen Sie gemeinsam mit dem Kind einen Plan und verteilen Sie die Aufgaben auf die Wochentage. Eine To-Do-Liste zum Abhaken kann zusätzlich motivieren, Aufgaben zu erledigen. Wichtig ist, dass Eltern sich Schritt für Schritt zurückziehen und die Kinder immer mehr selbst machen lassen.

Lassen Sie die Verantwortung bei Ihrem Kind

Viele Eltern fühlen sich dafür verantwortlich, dass Ihr Kind die Hausaufgaben macht. Doch sind Hausaufgaben ein gutes Übungsfeld für Ihr Kind, um selbstständiger zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Dazu zählt auch, dafür hinzustehen, wenn die Hausaufgaben nicht gemacht wurden.

Seien Sie kreativ

Manchmal braucht es kreative Lösungen, etwa wenn nur schon der Gedanke an Hausaufgaben das Kind blockiert. Sie können beispielsweise mit den Hausaufgaben eine Schnitzeljagd oder einen Parcours machen. Verteilen Sie dafür die Aufgaben in der Wohnung oder auf einzelne Hindernisposten. Oder lassen Sie das Kind Rechnungen mit Fingerfarben am Fenster oder draussen mit Strassenkreide lösen, statt auf einem Blatt Papier.

Podcast

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Hausaufgaben sind auch Thema im Podcast «Familienbande». Hören Sie, welche Fragen sich die Eltern stellen und welche Tipps sie bekommen.

-→ Sind Hausaufgaben auch Aufgabe der Eltern?

-→ Sollen wir unserem Kind bei den Hausaufgaben helfen?

Wenn es mit den Hausaufgaben nicht klappt

Für manche Kinder ist es ein Leichtes, die Hausaufgaben zu erledigen. Für andere ein täglicher und zäher Kampf. Falls Hausaufgaben immer wieder zu Streit, Frust oder Tränen führen, ist das ein Zeichen, dass etwas zu viel ist. Manche Eltern sorgen sich auch, weil Hausaufgaben so viel Zeit einnehmen, dass kaum mehr freie Zeit für Bewegung, Hobbys oder Freundschaften bleibt. Dabei ist Freizeit wichtig, damit sich Kinder erholen und Kraft tanken können. Langfristig kann Stress und Leistungsdruck sonst die Gesundheit belasten.

Keinesfalls sollte der Hausaufgaben-Druck dazu führen, dass die Eltern-Kind-Beziehung leidet.

Braucht das Kind sehr lange für die Hausaufgaben oder fühlt sich oft überfordert, sollten Eltern mit der Lehrperson darüber sprechen. Gemeinsam kann man Lösungen und Unterstützung suchen. Vielleicht haben auch andere Kinder ähnliche Schwierigkeiten. Reden Sie deshalb auch mit anderen Eltern. So können Sie besser einschätzen, ob es Ihrem Kind allein so geht oder ob es ein allgemeines Problem ist. Vielleicht lässt sich durch den Austausch auch erreichen, dass die Schule etwas an den Hausaufgaben ändert. Viele Schulen haben ausserdem eine Schulsozialarbeit. Diese kann bei Problemen helfen oder Tipps geben. Denn keinesfalls sollte der Hausaufgaben-Druck dazu führen, dass die Eltern-Kind-Beziehung leidet.

Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe

Falls es zuhause mit den Hausaufgaben gar nicht klappt, lohnt es sich, andere Optionen zu prüfen. Vielleicht kann Ihr Kind mit anderen Kindern eine Lerngruppe bilden oder es kann von einer anderen Bezugsperson begleitet werden. Viele Schulen bieten auch eine freiwillige Hausaufgabenbetreuung an, oft sehr günstig oder kostenlos − etwas, das der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz bereits seit 2017 in einem Positionspapier flächendeckend fordert. 

Eine solche Hausaufgabenstunde kann Struktur hineinbringen und Stress reduzieren: Die Hausaufgaben werden in der Schule mit pädagogischer Betreuung gemacht und zuhause bleibt Zeit für Erholung und Hobbys. Alternativ kann auch private Nachhilfe infrage kommen, etwa durch ältere Schüler*innen oder Student*innen. Fehlen dafür die finanziellen Mittel, lohnt es sich zu prüfen, ob es vergünstigte lokale Angebote gibt, beispielsweise vom Schweizerischen Roten Kreuz oder der Caritas Kulturlegi.

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