Jugendlohn fördert Finanzkompetenz von Jugendlichen

Statt Taschengeld können Jugendliche einen Jugendlohn erhalten. Mit diesem finanzieren sie einen Teil ihrer Lebenskosten selbstverantwortlich. Erfahren Sie, welche Vorteile das bringt, ab wann der Jugendlohn geeignet ist und wie Sie die Höhe berechnen können.
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Jugendlohn Taschengeld Jugendliche

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Jugendlohn ist ein Erziehungsmodell, bei welchem Jugendliche einen Teil ihrer Lebenskosten selbstverantwortlich finanzieren. Damit lernen Jugendliche früh die wahren Lebenskosten kennen und mit Geld umzugehen. Eine Studie zum Jugendlohn aus dem Jahr 2018 zeigt, dass das Modell zu höheren Kompetenzen im Umgang mit Geld führt. Es entlastet die Eltern und trägt zur positiven Beziehung zwischen Eltern und Kindern während der Pubertät bei.

Der Verein Jugendlohn empfiehlt die Einführung ab 12 Jahren. In diesem Alter können die Kinder schon ihre Bedürfnisse gut abwägen, sind aber noch empfänglich für den Rat der Eltern. Auch kennen sie die Jahreszeiten und können in etwa einschätzen, welche Auswirkungen diese beispielsweise auf ihre Ausgaben für Kleidung oder Freizeit haben.

Was ist der Jugendlohn?

Der Jugendlohn® ist ein vom Psychologen und Familientherapeuten Urs Abt in den 1970er Jahren entwickeltes Erziehungsmodell. Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach: Die Jugendlichen erhalten einen fixen monatlichen Betrag von ihren Eltern, mit dem sie selbständig bestimmte Lebenskosten verwalten. 

Was zahlen Jugendliche mit dem Jugendlohn?

Mit dem Jugendlohn sollen grundsätzlich Dinge für den persönlichen Bedarf bezahlt werden, welche sonst die Eltern zahlen würden. Dazu zählen notwendige Ausgaben für:

  • Kleider und Schuhe
  • Coiffeur und Hygieneartikel
  • Velo, Mofa und öffentliche Verkehrsmittel
  • Handy sowie Handyabo
  • Ausgaben für Sport und Ausrüstung
  • Mahlzeiten auswärts

Der Jugendlohn beinhaltet auch ein Taschengeld für zusätzliche Konsumwünsche wie Süssigkeiten, Konzerte, Games, Ausgang oder zum Sparen. Hingegen werden die Kosten für Wohnen, Essen, Versicherungen, Schulgelder und gemeinsame Ausflüge oder Ferien weiterhin von den Eltern getragen.

Jugendlohn fördert die Selbstverantwortung

Ziel des Jugendlohns ist es, dass die Jugendlichen lernen, das Geld einzuteilen. Sie müssen Konsumwünsche und notwendige Anschaffungen gegeneinander abzuwägen. Das hilft, ein realistisches Preisbewusstsein zu entwickeln. Dabei handelt es sich nicht um reine Finanzerziehung, wie Urs Abt immer wieder betonte, sondern um ein ganzheitliches Erziehungsmodell.

Beim Jugendlohn geben die Eltern bewusst Verantwortung an ihre Kinder ab. Sie müssen ein Stück weit loslassen und das nicht nur in finanziellen Angelegenheiten. Auch in anderen Bereichen wird im Rahmen des Jugendlohns die Selbstverantwortung der Jugendlichen gefordert und gefördert. Beispielsweise indem sie bestimmte Aufgaben im Haushalt übernehmen oder selbst bestimmen, wann sie ins Bett gehen.

Der Jugendlohn ist somit nicht einfach ein Mittel, um die finanzielle Selbständigkeit von Teenagern zu fördern. Er ist auch Ausdruck dafür, dass Eltern wahrnehmen und wertschätzen, wie ihre Kinder selbständig werden und dies unterstützen. Der Jugendlohn ist ein Schritt ins Erwachsenenleben.

 

Höhe des Jugendlohns

Die Höhe des Jugendlohns variiert je nach Familie und Umfang der selbst getragenen Lebenskosten. Bezahlen Jugendliche damit nahezu all ihre Lebenskosten, ist der Jugendlohn höher als bei Jugendlichen, die nur Kleider und Handy bezahlen müssen. Für Kleider und Schuhe empfiehlt der Dachverband Budgetberatung Schweiz etwa einen Betrag von 50 bis 100 Franken; fürs Mobil-Telefon 10 bis 30 Franken. In seinem Merkblatt listet der Verband weitere Richtwerte für gebundene Ausgaben sowie für ein frei verfügbares Taschengeld.

Zentral ist, dass der Jugendlohn ins Familienbudget passt. Nicht jede Familie hat die gleichen finanziellen Mittel. Somit können auch nicht alle Jugendlichen die gleichen Mittel für ihre Ausgaben haben. In den in der Studie befragten Familien erhielt die Hälfte der Jugendlichen einen monatlichen Jugendlohn zwischen 100 und 200 Franken. Jede*r fünfte Jugendliche hatte zwischen 200 und 300 Franken zur Verfügung. Der Jugendlohn sollte den bisherigen Ausgaben entsprechen und das Familienbudget nicht zusätzlich belasten. Im Gegenteil: Er kann sich positive auf die Familienausgaben auswirken, da die Familie ihr Budget damit besser kennen und einteilen lernt. Sinnvoll ist, vor der Einführung des Jugendlohns einige Monate lang alle Ausgaben für das Kind zu notieren. Das hilft, die Höhe des Jugendlohns zu berechnen. Der Verein Jugendlohn stellt eine Tabelle zur Berechnung des Jugendlohns zur Verfügung.

Fehler gehören dazu – auch beim Jugendlohn

Der Jugendlohn ist ein Lernfeld. Jugendliche dürfen Fehler machen. Doch können Fehlentscheide zu Finanzengpässen führen. Plötzliche fehlt das Geld für eine notwendige Fahrradreparatur. Am liebsten würde man als Mutter oder Vater in die Bresche springen. Trotzdem sollten die Eltern konsequent bleiben und kein Geld ausleihen. Denn später mit dem richtigen Lohn ist das Einkommen ebenfalls begrenzt. Wird zu viel ausgegeben, droht eine Verschuldung.

Eltern dürfen ihr Kind aber unterstützen und ihm die Chance geben, den Fehler selbst zu korrigieren. So kann es daraus lernen und beispielsweise künftig für Unvorhersehbares sparen. Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, etwas zusätzlich zu verdienen, beispielsweise mit einem Sackgeld- oder Ferienjob.

Vorteile des Jugendlohns

  • Umgang mit Geld lernen: Mit dem Jugendlohn lernen Jugendliche, notwendige Anschaffungen und Konsumbedürfnisse gegeneinander abzuwägen. Sie werden preisbewusster und gehen sorgfältiger mit dem eigenen Geld um. 
  • Weniger Konflikte: Der Jugendlohn entlastet die Eltern, da es weniger Konflikte zum Thema Geld gibt. Die Spielregeln sind für alle klar. Zudem wird der Ablösungsprozess mit dem Jugendlohn früh aber sanft und bewusst eingeleitet. Dadurch kann sich die Beziehung zwischen den Kindern und den Eltern verbessern.
  • Schuldenprävention: Geld richtig einteilen, Konsumwünsche abwägen und langfristig planen sind wichtige Fähigkeiten, um nicht in die Schuldenspirale zu geraten. Auch fördert der Jugendlohn das Gespräch über Geld in der Familie – ein weiterer wichtiger und zentraler Aspekt zur Prävention von Schulden.

Bevor der Jugendlohn eingeführt wird, lohnt es sich, in der Familie über die verschiedenen Aspekte zu diskutieren. Welche Ausgaben möchten die Jugendlichen selbst verantworten? Wie viel Jugendlohn möchten die Eltern geben? Welche Vor- und Nachteile sehen die Beteiligten? Auf dieser Grundlage können Eltern und Kind gemeinsam entscheiden, ob und wie sie den Jugendlohn einführen möchten.

Tipps für die Einführung des Jugendlohns

  • Formulieren Sie einfache, klare Rahmenbedingungen, die dem Kind Orientierung geben und Freiraum lassen.  Halten Sie diese schriftlich fest.
  • Feiern Sie den Start in den neuen Lebensabschnitt, zum Beispiel mit einem speziellen Nachtessen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Erfahrungen mit dem Jugendlohn und wie es mit der neuen Verantwortung zurechtkommt. Freuen Sie sich an den Fähigkeiten Ihres Kindes.
  • Weitere Informationen zum Jugendlohn sowie eine Vertragsvorlage finden Sie auf jugendlohn.ch. Oder in unserer Broschüre für Eltern zu «Geld und Konsum». 

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