Schule & Ausbildung

10 Tipps für die erfolgreiche Lehrstellensuche

Mit dem neuen Schuljahr beginnt für viele Jugendliche die intensive Phase der Lehrstellensuche. Was kommt dabei auf Eltern zu? Wie können Sie der Tochter oder dem Sohn bei der Lehrstellensuche beiseite stehen? Hier finden Sie 10 Antworten auf häufige Fragen.
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Mutter und Tochter führen ein ernstes Gespräch.

Die Berufs- und Ausbildungswahl sowie die Lehrstellensuche bedeutet für die ganze Familie einen grossen Schritt. Wenn Ihr Sohn in der ersten Oberstufenklasse ist, wird für ihn der Berufswahlunterricht in der Schule beginnen. Ist Ihre Tochter in der zweiten Oberstufe, hat sie vielleicht schon Berufe erkundet und in Betrieben geschnuppert. Ist sie neu in der dritten Oberstufe, beginnt für sie die Lehrstellensuche. Um Sie als Eltern in dieser Phase der Veränderung zu unterstützen, haben wir Fragen zusammengestellt, die Familien beschäftigen.

Für Jugendliche ist die elterliche Begleitung in dieser Phase ausschlaggebend.

10 Tipps für die erfolgreiche Lehrstellensuche

1. Wann sollte unsere Tochter anfangen, sich für eine Lehrstelle zu bewerben?

Ist Ihre Tochter ab Sommer in der dritten Oberstufe, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um mit der Lehrstellensuche zu beginnen. Auf den Lehrstellenbörsen von Berufsberatung, gateway.one oder Yousty finden Jugendliche offene Lehrstellen in verschiedenen Kantonen.

2. Warum hat der Cousin, der in einem anderen Kanton wohnt, bereits seine Lehrstelle?

Je nach Region oder Branche wird der Bewerbungsstart etwas früher angesetzt. Lehrbetriebe und Berufsbildungsämter legen fest, wann die Betriebe ihre Lehrstellen öffentlich ausschreiben dürfen. Dieser Zeitpunkt wird immer wieder neu ausgehandelt. In diesem Jahr konnten offene Lehrstellen in einigen Kantonen bereits ab Frühling publiziert werden. Deshalb haben Jugendliche aus einem anderen Kanton möglicherweise bereits eine Zusage für ihre Lehrstelle. Lernende für den Lehrstart im nächsten Sommer werden nun laufend ausgewählt.

3. Wie kann ich meine Tochter für die Lehrstellensuche motivieren?

Sprechen Sie mit ihr regelmässig über die Berufswahl und Lehrstellensuche. Für Jugendliche ist die elterliche Begleitung in dieser Phase ausschlaggebend. Pflegen Sie einen Austausch auf Augenhöhe: Sprechen Sie die grosse Veränderung an und sichern Sie Ihre Unterstützung zu. Vermitteln Sie Ihrer Tochter auch, dass es sich um eine erste grosse eigene Entscheidung handelt. Versuchen Sie unrealistische Vorstellungen zu klären, aber übergeben Sie ihr auch ein Stück Verantwortung. Sprechen Sie ihr Mut zu und zeigen Sie, dass Sie stolz sind, wenn sie sich um eine Lehrstelle bemüht, das motiviert. Wenn Sie die Hürde eine Erstausbildung auszuwählen gemeinsam nehmen, unterstützen Sie Ihre Tochter auf optimale Weise. Hier finden Sie weitere Tipps, wie Sie Ihren Sohn oder Ihre Tochter bei der Berufswahl begleiten können.

4. Mein Sohn weiss noch nicht, welchen Lehrberuf er wählen möchte. Wie findet er den passenden Beruf?

Bevor die Lehrstellensuche beginnen kann, muss sich Ihr Sohn mit der Berufswahl auseinandersetzen. Überlegen Sie gemeinsam, welche Tätigkeiten ihn ansprechen und welche Berufe in Frage kommen könnten. Vergleichen Sie, ob seine Interessen und Stärken mit den Anforderungen ausgewählter Berufe übereinstimmen. Hat Ihr Sohn überprüft, ob sich seine Leidenschaft für Fussball mit den Tätigkeiten in einem Lehrberuf in Verbindung bringen lässt? Vielleicht weiss er viel über Sport und interessiert sich deshalb für den Beruf des Detailhandelsfachmann in einem Sportgeschäft. Oder blüht Ihr Sohn auf, wenn er in seinem Umfeld etwas organisieren kann? Organisatorische, digitale und kommunikative Fähigkeiten sind für Lehrberufe im Büro, wie Mediamatiker EFZ oder Kaufmann EFZ, eine Voraussetzung. Solche Fragen helfen, zu einem oder mehreren Wunschberufen zu gelangen. Mehr als einen Wunschberuf zu haben, erleichtert die Lehrstellensuche. 

5. Wie erkennt meine Tochter, dass ihr Berufswunsch tatsächlich passt?

Befindet sich Ihre Tochter noch im Berufswahlprozess, ist es wichtig, dass sie in den Wunschberufen schnuppert. Das gibt Sicherheit für die Entscheidung und hilft bei der Lehrstellenbewerbung. Oder ist Ihre Tochter bereits auf der Lehrstellensuche und fragt sich, ob sie für immer auf diesem Beruf arbeiten möchte? Wichtig für den Moment ist, dass genug Motivation und Interesse vorhanden ist, um eine Lehre durchzuhalten. Eine Garantie gibt es nicht, doch wenn die Motivation für die Ausbildung fehlt, kommt es eher zu einem Lehrabbruch. Weisen Sie Ihre Tochter darauf hin, dass sie nach dem Abschluss einer Lehre Weiterbildungen oder neue Ausbildungen angehen kann. Falls Fragen offen sind, empfiehlt sich der Besuch bei der Berufsberatung BIZ.

6. Wie sollte die Bewerbung meines Sohnes daherkommen?

In der Oberstufe ist das Thema «Bewerben» Teil des Lehrplans. Durch Korrigieren des Bewerbungsbriefes oder mit Tipps für sein Bewerbungsdossier können Sie Ihren Sohn zusätzlich unterstützen. Falls Sie sich beim Thema Bewerben unsicher sind, fragen Sie vielleicht Nachbarn oder Freunde und Verwandte, ob sie Ihren Sohn begleiten würden. Was in einen Bewerbungsbrief gehört, wie der Lebenslauf gestaltet sein sollte und welche Zeugnisse und Schnupperberichte ins Bewerbungsdossier gehören, erfahren Sie in unserem Beitrag «Erfolgsrezept für die Lehrstellensuche».

7. Unsere Tochter hat noch keine Zusage für eine Lehrstelle erhalten. Ist es schon zu spät?

Ein grosser Teil der Schülerinnen und Schüler findet ihre Lehrstelle im ersten Semester der dritten Sekundarstufe, viele aber auch erst im zweiten. Zudem hängt der Zeitpunkt der Rekrutierung durch die Lehrbetriebe auch damit zusammen, für welche Lehrberufe sich Ihre Tochter bewirbt. Für Handwerksberufe oder im Detailhandel kann sich der Zeitplan von demjenigen für Lehrberufe wie Informatikerin, Kaufmann oder Zeichnerin unterscheiden. Erkundigen Sie sich bei Unsicherheiten bei der Klassenlehrperson oder bei der Berufsberatung biz in ihrer Region. 

8. Unser Sohn soll die besten Chancen haben. Müsste er dazu nicht ein Gymnasium absolvieren?

Wenn die Schulnoten passen und das Interesse und der nötige Anreiz da sind, spricht nichts dagegen, dass Ihr Sohn sich für das Gymnasium oder die Aufnahmeprüfung anmeldet. In der dritten Sekundarschule sollten Sie und Ihr Sohn nicht bloss auf die Anschlusslösung Gymnasium setzen. Möglich ist auch, sich auf Lehrstellen zu bewerben und die Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium parallel dazu zu machen. 
 

9. Welchen Stellenwert hat ein Lehrabschluss in der Schweiz?

Mit einem Lehrabschluss haben Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt der Schweiz gute Startbedingungen. In manchen Bereichen werden Berufsleute mit einem Lehrabschluss sogar bevorzugt, denn der Stellenwert einer Lehre ist hoch. Falls es die Schulnoten zulassen, kann Ihre Tochter oder Ihr Sohn während der Lehre oder im Anschluss berufsbegleitend eine Berufsmatur absolvieren. Danach stehen Weiterbildungen an Fachhochschulen offen. Auch ohne Berufsmatur garantiert ein Lehrabschluss in der Schweiz einen soliden Start in die Arbeitswelt. Ihre Tochter oder Ihr Sohn kann sich im Beruf spezialisieren und später auch branchenspezifische Weiterbildungen angehen. 

10. Was können wir tun, wenn unsere Tochter Absagen über Absagen erhält?

Absagen gehören beim Bewerben leider dazu. Die Gründe für wiederholte Absagen können sehr vielfältig sein. Das kann am Selbstvertrauen kratzen. Zeigen Sie Verständnis dafür. Suchen Sie gemeinsam nach Gründen und Verbesserungsmöglichkeiten, wenn die erste Enttäuschung überwunden ist. Hier erhalten Sie Tipps, was Sie bei wiederholten Absagen unternehmen können und an welche Stellen Sie und Ihre Tochter sich wenden können. 
Falls Ihre Tochter oder Ihr Sohn nicht mehr weiter weiss, unterstützt unsere Beratung 147 per Telefon oder Chat.
 

Jugendliche erhalten auf 147 Informationen zu Berufswahl und Lehrstellensuche sowie Beratung und Hilfe für alle kleine oder grosse Sorgen, Probleme oder Fragen - rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich.

Helfen Sie mit Ihrer Spende Jugendlichen beim Berufseinstieg

Pro Juventute bietet kostenlose Bewerbungstrainings an, um den Jugendlichen wichtige Hilfestellungen zu bieten und ihnen den Übertritt ins Berufsleben zu erleichtern. Mit einer Spende tragen Sie dazu bei, Jugendliche in diesem herausfordernden Schritt zu unterstützen. Bereits mit CHF 170.- können wir einen Schüler oder eine Schülerin mit einem Training unterstützen.