Schule & Ausbildung

Leistungsdruck in der Schule stresst Kinder und Jugendliche

Die Anforderungen in Schule und Ausbildung nehmen stetig zu und der Leistungsdruck steigt. Fühlen sich Schülerinnen und Schüler langfristig überfordert, entsteht Stress. Erfahren Sie, wie Sie Kinder und Jugendliche dabei unterstützen können, einen guten Umgang mit Schulstress zu finden.
Image
Eine Schülerin leidet unter Stress und Leistungsdruck.

Der Alltag verlangt uns mehr und mehr ab. In der heutigen Gesellschaft scheint vor allem Leistung zu zählen. Diese Erwartungshaltung können auch Kinder spüren. Sie setzen sich unter Druck und haben gleichzeitig Angst, ihre Eltern mit schlechter Leistung zu enttäuschen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Belastung durch schulische Faktoren zu. Kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Anforderungen und Bewältigungsmöglichkeiten, führt dies zu Stress.

Gemäss der Pro Juventute Stress-Studie fühlt sich ein Drittel der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz gestresst. Dauert Schulstress an, sind die Energiereserven irgendwann aufgebraucht und der tägliche Schulbesuch wird zum Kampf. Aus diesem Grund ist es wichtig, Kinder und Jugendliche beim Bewältigen anspruchsvoller Phasen in der Schule zu unterstützen.

Mögliche Auslöser von Schulstress

Auslöser für Stress sind individuell. Jüngeren Kindern kann beispielsweise Schreiben und Lesen lernen Mühe bereiten und Stress auslösen. Von älteren Kindern wird mit Hausaufgaben, Schulprojekten oder schwierigen Prüfungen viel abverlangt. Viele Jugendliche berichten, dass sie Angst haben, ohne gute Noten keine beruflichen Perspektiven zu haben. Doch auch andere Ursachen können Stress auslösen.

Hohe Erwartungen

Bereits Kinder und Jugendliche haben hohe Erwartungen an sich. Andere spüren die hohen Erwartungen der Eltern oder anderer Bezugspersonen und möchten ihnen genügen. Sie messen sich an anderen und vergleichen ihre Leistungen mit jenen der Klassenkameradinnen und -kameraden. Dieses Leistungsdenken kann Stress auslösen und sich negativ auf den Selbstwert auswirken. Wer immer nur aufs Resultat fokussiert, erlebt sich möglicherweise als wenig selbstwirksam

Veränderungen

Kinder und Jugendliche brauchen Halt und Orientierung, um gut lernen zu können. Veränderungen werden als Herausforderung wahrgenommen. Beim Schulübertritt, Klassenwechsel oder wenn eine neue Lehrperson kommt, muss sich das Kind erst an die neue Situation gewöhnen. Es muss seinen Platz im veränderten Gefüge finden. Manche Kinder haben damit Mühe und sind auf Hilfe angewiesen.

Soziale Herausforderungen

In der Schule müssen sich Kinder in eine Gruppe einfügen. Dabei gilt es, eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und jenen der anderen zu finden. Dies ist ein grosser Lernprozess. Je nach Persönlichkeit und Sozialkompetenzen fällt es Kindern und Jugendlichen zudem einfacher oder schwerer, Beziehungen zu Mitschülerinnen und Mitschülern sowie Lehrpersonen einzugehen. Eher introvertierte Schülerinnen und Schüler brauchen dafür viel Energie und Ressourcen. Fühlt sich ein Kind ausgeschlossen, kann das Stress auslösen.

Zeitmangel

Manchmal ist die Ursache von Stress ausserhalb der Schule zu finden. Haben Kinder und Jugendliche viele oder zeitintensive Hobbys, ist die Zeit für Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen knapp. Und selbst wenn sie es schaffen, all ihren Verpflichtungen nachzukommen, leidet darunter die Regeneration. Denn für Pausen und Erholung bleibt keine Zeit mehr übrig.

Zeichen von Schulstress erkennen

Schulstress kann sich unterschiedlich äussern. Mögliche Symptome sind:

  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Probleme in der Schule
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Innere Unruhe
  • Lernschwierigkeiten
  • Prüfungsangst

Auswirkungen von Stress äussern sich aber nicht nur in der Schule. Auch körperliche Beschwerden oder belastende Emotionen können Symptome von Stress und Überforderung sein.

Mobbing in der Schule

Mobbing ist für Betroffene ein grosser Stressfaktor. Das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, lässt das Kind beispielsweise mit Bauchschmerzen aufwachen. Aus Angst, erneut geärgert zu werden, möchte es lieber nicht mehr zur Schule gehen. Mobbing löst ein Gefühl der Ohnmacht aus und hört nicht von allein auf, weshalb bei Mobbing gehandelt und Hilfe geholt werden muss.

Gute Planung hilft durch stressige Zeiten

In der Schule wie auch später im Beruf gibt es immer wieder intensive Phasen, in denen besonders viel gefordert wird. Doch sind Prüfungen, schwierige Gespräche oder eine sehr strenge Schulwoche intensive Zeiten, auf die sich Schülerinnen und Schüler meist vorbereiten können. Im Vorfeld kann man sich folgende Gedanken machen: Was kann ich selber dazu beitragen, dass ich mit dem Druck besser umgehen kann? Beispielsweise einen Lernplan erstellen, um besser organisiert und vorbereitet zu sein.

Vorhaben zeitlich zu planen und selber einzuteilen ist eine komplexe Aufgabe. Das Kind muss wissen, was verlangt wird, und abschätzen, wie viel Zeit und welches Material es zum Lernen braucht. Es gehört Übung dazu, sich so zu organisieren, dass das Erledigen von Aufgaben nicht in Stress endet. Eltern können hierbei unterstützen. Je älter das Kind ist, desto mehr Selbstverantwortung kann und soll es in diesem Prozess jedoch übernehmen. Wichtig ist auch, Pausen einzuplanen. Momente der Entspannung und ausgleichende Tätigkeiten wie Sport helfen Energie zu tanken.

Strategien im Umgang mit Schulstress

Haben Eltern das Gefühl, dass ihr Kind permanent unter Schulstress steht, ist es wichtig, das Thema anzugehen. Sie können fragen, wie es in der Schule läuft: Geht es gerne zur Schule? Wie fühlt es sich in der Klasse? Wie findet es die Lehrperson und den Unterricht? Bei älteren Kindern können Eltern ihre Beobachtungen spiegeln, etwa wenn sie feststellen, dass Jugendliche Aufgaben oder das Lernen auf eine Prüfung immer weiter aufschieben. Je nach Auslöser von Stress bieten sich unterschiedliche Strategien an, um damit umzugehen.

Realistische Erwartungen haben

Es lohnt sich, die Erwartungen des Kindes an sich selber, aber auch die eigenen Erwartungen als Eltern an das Kind zu hinterfragen. Hat das Kind das Gefühl, dass es nur genügt, wenn es gute Noten erreicht, steigert dies den Stress. Auch unrealistische und zu hoch gesteckte Pläne führen zu Frust und Enttäuschung. Ziele, die erreicht wurden, lösen hingegen Freude und Stolz aus. Realistische Erwartungen erhöhen die Motivation. Eltern können ihren Kindern beibringen, dass Fehler okay sind und es in Ordnung ist, «nur» durchschnittlich zu sein. Das wirkt entlastend.

Bei Veränderungen begleiten

Kindern und Jugendlichen kann es helfen, wenn Veränderungen in der Familie thematisiert werden. Wie fühlt sich das Kind, wenn es in eine neue Klasse kommt? Vermisst es alte Klassengspänli oder die frühere Lehrperson? Vielen Kindern hilft es, Übergänge zu bewältigen, wenn diese mit Ritualen verbunden werden: zum Beispiel ein Abschiedsgeschenk für die Lehrperson basteln oder den neuen Schulweg gemeinsam erkunden. 

Soziale Kompetenzen fördern

Haben Kinder oder Jugendliche Mühe, Freundschaften einzugehen und zu pflegen, lohnt es sich, das Gespräch mit der Lehrperson zu suchen. Wie erlebt diese das Kind in der Klasse? Gibt es oft Konflikte? Wird das Kind ausgeschlossen oder gar gemobbt, sollte die Schulsozialarbeit involviert werden. Zu Hause kann über das Thema Freundschaften gesprochen werden, etwa indem gemeinsam entsprechende Geschichten gelesen werden. Am besten lässt sich Sozialkompetenz aber fördern, indem in der Familie soziales Verhalten vorgelebt wird.

Zeit gut einteilen

Je jünger Kinder sind, desto mehr Hilfe brauchen sie bei der Alltagsplanung. Gemeinsam kann geschaut werden, bis wann was erledigt werden muss. Eltern sollten es aber vermeiden, die Verantwortung für anstehende Aufgaben zu übernehmen. Stattdessen kann nach einer anspruchsvollen Woche reflektiert werden, was gut geklappt hat und was weniger. Wo wäre eine frühzeitige Planung hilfreich gewesen? Wann hat Aufschieben Stress ausgelöst? Und wieso konnte eine Arbeit nicht zu Ende geführt werden? Blieb trotz guter Planung kaum freie Zeit, sollten auch die Hobbys angeschaut werden: Welche Hobbys sind wirklich wichtig? Wofür interessiert sich das Kind? Und wo ist etwas zu viel? 

Hausaufgaben als Belastungsprobe

Oftmals bezeichnen gestresste Schülerinnen und Schüler die Hausaufgaben als Stressfaktor Nummer eins. Und spätestens im täglichen Kampf um die Ufzgi fühlen sich Eltern ebenfalls gestresst. Doch gibt es keinen allgemein gültigen Ausweg aus dem Hausaufgabenkampf. Je nach Kind und Art der Probleme bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten an, die Hausaufgabensituation neu zu gestalten:

  • Gehen Sie den Ursachen auf den Grund, wenn Hausaufgaben zu Hause ständig Konflikte auslösen. Versuchen Sie herauszufinden, weshalb Ihr Kind nicht motiviert ist.
  • Vielleicht ist das Kind durchaus in der Lage, seine Aufgaben selbstständig zu lösen, möchte aber nicht alleine dasitzen. Als Abmachung könnte gelten, dass Eltern ebenfalls etwas erledigen, jedoch nicht gestört werden möchten. 
  • Oder das Kind braucht zwischendurch ein bisschen Aufmunterung, um dranzubleiben. Ein anerkennendes Lob für die Bemühungen oder die aufgebrachte Geduld kann Wunder wirken. 
  • Falls das Kind überfordert ist und Unterstützung braucht, sollten Eltern nur so viel wie nötig helfen.

Bei Schulstress Lehrpersonen einbeziehen

Benötigt das Kind sehr viel Zeit für Ufzgi oder ist oft überfordert, sollte dies der Lehrerin oder dem Lehrer kommuniziert werden. Gemeinsam kann nach Lösungen und Unterstützungsmöglichkeiten gesucht werden. Vielleicht geht es anderen Kindern ähnlich. Gespräche mit anderen Eltern können helfen, die Situation einzuschätzen und gegebenenfalls eine Änderung der Hausaufgabenpraxis anzustossen.

Auch wenn Eltern bemerken, dass sich das Kind durch die Schule sehr gestresst fühlt, lohnt es sich, das Gespräch mit der Lehrerin oder dem Lehrer zu suchen. Gemeinsam mit Lehrpersonen, schulischer Sozialarbeit, der Familienberatung oder anderen Fachpersonen können Möglichkeiten beleuchtet werden, um den Alltag entspannter zu gestalten.

Tipps für Eltern

  • Reflektieren Sie Ihre eigenen Ansprüche und bringen Sie Ihrem Kind bei, die eigenen Erwartungen zu hinterfragen. Auf diese Weise wird Druck abgebaut.
  • Anerkennen Sie, wenn Ihr Kind sich angestrengt hat, auch wenn die Leistungen noch nicht top ist. 
  • Legen Sie den Fokus auf den individuellen Fortschritt. Vermeiden Sie Vergleiche mit anderen Kindern.
  • Ihr Kind sollte spüren, dass Sie es auch lieb haben, wenn es eine schlechte Note schreibt. 
  • Beachten Sie den Stresspegel zu Hause. Probieren Sie verschiedene Anti-Stress-Tipps aus, um das Stresslevel zu senken.

Mehr zum Thema Stress finden Sie im Extrabrief «Druck und Stress» von Pro Juventute. Darin erhalten Sie Hintergrundwissen zu alltäglichen Stressfaktoren und Tipps, um Stress zu reduzieren.  

Hier können Sie den Extrabrief bestellen

Jetzt spenden