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Ein Meilenstein für die Kinderrechte: Ständeratsentscheid ebnet den Weg zur gewaltfreien Erziehung

Zürich, 09.09.2025 – Der Ständerat hat heute mit deutlicher Mehrheit beschlossen, das Prinzip der gewaltfreien Erziehung im Schweizerischen Zivilgesetzbuch (ZGB) festzuschreiben. Nach der Zustimmung des Nationalrats ist damit ein historischer Schritt erreicht: Jedes Kind in der Schweiz soll künftig ohne Gewalt aufwachsen. Für Pro Juventute ist dies ein überfälliger Durchbruch. Denn Gewalt in der Erziehung ist nach wie vor traurige Realität und hat schwerwiegende Folgen für Kinder und Jugendliche.
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Gewaltfreie Erziehung

Der heutige Ständeratsentscheid macht gesetzlich verbindlich, was gesellschaftlich längst selbstverständlich sein sollte: Gewalt ist kein legitimes Mittel in der Erziehung. Mit der Verankerung dieses Prinzips im ZGB erfüllt die Schweiz endlich ihre Verpflichtung aus Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention. Wie dringend dieser Schritt ist, zeigen die Beratungszahlen von Pro Juventute: Im letzten Jahr wandten sich durchschnittlich 14 Kinder und Jugendliche pro Woche wegen familiärer Gewalt an das Beratungsangebot 147. Im Jahr 2023 waren es noch neun.

Gewalt in der Erziehung richtet nachhaltigen Schaden an  

Körperliche und psychische Gewalt verletzen Kinder in ihrer Würde und hinterlassen oft tiefe Spuren: Angst, Schuldgefühle, Bindungsprobleme oder geringes Selbstwertgefühl. Langfristig steigt das Risiko für Depressionen oder Angststörungen. «Jedes Kind verdient ein Aufwachsen voller Sicherheit und Zuwendung. Angst und Gewalt dürfen darin keinen Platz haben», betont Nicole Platel, Direktorin von Pro Juventute. Die Gesetzesrevision stärkt somit nicht nur den Schutz, sondern auch die Präventionsarbeit, indem es eine klare gesellschaftliche Haltung formuliert: Die Schweiz toleriert keine Gewalt gegen Kinder.

Gesetz verbessert Schutz und Prävention

Ein zentraler Bestandteil der Vorlage ist die Verbesserung des Zugangs zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Die Kantone werden verpflichtet, sicherzustellen, dass Kinder und Eltern flächendeckend niederschwellige Angebote nutzen können. Die Erfahrung von Pro Juventute zeigt: Gewalt in der Erziehung entsteht häufig in Situationen von erhöhtem Stress, Überforderung oder Unsicherheit. Darum braucht es neben der gesetzlichen Regelung umfassende Sensibilisierung, Elternbildung und nachhaltig finanzierte Unterstützungsangebote. Für Nicole Platel ist klar: «Die Puzzlesteine Recht, Prävention und Unterstützung müssen zusammenspielen, damit Kinder und Jugendliche in der Schweiz in Sicherheit und Geborgenheit aufwachsen können.» 

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