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IV-Reform: Kein zusätzlicher Druck auf junge Menschen mit psychischen Erkrankungen

Zürich, 19. Juni 2025 - In einem gemeinsamen Brief an den Bundesrat fordern Pro Juventute und weitere Organisationen (Procap, Pro Mente Sana, Pro Infirmis, Pro Familia, FSP, Inclusion Handicap): Die Invalidenversicherung (IV) muss junge Menschen mit psychischen Erkrankungen wirksam unterstützen – durch stärkere Prävention, verbesserte Versorgung und nachhaltige Eingliederung. Junge Menschen mit psychischen Erkrankungen brauchen eine Perspektive, keine neuen Hürden.
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Bundeshaus.
@Parlamentsdienste, Bern

Immer mehr junge Erwachsene in der Schweiz beziehen eine IV-Rente aufgrund psychischer Erkrankungen. Diese besorgniserregende Entwicklung ist angesichts der steigenden psychischen Belastung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen leider nicht überraschend. Verschiedene Studien sowie Erfahrungswerte aus der Praxis bestätigen diesen Trend deutlich.

Besorgniserregende Zahlen – und ungenügende Versorgung

Die stark zunehmende Nachfrage nach Unterstützungsangeboten wie dem Beratungsangebot 147 von Pro Juventute macht die Dringlichkeit sichtbar: Allein die Anzahl der Beratungen wegen Suizidgedanken von jungen Menschen hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht auf heute 13 Anfragen pro Tag. Gleichzeitig herrscht in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung ein eklatanter Mangel: Therapieplätze sind rar, die Wartezeiten lang. Viele junge Menschen erhalten nicht die Hilfe, die sie dringend bräuchten – oder zu spät.

In einem Beitrag der SRF-Rundschau vom 21. Mai 2025 wurde ein Vorschlag der IV-Stellen-Konferenz (IVSK) für die nächste IV-Revision publik: Um dem Anstieg der Neurentenquote entgegenzuwirken, soll künftig eine Altersgrenze von 30 Jahren für IV-Renten gelten. Zudem sollen IV-Renten für junge Menschen befristet werden.

Diese Ideen stossen bei Pro Juventute und weiteren Organisationen, die sich für junge Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen einsetzen, auf Kritik. Gemeinsam mit Procap, Pro Mente Sana, Pro Infirmis, Inclusion Handicap, Pro Familia und der Föderation der Schweizer Psycholog:innen FSP haben wir uns mit einem offenen Brief an den Bundesrat gewandt.

IVSK-Vorschläge würden Betroffene zusätzlich unter Druck setzen

Die betroffenen jungen Erwachsenen erleben oft massive Schwierigkeiten beim Übergang ins Berufsleben. Sie sind auf die Unterstützung der IV angewiesen, weil ihnen der Einstieg in die finanzielle Selbstständigkeit nicht aus eigener Kraft gelingt. Neue Restriktionen wie eine Altersgrenze oder befristete Renten würden diese Menschen zusätzlich belasten und könnten schwerwiegende Folgen haben: Statt Stabilität drohen ihnen Perspektivlosigkeit, Verschuldung und der Weg in die Sozialhilfe. Aus sozialpolitischer wie auch ökonomischer Sicht wäre das ein Rückschritt.

Was es wirklich braucht: Prävention, Begleitung, Perspektiven

Nachhaltige Lösungen sehen anders aus. Statt zusätzlichem, fatalem Druck braucht es gezielte Investitionen in die Prävention, in die Früherkennung psychischer Erkrankungen und in den Ausbau der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung. Das Parlament hat mit der Annahme der Motion Clivaz (21.3264) bereits wichtige Zeichen in diese Richtung gesetzt.

Zentral ist auch die Weiterentwicklung und Stärkung der beruflichen Wiedereingliederungen: Viele Massnahmen dauern heute zu kurz oder werden zu früh abgebrochen. Bestehende Instrumente wie die Fallführung während des Rentenbezugs bieten hier ungenutztes Potenzial. Die IV ist nach einem Rentenentscheid oftmals zu statisch. Deshalb braucht es besser gesetzte Anreize, um den Wiedereinstieg zu fördern, die die Sicherheit Betroffener nicht untergraben.

Die IV wird die Herausforderungen im Bereich psychische Gesundheit nicht allein meistern und muss andere Bereiche mit in die Pflicht nehmen. Gemeinsam mit den anderen Organisationen plädiert Pro Juventute für ein System, das junge Menschen durch Präventions- und Beratungsangebote, insbesondere im psychologischen Bereich, früh auffängt, ihnen wenn nötig finanzielle Sicherheit bietet, und ihnen echte Chancen auf einen selbstbestimmten Einstieg in die Berufswelt ermöglicht.

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