Schule & Ausbildung

So beeinflusst das Coronavirus die Lehrstellensuche

Informationen zur Lehrstellensuche in Zeiten des Coronavirus und Tipps für Erziehungsberechtigte, um die Tochter oder den Sohn zu unterstützen. Dranbleiben lohnt sich. Jugendliche erzählen, wie sie erfolgreich eine Lehrstelle gefunden haben.
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Mädchen sucht zusammen mit dem Vater online eine Lehrstelle.

Das Coronavirus hat unseren Alltag auf einen Schlag verändert. Wir alle sind betroffen und gezwungen, uns der momentanen Situation so gut wie möglich anzupassen. Besonders schwierig ist es für Jugendliche, welche sich zurzeit auf Lehrstellensuche befinden. Was ohnehin schon eine grosse Herausforderung darstellt, ist durch die Ausnahmesituation um einiges anspruchsvoller geworden.

Perspektive für Jugendliche trotz erschwerter Bedingungen

Noch immer gibt es in der Schweiz viele Jugendliche, die eine passende Lehrstelle suchen. Besonders schwierig wird es für praktische Berufe. Es braucht den Kontakt zwischen dem Arbeitgeber und den Bewerbenden, um die Teamfähigkeit und die berufspraktischen Fähigkeiten abzuschätzen. Diese Möglichkeit bietet sich momentan selten oder nur unter erschwerten Bedingungen. Trotzdem sollten sich Jugendliche auf keinen Fall entmutigen lassen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Kontaktmöglichkeiten, wie beispielsweise Gespräche über Videoanrufe. Wichtig ist, dass Jugendliche sich nicht alleingelassen fühlen und die elterliche Unterstützung und Zuversicht spüren. Darauf sind sie mehr denn je angewiesen.

Bewerben trotz der aktuellen Situation

Auch die Betriebe leiden unter der momentanen Situation und waren mehrere Wochen gezwungen, ihre «Türen» grösstenteils geschlossen zu halten. Dank den Lockerungen, welche am 27. April eintraten, konnten viele Geschäfte wieder öffnen – dies jedoch nur unter strengen Sicherheitsmassnahmen. Obwohl die Situation für Unternehmen noch immer nicht einfach ist gibt es zahlreiche Unternehmen, die nach geeigneten Lernenden suchen und sich teils auch auf neue Bewerbungsverfahren einlassen. Entscheidend ist, dass Jugendliche dranbleiben, sich nicht entmutigen lassen, sich weiterhin informieren, der neuen Situation anpassen und im Bewerbungsprozess bleiben. 

Schnuppern mal anders

Schnupperlehren ermöglichen einen realistischen Einblick in die Berufswelt. Wegen der Ausnahmesituation bieten nur wenige Betriebe Schnuppertage an und längst nicht alle Berufe sind vertreten. Es ist also ein Alternativprogramm gefragt. Hilfreiche und kreative Tipps wie zum Beispiel Interessenstests, Videos über diverse Berufe oder Fragekataloge helfen Jugendlichen, die Berufe trotzdem kennenzulernen. Mehr Informationen finden Sie hier.

Bewerbung als Visitenkarte

Der digitale Bewerbungsprozess stellt Kinder und Eltern vor neue technische Herausforderungen. Um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden, sind zusätzliche Kompetenzen gefragt. Recherchearbeit, umfassende Vorbereitung auf ein Online-Gespräch oder ein Testlauf gehören unter anderem zu einem Online-Bewerbungsprozess. Hier erfahren Eltern wie sie ihr Kind optimal auf Online-Bewerbungsgespräche vorbereiten können.

Unterstützungsmöglichkeiten 

Bei Fragen zum Bewerbungsprozess, Schnuppern, Unsicherheiten aber auch zu weiteren Themen, bietet die kantonale Berufsberatung Unterstützung. Beratungen sind online, telefonisch und per E-Mail möglich. Weitere Informationen finden sich auf berufsberatung.ch.

Alternativlösungen

Für Jugendliche, die im Sommer keine Lehrstelle antreten können, sind Brückenangebote wie ein Praktikum, ein zehntes Schuljahr oder ein Auslandaufenthalt eine mögliche Alternative. So gewinnen sie Zeit und haben die Möglichkeit, sich nochmals intensiv mit der Berufswahl auseinanderzusetzen. Hier finden Sie weitere Informationen zu Brückenangeboten. 

Zu diesem Thema hat SRF ein Video veröffentlicht.

Hier finden sich ebenfalls Fragen und Antworten rund um das Thema Lehrstellensuche und das Coronavirus.

Vier Erfolgsgeschichten

Zur Inspiration und als Ermutigung schildern hier vier Jugendliche, wie es ihnen gelungen ist eine Lehrstelle zu finden. 

Alessia, 17-jährig – Lehre als Fachfrau Gesundheit EFZ

«Inzwischen befinde ich mich im zweiten Lehrjahr zur Fachfrau Gesundheit EFZ. Da ich ganz genau wusste, was ich wollte, suchte ich auf eigene Faust offene Lehrstellen auf Webseiten von Spitälern, Kliniken und Altersheimen in meiner Umgebung. Normalerweise findet man dort alle erforderlichen Informationen. Falls noch Fragen offen sind, würde ich allen raten, anzurufen. Ich finde das besser als eine E-Mail schreiben. Das Gegenüber nimmt meine Initiative wahr und gewinnt einen ersten Eindruck.»

Omar, 16-jährig – Lehre als Elektriker EFZ

«Mein Traum war es, eine Lehre als Elektriker EFZ zu absolvieren. Bei der Lehrstellensuche habe ich mir bei meinen Verwandten und Bekannten Unterstützung geholt. Ich habe angerufen oder per WhatsApp geschrieben, dass ich auf der Suche nach einer Elektriker-Lehrstelle bin. Da ich weiss, dass in meinem Umfeld viele handwerkliche Berufe ausgeübt werden, schien mir das eine gute Idee. Vitamin B ist bei der Lehrstellensuche ein grosser Vorteil, der unbedingt genutzt werden sollte.»

Leonie, 18-jährig – Lehre als Polytechnikerin EFZ

«Die Lehrstellensuche war für mich nicht einfach und beanspruchte viel Zeit. Lange wusste ich nicht, was ich machen will. Umso schwerer fiel es mir, mich auf einen oder zwei Berufe richtig vorzubereiten und entsprechende Stellen zu suchen. Ich erhielt sehr viele Absagen mit der Begründung, dass es Jugendliche gibt, die noch besser abgeschnitten hätten. Das verunsicherte mich und nahm mir den Mut. Ich bin froh, dass ich mit meinen Eltern offen darüber sprechen konnte und sie mir zuhörten. Da sie aber auch keine Experten in diesem Bereich sind, ging ich nochmals in eine Berufsberatung, was mir weitergeholfen hat. Nun bin ich im dritten Lehrjahr als Polytechniker EFZ und es macht mir sehr viel Spass!»

Devin, 18-jährig – Käufmännische Lehre

«Ich fand die Lehrstellensuche aus verschiedenen Gründen eher mühsam und anstrengend. Zum einen wusste ich einfach noch nicht genau was ich wollte und irgendwann lief mir die Zeit davon. Zum anderen war es schwierig für mich, Beruf und Sport zu vereinen. Ich spiele von klein auf in einem Fussballverein und hatte immer sehr viele Trainings. Also entschied ich mich schlussendlich für das zehnte Schuljahr. Das hat mir sehr geholfen, da ich mich nochmals intensiv mit der Berufswahl auseinandersetzen konnte. Ich wählte schliesslich eine Kaufmännische Lehre, da ich so Beruf und Sport verbinden kann. Jetzt bin ich im zweiten Lehrjahr und bin froh, dass ich mir dazumal noch ein Jahr Zeit gelassen habe.»

Tipps für Eltern

  • In dieser schwierigen Zeit braucht Ihre Tochter oder Ihr Sohn Ihre Unterstützung. Haben Sie Geduld und vermitteln Sie Zuversicht. Auch für Ihre Kinder ist die Situation ganz neu.
  • Besuchen Sie ebenfalls die Webseiten von möglichen Ausbildungsbetrieben und ermutigen Sie Ihr Kind, direkt anzurufen.
  • Vergessen Sie nicht, auch Ihre privaten Kontakte zu nutzen.
  • Machen Sie Gebrauch vom angepassten Angebot der Berufsberatungen und ermuntern Sie Ihre Tochter oder Ihren Sohn sich per Telefon, per E-Mail oder online zu melden.
  • Setzen Sie sich auch mit Brückenangeboten als mögliche Lösungen auseinander.
  • Machen Sie Ihrem Kind Mut, denn zahlreiche Lehrstellen sind noch nicht besetzt. Zudem bieten Firmen alternative Bewerbungsprozesse an. Es lohnt sich also dranzubleiben und nicht zu schnell aufzugeben.