Entwicklung & Gesundheit

Weder «brav» noch «böse», sondern normal!

Wenn Kleinkinder ihre Persönlichkeit entwickeln, probieren sie aus was möglich ist. Dabei stossen sie auch an Grenzen. Im Umgang mit eigensinnigen und eigenwilligen Kleinkindern braucht es Fantasie, Flexibilität, Einfühlungsvermögen und Verständnis.
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Grenzen setzen Kinder

Ihr Kind muss jetzt viel «üben». Hundertmal am Tag hören Sie wohl «Nein» und «Will nicht!». Das macht es nicht, um Sie zu ärgern, sondern weil kleine Menschen auf diese Art ihre Persönlichkeit entwickeln. Wem oder was würde es also nützen, das Kind zu bestrafen, damit es lernt, zu gehorchen? Es nützt auch nichts, Entschuldigungen zu erzwingen, weil es «nicht gehorcht». Es verhält sich so, weil dies zu seiner Entwicklung gehört. Möglichkeiten und Grenzen müssen erprobt werden. So kommt es, dass Ihr Kind bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit «Nein» sagt, dass es weggeht, wenn Sie es rufen, dass es keinen Hunger hat, wenn es essen sollte und so weiter. 

Trotzreaktionen in der Öffentlichkeit

Häufiger kann es nun auch in der Öffentlichkeit, beim Einkaufen und im Tram, Bus oder Zug zu einer Trotzreaktion des Kindes kommen. Vielleicht spüren Sie in solchen Situationen die ungehaltenen Blicke der Mitmenschen auf sich ruhen. Oder Sie hören sogar Leute, die meinen, sie müssten einen Kommentar oder einen Ratschlag abgeben. In dieser ohnehin schwierigen Situation wird man zusätzlich nervös, verliert den nötigen Bezug zum Kind und beginnt (obwohl man vielleicht gar nicht möchte) zu schimpfen, was die Sache meist verschlimmert.

Grenzen setzen

Fantasie, Flexibilität, Einfühlungsvermögen und Verständnis sind im Alltag mit eigensinnigen und eigenwilligen Kleinkindern gefragt. Das soll aber nicht heissen, dass Sie gegenüber Ihrem Kind jederzeit nachgeben sollten: Es will ja seinen Willen ausprobieren und herausfinden, wie weit es gehen kann. Es lernt dabei sich und seine Fähigkeiten kennen. Gleichzeitig prüft es aber auch die Eltern und den Widerstand, den diese ihm entgegensetzen. Grenzen geben Ihrem Kind Sicherheit. Es lernt, sich in die Gemeinschaft einzuordnen. Nehmen Sie also die Herausforderungen Ihres Kindes ernst, lachen Sie es nicht aus und lassen Sie sich nicht provozieren. Setzen Sie Grenzen da, wo sie nötig und vernünftig sind, und liefern Sie sich keine zermürbenden Machtkämpfe.

Wann braucht es Grenzen?

  • In gefährlichen Situationen, wenn das Kind sich oder andere Kinder verletzen könnte.
  • Wenn Sie Dinge schützen wollen, die wertvoll oder für Kinderhände ungeeignet sind.
  • Wenn Sie sich nicht nach dem Kind richten können oder wollen. Das Kind muss Ihre Bedürfnisse und Gewohnheiten respektieren lernen.

Frustration ertragen lernen

Wenn Ihr Kind erlebt, dass seinem Tun und Handeln Grenzen gesetzt werden, kann dies auch zu Frustrationen führen. Wenn Sie aus Angst vor einem Wutanfall lieber keine Grenzen setzen, so wird es wichtige Erfahrungen nicht machen können. Frustrationen gehören zum Leben aller Menschen und damit auch zu dem Ihres Kindes. Als Eltern müssen Sie, die daraus resultierenden Reaktionen mittragen und aushalten. Das ist nicht immer ganz einfach. 

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Kapitel « Ich bin «ICH!» des Elternbriefs 19 Ihr Kind ist zwei Jahre alt. In der Printausgabe dieses Elternbriefes werden unter anderem Inhalte wie «Vom Sprechen und Denken», «Ich bin 'CH!'» sowie «Auch Eltern haben Bedürfnisse» thematisiert.

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