Entwicklung & Gesundheit

Spielen – viel mehr als ein Kinderspiel

Spielen ist ein Grundbedürfnis jedes Kindes. Alle Menschen spielen von Geburt an, unabhängig davon, an welchem Ort auf der Welt sie geboren wurden. Spielen ist etwas Lustbetontes, zugleich aber auch eine intensive und konzentrierte Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt.
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Kinder spielen gerne. Tipps für Spielmöglichkeiten von Pro Juventute.

Spielend lernen Kinder die Welt verstehen. Im Spiel können sie sich auf ihre Art und Weise ausdrücken und zunehmend Zusammenhänge erfahren und begreifen. Spielen bedeutet beobachten, nachahmen, entdecken, ausprobieren, erfahren und lernen. Dazu braucht es gar nicht viel spezielles Spielzeug – die eigenen vier Wände und die Natur bieten ganz viele Anregungen.

Gefährliche Gegenstände vor Kindern fernhalten

Auf Kinderhöhe ist nun nichts mehr vor kleinen Forschern und Forscherinnen sicher. Putzmittel, Messer, Scheren, Plastiksäcke, Schnüre und andere gefährliche Haushaltsgegenstände sollten jetzt ausser Reichweite von Kinderhänden aufbewahrt werden.

Eine Schublade für das Kind

Ein- und ausräumen, spritzen und planschen, knistern und rascheln. Einjährige Kinder räumen hingebungsvoll Schachteln, Dosen, Büchsen, Schubladen oder Kästen aus und ein. Daher ist eine «Extra-Kinderschublade» für die Kleinen wirklich das Grösste! Küchenschublade auf: Kochlöffel, kleine Pfannen, Plastikschüsseln und Topfdeckel raus, und schon kann das lustvolle Lärmen, Spielen und Experimentieren losgehen.

Spielmöglichkeiten gibt es überall

Ein verlockender Spielplatz ist auch das Badezimmer. Mit Wasser kann man ausgelassen spritzen, planschen und das Wasser in Eimern ein-, aus-, hin- und herschütten. Zum Glück ist die Überschwemmung schnell wieder weggeputzt. Spannend ist auch das Wohnzimmer, wo Mama und Papa Zeitung lesen, oft nicht ganz ungestört durch das Kleinkind. Natürlich macht es riesig Spass, die Seiten herumzublättern, zu zerknittern und zu zerreissen! Das knistert und raschelt so schön und gibt einen Berg voll zerknülltem Papier und Schnipseln!

Immer wieder ein- und auspacken

Höchst interessant ist es auch, Päckchen auszupacken – und wieder einzuwickeln. Vielleicht ist Oma enttäuscht, wenn ihr Enkelkind lieber mit dem Geschenkpapier und der Schachtel spielt anstatt mit dem Teddybären. Der herzige Teddy wird zwar später sicher noch entdeckt, doch im Moment ist es viel aufregender, herumliegende Sachen in der soeben geschenkten Schachtel x‑mal ein- und wieder auszuräumen.

Zuschauen, nachahmen, mitmachen

Immer mehr wird Ihre Tochter oder Ihr Sohn daran interessiert sein, das Gleiche zu tun wie Sie. Zum Beispiel die Nase in das grosse, graue, knisternde «Etwas » zu stecken, das Sie gerade in Ruhe lesen wollten. Kinder sehen zu, ahmen nach, probieren aus und begreifen dadurch nach und nach Alltägliches. Überall dort, wo sich Gelegenheiten bieten, sollten Sie Ihr Kind in Ihren Alltag einbeziehen. Freuen Sie sich an seiner Neugier und an seinem Erfindergeist, lassen Sie es an so vielem wie möglich teilhaben. 

Vom Nebeneinander zum Miteinander

Aus dem täglichen Nebeneinander wird sich mit der Zeit ein Miteinander ergeben – im Verbinden von Hausarbeit und Spielen. Wenn Ihr Kind grösser ist, wird es stolz darauf sein, mitzuhelfen. Zum Beispiel als «Möbelabstauber» oder «Löffelabtrocknerin». Viele Tätigkeiten werden dadurch vielleicht etwas mühsamer und zeitaufwendiger, aber für Ihr Kind öffnen sich damit wertvolle Erlebnis- und Erfahrungsräume und für Sie ist es – im Hinblick auf eine wahre Hilfe – eine Investition in die Zukunft.

Spielsachen oder Sachen zum Spielen

Sind Sie auch schon ratlos vor den prall gefüllten Regalen in den Spielwarengeschäften gestanden und haben sich gefragt, ob Ihr Kind das alles wirklich braucht? Seien Sie kritisch und zurückhaltend und kaufen Sie nach dem Motto «Qualität statt Quantität». Spielsachen können Sie auch leihen. Fragen Sie Eltern mit grösseren Kindern oder schauen Sie in einer Börse oder Ludothek (Spielwarenverleih) nach. Liebend gerne spielen Kinder mit Dingen, die auch Sie oft benutzen. Dies können ganz gewöhnliche Alltagsgegenstände sein; zum Beispiel eine Pfanne, ein Schwingbesen, Wäscheklammern oder das Brillenetui.

Wenn Dinge in die Brüche gehen

Beim Spielen geht manchmal auch etwas kaputt. Handelt es sich um einen Gegenstand, der Ihnen sehr lieb ist, ist es nicht immer einfach, ruhig zu bleiben. Ihr Kind hat ihn sicher nicht absichtlich zerstört. In diesem Alter finden es Kinder oft spannend, wenn Dinge in die Brüche gehen. Sie jauchzen, wenn sie den von Ihnen aufgebauten Klötzliturm umwerfen dürfen. Ihr Kind versteht aber nicht, warum Sie sich ärgern, wenn es die Vase kaputtmacht. Schritt für Schritt lernt es, dass es Dinge gibt, die es kaputtmachen darf, und solche, die nicht zerstört werden sollen.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Kapitel «Spielen – viel mehr als ein Kinderspiel» des Elternbriefs 12 Ihr Kind im zwölften Lebensmonat. In der Printausgabe dieses Elternbriefes werden unter anderem Inhalte wie «Spielen – viel mehr als ein Kinderspiel», «Kinder unter sich» sowie «Wenn der Partner, die Partnerin fehlt» thematisiert.

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