Familie & Gesellschaft

Stimmen von Kindern und Jugendlichen zu Coronazeiten

Der Alltag von Kindern und Jugendlichen ist seit dem Corona-Lockdown anders. Elternfragen zur Betreuung und Beschäftigung, zum Zusammenleben als Familie während dieser speziellen Zeit, füllen das Internet. Doch wie geht es den Kindern und Jugendlichen in dieser Situation? Wie gehen sie mit diesem Ausnahmezustand um?
Image
Kinder geben Pro Juventute Auskunft dazu, wie es ihnen geht und was sie beschäftigt in der Corona-Krise.

Auch in dieser Krise hört Pro Juventute Kindern und Jugendlichen zu, nimmt ihre Bedürfnisse ernst und bezieht sie bei Fragen oder Themen ein, die sie beschäftigen. Kinder von vier bis neun Jahren und Jugendliche von zehn bis 15 Jahren schildern, wie sie die aktuelle Situation erleben.  

Im Moment ist vieles anders. Was hat sich für dich am meisten verändert?

Luis ist vier Jahre wohnt im Kanton AG und sagt: «Für mich ist anders, dass wir nicht mehr zu Oma und Opa und zu Grossmami und Grosspapi können». Geronimo, neun Jahre (BE), teilt uns mit: «Es ist wie ... wie soll ich sagen … es kommt mir vor, als wären die Tage viel länger, seitdem wir keine Schule mehr haben. Ich bin viel mehr draussen.» Lola, neun Jahre (ZH), antwortet: «Die meisten Läden sind zu und die meisten Leute halten Abstand». Marla ist elf Jahre wohnt in Bern und sagt: «Ich bin viel allein und vermisse meine Schulfreundinnen». Agatha, zwölf Jahre (SG), stellt fest, dass sie ausschlafen kann, ihre Freunde nicht sehen darf und es ihr langweilig sei.

Wie sieht dein Tag aus? 

Für den sechseinhalbjährigen Solino (BE) sieht der Tag gut aus! «Ich spiele spiele spiele! Am Morgen bin ich noch etwas drin, dann gehe ich raus und spiele mit den Kindern des Quartiers. Mit drei, nein vier Kindern.» Bastian, acht Jahre (BE), arbeitet am Morgen für die Schule: «Ich fülle die Arbeitsblätter aus, lese, spiele Klavier und langweile mich manchmal. Am Nachmittag gehe ich Velo fahren, renne, baue eine Hütte.» Margaux ist viereinhalb und sagt: «Am Morgen ziehe ich mich an, frühstücke, gehe in den Garten oder spiele im Haus. Nachmittags esse ich Zvieri, schaue manchmal einen Film und spiele.» Leyna, zwölf Jahre aus Horw, teilt uns mit: «Ich stehe auf, so dass ich zur gleichen Zeit wie sonst für die Schule online bin. Dann schaue ich, ob ich einen Call habe. Wenn ja, stelle ich den Wecker, damit ich auch bereit bin. Und sonst löse ich die Aufgaben in beliebiger Reihenfolge.» Valentin, 15 Jahre, (SG), sagt: «Ich mache Schulaufgaben bis ich fertig bin, ungefähr bis 16 Uhr. Dann schaue ich YouTube oder game.»

Gibt es etwas, das für dich ganz schwierig ist? Vermisst du etwas? 

Margaux, viereinhalb (VD), sagt: «Ich kann nicht mehr mit meinen Freunden und Nachbarskindern spielen, das ist schwierig. Und ich bin traurig, weil ich meine Grosseltern nicht mehr sehen kann. Wir können uns nicht mehr berühren.» Nerea, sechs Jahre (BE), sagt: «Ich vermisse meine Freudinnen ganz fest. Es ist schwierig für mich ohne sie. Gell, das ist normal?» Auch Geronimo, neun Jahre (BE), vermisst seine Freunde: «Ja, die Freunde aus der Schule, die nicht gleich hier wohnen. Ansonsten nichts. Ah doch, meine Grosseltern. Zu ihnen kann ich nicht. Ich FaceTime manchmal mit ihnen.» Valentin, 15 Jahre (SG), antwortet so: «Ich habe keinen Schulweg mehr und ich kann mich nicht immer motivieren, Sport zu machen». Valerie, 13 Jahre, kommt aus Baden und sagt, dass sie den direkten Kontakt zum Lehrer vermisse, vor allem bei Fragen. Auch fehlt ihr die Struktur durch den Stundenplan, die vorgegebenen Fächer und die Pausenaktivitäten.

«Ich finde es cool, dass man in der Schule seine Hausaufgaben selbst auswählen kann.» 

Lola, 9 Jahr (ZH)

Was findest du im Moment spannend und cool?

Lola, neun Jahre (ZH), sagt: «Ich finde es cool, dass man in der Schule seine Hausaufgaben selbst auswählen kann. Spannend finde ich, dass sich die Leute daranhalten und zu Hause bleiben und die Hände waschen.» Bastian, neun Jahre aus Bern, antwortet zuerst: «Ich weiss nicht» dann kommt er darauf, dass er nun mehr Mountainbike fahren kann. Nerea, sechs Jahre, kommt ebenfalls aus Bern und meint: «Ich kann zu Hause andere Sachen machen, zum Beispiel mehr im Garten spielen».

Bei Marla, elf Jahre (BE), lautet die Antwort: «Man lernt die Leute, die hier wohnen besser kennen. Mir gefällt, dass ich einfach für alles mehr Zeit habe, zum Zeichnen, Basteln und zum Zirkus machen.» Auch Merlin, elf Jahre (ZH), sagt: «Es fühlt sich an, als ob man in den Ferien wäre. Die Strassen sind leer, es sieht so aus, als ob alle verreist wären und man sieht die anderen wenig – wie in den Ferien.» Für Valentin, 15 Jahre (SG), ist es nichts Spezielles.

Gibt es Spiele und Tätigkeiten, die du machst und die mit dem Thema Coronavirus zu tun haben?

Margaux, viereinhalb (VD): «Ich wasch mir die Hände!». Geronimo, neun Jahre (BE), meint: «Dass allerhöchstens sechs Kinder zusammen sind, aber eigentlich dürfen es ja nur fünf sein. Und wenn eben noch jemand dazu kommt, darf er nicht mitspielen. Aber dann kann man dafür bei den anderen mitspielen. Wir spielen viel Pingpong und Rundlauf, da halten auch alle Abstand. Und manchmal sagen wir «Corona Time!».» Merlin, elf Jahre (ZH): «Wir führen in der Schule ein Corona-Tagebuch». Auch Anina, 15 Jahre aus Baden sagt, dass sie ein Corona-Tagebuch habe.

Für die Stiftung Pro Juventute ist wichtig, auch die Meinung der Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen, ihnen Gehör zu verschaffen und sie zu Wort kommen zu lassen – gerade auch in dieser herausfordernden Zeit. 

Beratung für Kinder und Jugendliche, vertraulich, kostenlos und rund um die Uhr: 147.ch