Jugendlohn verhilft zu Autonomie und Selbstverantwortung

20.03.2018 – Studie zum Jugendlohn – Jugendlohn ist ein Erziehungsmodell, bei welchem Eltern ihren Kindern Kompetenzen für die eigene Lebensgestaltung geben und Jugendliche einen Teil ihrer Lebenskosten selbstverantwortlich verwalten. Damit lernen Jugendliche früh die wahren Lebenskosten kennen und mit Geld umzugehen. Die neue Studie des Vereins Jugendlohn zeigt, dass das Modell zu höheren Kompetenzen bei den Jugendlichen im Umgang mit Geld führt, dass es die Eltern entlastet und zu guten Beziehungen zwischen Eltern und Kinder während der Pubertät beiträgt.

Der Jugendlohn ist ein vom Psychologen und Familientherapeuten Urs Abt in den 1970er Jahren entwickeltes Modell. Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach: Die Jugendlichen erhalten früh – empfohlen wird die Einführung mit 12 Jahren – mehr Kompetenzen und Verantwortung für eigene Belange. Dazu gehört, dass ihnen ihre Eltern einen fixen monatlichen Betrag geben, mit dem sie selbständig bestimmte Lebenskosten verwalten. Hierzu können zum Beispiel Kleider, Coiffeur, Velo, Handy, Sport, Taschengeld etc. gehören. Ziel ist es, dass Jugendliche lernen eigenständige Entscheidungen zu treffen, Geld einzuteilen, Konsumwünsche und notwendige Anschaffungen gegeneinander abzuwägen und ein realistisches Preisbewusstsein zu entwickeln.

Jugendlohn führt zu sorgfältigem Umgang mit Geld

Der Verein Jugendlohn hat eine umfangreiche Evaluation zum Jugendlohn in Auftrag gegeben. Die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit hat diese in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Psychologie Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt.
Die Mehrheit der Kinder, die einen Jugendlohn erhalten, war bei der Einführung zwölf oder 13 Jahre alt. Bei fast allen Familien wurde im gemeinsamen Gespräch festgelegt, wie hoch der Jugendlohn ausfallen sollte. Die Höhe des Jugendlohns variiert je nach Familie und nach Umfang der Lebenskosten. Bezahlt ein Jugendlicher nahezu all seine Lebenskosten, ist der Jugendlohn höher als bei Jugendlichen, die nur Kleider und Handy selbst bezahlen. Bei 51 % der Befragten lag der Jugendlohn zwischen 100 und 200 Franken monatlich, jeder fünfte Jugendliche hatte einen monatlichen Jugendlohn zwischen 200 und 300 Franken.

Am häufigsten wird den Jugendlichen die finanzielle Verantwortung für Kleider, Schuhe, Coiffeur, Handykosten und das frei verfügbare Taschengeld übergeben. Bei mehr als der Hälfte sind zudem auch die Kosten für Schulmaterial, Hobbys, elektronische Geräte und Mobilität (Fahrrad, Moped, ÖV) im Jugendlohn enthalten.

Gewisse Ausgaben wollten Eltern bewusst in der eigenen Verantwortung behalten. Unregelmässige und seltene und somit schlecht planbare Ausgaben wurden häufig ausgeschlossen. Auch ist den Eltern wichtig, dass die Kinder nicht am falschen Ort sparen (z.B. Skiausrüstung, Musikunterricht).
Jede zweite Familie verknüpft die Einführung des Jugendlohns mit neuen Abmachungen. Mehrheitlich betreffen diese das familiäre Zusammenleben (Bsp. Das Kind darf selber bestimmen, wann es zu Bett geht). 85% halten die Abmachungen zum Jugendlohn schriftlich fest und fast alle Jugendlichen halten sich daran.

Ein Grossteil der Eltern macht die Erfahrung, dass ihre Kinder dank dem Jugendlohn lernen mit Geld umzugehen, notwendige Anschaffungen und Konsumbedürfnisse gegeneinander abzuwägen und dass sie mehr Autonomie und Selbstverantwortung in Geldfragen erwerben. Zudem werden Jugendliche preisbewusster und gehen sorgfältiger mit dem eigenen Geld um.

Wertvolles Instrument für Familien und für die Schuldenprävention

Der Jugendlohn ist nicht nur ein Mehrwert für den Jugendlichen selber, auch die Eltern und die gesamte Familie profitieren. Der Jugendlohn entlastet die Eltern, da es weniger Konflikte um Geld gibt. Zudem wird der Ablösungsprozess früh, aber sanft und bewusst eingeleitet. Dadurch verbessert sich die Beziehung zwischen Jugendlichen und Eltern.

In der Schuldenprävention hat sich das Modell Jugendlohn etabliert. Geld richtig einteilen, Konsumwünsche abwägen und langfristig planen sind wichtige Fähigkeiten um nicht in die Schuldenspirale zu geraten. Nicht zuletzt fördert der Jugendlohn das Gespräch über Geld in der Familie, ein weiterer wichtiger schuldenpräventiver Aspekt.

Der Verein Jugendlohn sieht sich in der Evaluation sehr in der Arbeit gestärkt. Es werden weiterhin Elternveranstaltungen angeboten und Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Jugendlohn ist ein wirksames Modell, damit Jugendliche den Umgang mit Geld lernen und Familien die Pubertät ihrer Kinder gut meistern.

Methodik der Evaluation

Der Auftrag der Studie war die Nutzung des Website Jugendlohn zu analysieren sowie den Zugang zum Modell und die Qualität der Informationswege zu untersuchen. Weiter interessierte die Umsetzung des Jugendlohns in den Familien, die Beurteilung des Nutzens des Jugendlohns durch die Eltern, die Gründe zum Abbruch des Jugendlohns nach dessen Einführung, sowie Verbesserungspotenziale. Zur Teilnahme eingeladen wurden alle Eltern, die in den Jahren 2014 bis 2016 die Website des Vereins Jugendlohn besucht und dort ihre Email-Adresse für Download und Evaluation angegeben hatten. Die Einladung zur Online-Befragung wurde an 5‘800 Personen versendet. Insgesamt haben 944 Befragte den Fragebogen vollständig und auswertbar ausgefüllt. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 16%.

Link zum Studienbericht: www.jugendlohn.ch/evaluationen.html

Der Verein Jugendlohn

Der Verein Jugendlohn hat zum Ziel, den Jugendlohn weiträumig bekannt zu machen. Dazu werden Elternveranstaltungen angeboten, Referierende ausgebildet und Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Im Verein sind Pro Juventute Schweiz, die Schuldenprävention der Stadt Zürich, Plusminus Budget- und Schuldenberatung Basel, die Müller-Möhl Foundation und Elternbildung CH vertreten. Jugendlohn ist eine in der Schweiz, in Deutschland und Österreich geschützte Marke.

Wir machen uns stark für Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern in der Schweiz

Pro Juventute unterstützt Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern auf dem Weg zu selbst- und sozialverantwortlichen Persönlichkeiten. Mit vielfältigen Angeboten hilft die Stiftung direkt und wirkungsvoll. Sie bietet spannende und gut frequentierte Programme und Dienstleistungen, wie die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 oder die Pro Juventute Elternberatung an. Davon profitieren jährlich rund 265'000 Kinder und Jugendliche und 100‘000 Eltern in der Schweiz.