Nicht einig bei Erziehungsfragen

«Mein Partner und ich sind uns in der Erziehung unseres Kindes oft uneinig. So kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten, ob die gewählte Massnahme angebracht ist. Wie finden wir heraus welcher Ansatz für unseren anderthalbjährigen Sohn richtig ist? Es ist uns wichtig, einen gemeinsamen Weg zu gehen.»  

S.R., 29, Lausanne

Antwort von der Pro Juventute Elternberatung

Zum Anfang ein kleiner Trost: Vielen Eltern geht es so. Das löst zwar Ihr Problem noch nicht, entlastet aber vielleicht ein bisschen. Es ist normal, dass sich Elternpaare in Erziehungsfragen teilweise uneinig sind. Natürlich ist es aufreibend, wenn die Ansichten bei alltäglichen Themen wie Schlafenszeiten, Tischmanieren, Regeln einhalten und Grenzen setzen, auseinandergehen. Doch für Ihr Kind ist das nicht weiter schlimm. So lernt es von klein auf, dass es Unterschiede zwischen Erwachsenen gibt.

Hilfreich ist, wenn Ihre Wertvorstellungen übereinstimmen und Sie im Grossen und Ganzen auf die gleichen Dinge achten.

Damit Sie Ihren Sohn nicht unnötig verunsichern, ist es gut, wenn Sie sich in grundlegenden Dingen einig sind. Hilfreich ist, wenn Ihre Wertvorstellungen übereinstimmen und Sie im Grossen und Ganzen auf die gleichen Dinge achten. Dann spielt es keine grosse Rolle, wenn Sie beim Aufräumen, beim Essen oder punkto ins Bett gehen manchmal etwas nachsichtiger oder vielleicht auch strenger sind. Tauschen Sie sich immer wieder über Erziehungsfragen und Erziehungsansätze aus.

Tragen Sie Ihre Differenzen jedoch nicht vor Ihrem Kind aus. Üben Sie sich für den Moment in Nachsicht und lassen Sie Ihren Partner oder Ihre Partnerin gewähren. Funken Sie einander nicht in bereits getroffene Massnahmen hinein. Meist sind nicht die unterschiedlichen Erziehungsstile schwierig für das Kind, sondern die Konflikte, die deswegen entstehen. Warten Sie also lieber, bis das Kind schläft und Sie sich ungestört und falls nötig auch engagiert unterhalten können.

Teilen Sie einander mit, was Sie stört, warum Ihnen zum Beispiel wichtig ist, dass Sie beim Zubettgehen die gleichen Regeln beachten, wann es erst Absprachen braucht oder wo Übereinstimmungen weniger wichtig sind. Hören Sie einander zu und seien Sie gegenseitig tolerant. Wichtig ist, dass Sie immer wieder versuchen, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Durch gegenseitigen Respekt und die nötige Offenheit gelingt es Ihnen eher, einen Erziehungsstil festzulegen, der für beide Elternteile passt.  

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