Schulanfang

Schulbeginn: Hineinspaziert ins Haus des Lernens

Der Schulbeginn ist ein grosser Schritt und die ganze Familie fiebert mit. Alle hoffen, dass das Kind leicht lernt und die Freude an der Schule anhält. Wichtig ist auch, dass sich Kinder gut in die Klassengemeinschaft einfügen und Freunde finden.
Image
Vater und Sohn gehen gemeinsam zur Schule. Tipps, wie Sie Ihr Kind beim Neubeginn begleiten können.

«Nur noch drei Mal schlafen bis ich zur Schule gehe», erzählt Tim seiner Grossmama voller Stolz. Auch Sophia und Emilie können den Schulbeginn kaum erwarten. Die beiden Mädchen haben miteinander den Kindergarten besucht und sind Freundinnen. David ist von Natur aus schüchtern, und neue Situationen bereiten ihm Mühe. 

Neuanfänge gehören dazu 

Jeder Wechsel verändert Gewohnheiten. Es gilt Vertrautes loszulassen und sich auf Neues einzustellen. Manchmal kann Spannung abgebaut werden, wenn Eltern erzählen, wie es ihnen damals ergangen ist. Kinder sind fasziniert, wenn die Mutter, der Vater oder die Grosseltern sich erinnern, wie sie den Kindergartenbeginn und den ersten Schultag erlebt haben. Solche Gespräche helfen Müttern und Vätern, die Unruhe des Sohnes, der Tochter besser zu verstehen und sich gemeinsam auf den grossen Moment zu freuen. 

Erwartungsvoll und unsicher zugleich

Wenn die Lehrerin am ersten Schultag die Schulhaustüre öffnet, um ihre neue Klasse zu empfangen, blickt sie in lauter erwartungsvolle Gesichter. Unterschiedliche Stimmungen, aber auch Unsicherheit spiegeln sich darin. Zusammen mit ihren Eltern warten die Erstklässlerinnen und Erstklässler auf dem Pausenplatz bis sie endlich das Schulhaus betreten und den ersten Schritt in die Schulwelt wagen dürfen. Unbekümmert plappern die einen, zappelig hüpfen die anderen und still und in sich gekehrt umklammern einige die Hand der Mutter oder des Vaters. Auch den Eltern ist eine gewisse Anspannung anzusehen. 

Der erste Schultag 

Der erste Schultag ist für die ganze Familie bedeutungsvoll. Nach dem geschützten Rahmen des Kindergartens fühlen sich die Erstklässler im grossen Schulhaus oft etwas verloren. Umso besser, wenn sie von den Lehrerinnen und Lehrern behutsam in diese neue Welt eingeführt werden. Bis anhin durften Eltern die Kinder am ersten Schultag ins Klassenzimmer begleiten. Auf Bildern und Filmchen wurde dieser grosse Tag festgehalten und die Aufregung und Freude mit den Kindern geteilt. Weil das Coronavirus unseren Alltag beherrschte, war Eltern, Grosseltern oder Gotte und Götti im letzten Jahr der Eintritt ins Schulhaus verwehrt. Hoffentlich verläuft der diesjährige Schulstart wieder wie vor der Pandemie.

Neulinge in der Schule 

Bis der Schulalltag sich einpendelt und sich ein Gemeinschaftsgefühl bildet, braucht es Zeit, Geduld und Verständnis. Erst müssen sich die Kinder an den Tagesablauf gewöhnen, in einer neu zusammengewürfelten Klasse zurechtfinden und einen Platz in der Gruppe erobern. Doch der Schulalltag spielt sich nicht nur im Klassenzimmer ab, auch der Pausenplatz bedeutet Neuland. Im Kindergarten gehörten die Kinder zu den Grossen und in der Schule sind sie in der «Hackordnung» wieder ganz nach unten gerutscht. 

Übungsfeld Pause

Nach dem geschützten Rahmen des Kindergartens brauchen die Erstklässlerinnen und Erstklässler Zeit, um sich an die neue Pausenform zu gewöhnen. Manchmal werden ältere Schulkinder als Gotte oder Götti eingespannt und nehmen die Kleinen unter ihre Fittiche. Mit Hilfe dieser Freundschaften werden die jüngeren Kinder behutsam in die Pausenplatzkultur eingeführt. 

Schwierige Momente und Enttäuschungen

Auch wenn Lehrpersonen dieses Miteinander begleiten, konfliktfrei gestaltet sich der Schulalltag kaum. Früher oder später gibt es Momente, die schwierig sind und jedes Kind wird Enttäuschungen verkraften müssen. Auseinandersetzungen in der Klasse oder mit Freundinnen und Freunden gehören dazu. Nicht nur die Kinder auch Kinderfreundschaften verändern sich im Laufe des Aufwachsens. 

Zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen

Für das Wohlbefinden und den Lernerfolg des einzelnen Kindes spielen das Klassenklima und der Zusammenhalt in der Klasse eine wesentliche Rolle. Obwohl Freundschaften wichtig sind, lassen sie sich nicht erzwingen. Wie bei den Erwachsenen spielen Sympathie und Antipathie mit. In der Schule lernen die Kinder, gewisse Regeln einzuhalten und einander mit Respekt zu begegnen. Schliesslich kann man auch miteinander klarkommen, ohne enger befreundet zu sein. 

Unverbindlicher Umgang 

Kinderfreundschaften sind oft unverbindlich und dienen einem bestimmten Zweck: Man wohnt in der Nähe, verfolgt die gleichen Interessen, ergänzt sich gut und profitiert voneinander. Bei jüngeren Kindern sind Freundschaften spontan, kurzfristig und dauern vielleicht bloss eine Spielsequenz: «Ich bin deine Freundin und darum darf ich mitspielen.» Manchmal machen sich Eltern Sorge, weil sie über die Wahl der Freunde nicht unbedingt glücklich sind. 

Gegensätze ziehen sich an

Warum hat der scheue Benjamin ausgerechnet den Klassenclown zum Freund auserkoren, fragt sich seine Mutter mit einem Kopfschütteln. Doch Gegensätze ziehen sich an und so sucht das Kind vielleicht genau einen Gegenpol zu sich selbst. Obwohl Anna ihre Freundin Lisa pausenlos herumkommandiert, lässt sich Lisa das, zur Verwunderung ihrer Eltern, gefallen. Im Umgang mit Freundschaften unter Kindern empfiehlt sich Gelassenheit. Kinder merken, dass Freundschaften sie stärken und suchen sich Verbündete, mit denen sie spielen, lachen, Unsinn machen und Geheimnisse austauschen können.
 

Tipps für Eltern

  • Bereiten Sie Ihr Kind auf den ersten Schultag vor und freuen Sie sich gemeinsam auf diesen Schritt. 
  • Helfen Sie Ihrem Kind diesen Neubeginn zu meistern, denn der Schulanfang bringt viele Veränderungen. Es gilt Neues zu lernen und neue Freunde zu finden.
  • Haben Sie Geduld und zeigen Sie Verständnis, damit sich Ihr Kind an die neue Situation gewöhnen kann. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genügend Erholungszeiten hat.  
  • Seien Sie auch gewappnet, dass Sie Enttäuschungen auffangen und Ihr Kind auch mal durch schwierige Phasen begleiten müssen. 
  • Bei jungen Kindern sind Freundschaften oft bloss zweckgebunden und dauern nur kurz. Erst mit der Zeit bildet sich zwischen Freundinnen und Freunden auch eine emotionale Verbundenheit.  
  • Wichtig ist, dass Ihr Kind seine Freunde selber aussuchen darf und Sie sich möglichst wenig in Freundschaften einmischen.
  • Kinder, die gelernt haben, offen auf andere zuzugehen, knüpfen leichter Kontakt mit Gleichaltrigen. 

Eine erste Fassung dieses Textes ist im ElternMagazin Fritz+Fränzi erschienen.