Schulanfang

Kindergarten ist ganz schön anstrengend

Der Eintritt in den Kindergarten wird meistens mit grosser Spannung erwartet. Dass der Kindergartenalltag Kindern sehr viel abverlangt, wird leicht unterschätzt. Verständnis und Geduld helfen, diese Eingewöhnungsphase gut zu überstehen.
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Kinder spielen zusammen im Kindergarten. Tipps, welche den Eintritt in den Kindergarten erleichtern.

Es ist ein grosser Schritt, zum ersten Mal in den Kindergarten zu gehen. Auf diesen Neubeginn reagieren Kinder, aber auch Eltern sehr unterschiedlich: Übermütig, still staunend oder neugierig sind die einen und traurig über die Trennung von der Familie die andern. Allen gemeinsam ist, dass sie gespannt auf die Kindergärtnerin warten. 

Ein anspruchsvoller Neubeginn

In dieser wichtigen Anfangsphase braucht das Kind die Unterstützung der Eltern ganz besonders, denn im Kindergarten wartet viel Neues: 

Es muss ... 

  • jeden Tag für längere Zeit alleine an einen neuen Ort gehen.
  • eine neue Bezugsperson akzeptieren und sie mit vielen anderen teilen.
  • Beziehungen zu fremden Kindern aufbauen. 
  • sich in einer grossen Gruppe zurechtfinden.
  • mitmachen, auch wenn es ihm nicht danach zumute ist.
  • mit Auseinandersetzungen umgehen können.
  • lernen, dass alle Spielsachen allen gehören.
  • üben, auf andere Wünsche einzugehen und eigene Bedürfnisse zurückzustellen.
  • lernen, weiterzumachen, statt aufzugeben, wenn etwas nicht so geht wie bei anderen Kindern. 
  • neue Regeln annehmen, auch wenn sie nicht den eigenen Wünschen entsprechen.
  • erkennen, dass andere Kinder anders reagieren.
  • Sehnsucht nach Mama oder Papa ertragen und vielleicht auch mit Eifersucht auf ein kleineres Geschwister, das zu Hause bleiben darf. 

Der neue Alltag braucht Energie

Alle ungewohnten Eindrücke zu verarbeiten und sich an neue Regeln zu halten, ist für das Kind sehr anstrengend. Manchmal ist es deshalb gereizt, manchmal einfach nur «nudelfertig», wenn es nach Hause kommt. Das ist normal. Oft sind Kindergartenkinder zu Hause plötzlich lauter, frecher oder unruhiger als früher. Sich im Kindergarten anzupassen und korrekt zu verhalten braucht Energie. Irgendwann muss die Spannung raus und das ist oft im geschützten familiären Rahmen. 

Rückschritte, um vorwärts zu gehen

Nicht selten macht das Kind zu Beginn des Kindergartens «Rückschritte»: Plötzlich kann es die Schuhe nicht mehr alleine anziehen, macht zeitweilig wieder ins Bett oder stottert. Meistens sind das Anzeichen für ein «Anlaufholen», um einen nächsten grösseren Entwicklungsschritt zu machen, zum Beispiel den Kindergarteneintritt. 

Unterschiedliche Reaktionen

Kinder gehen unterschiedlich mit den Anforderungen des Kindergartens um. Die einen brauchen zu Hause mehr Ruhe, andere benötigen viel Platz, um sich auszutoben. Auf diese Bedürfnisse sollte Rücksicht genommen und die Freizeitaktivitäten dem Befinden des Kindes angepasst werden. 

Zeit lassen

Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Für Eltern bedeutet das, sich nicht gleich verunsichern zu lassen, wenn andere Kinder schneller selbstständig oder wagemutiger sind als der Sohn oder die Tochter. Manche Kinder brauchen länger, um sich an den Kindergartenalltag zu gewöhnen. Das ist nicht ungewöhnlich. Möchte das Kind auch nach einer ausgedehnten Eingewöhnungsphase nicht alleine im Kindergarten bleiben oder verändert sich sein Verhalten sehr (Verschlossenheit, Wieder-einnässen, Aggressivität), ist ein Gespräch mit der Kindergärtnerin angezeigt. Gemeinsam kann besser nach dem Grund gesucht und eine individuelle Lösung gefunden werden.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Kapitel «Kindergarten – eine neue Welt» des Elternbriefs 28 Kindergarten. In der Printausgabe dieses Elternbriefes werden unter anderem Inhalte thematisiert wie «Unterwegs zum Kindergarten», «Von Zeitbegriffen und Tagesrhythmen» sowie «Die Kindergärtnerin hat gesagt ...».