Medien & Internet

Medien konsumieren darf nicht krank machen

Medienkonsum wirkt sich auf verschiedene Lebensbereiche aus und beeinflusst auch die Gesundheit. Zudem gibt es Anhaltspunkte, die darauf hinweisen, wie intensiver Medienkonsum und körperliche und psychische Gesundheit zusammenhängen und die Schlafqualität beeinträchtigen.
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Müdes Mädchen sitzt in der Schule vor Computer.

Eigentlich ist es naheliegend und inzwischen auch durch Studien erhärtet, dass eine intensive Mediennutzung körperliche Beschwerden auslösen kann. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die über Rücken-, Kopf- oder Nackenschmerzen klagen, ist relativ hoch. Dass zu viel Zeit vor Fernseher, Tablet und Co zu Bewegungsmangel führt, leuchtet ein.  

Lösen Bildschirmmedien Nackenschmerzen aus? 

Oftmals ist die Mediennutzung mit einer ungünstigen Körperhaltung oder eingeschränkten Bewegungsabläufen verbunden. Jugendliche, die über Nackenprobleme klagen, beugen ihren Kopf vielfach sehr stark, wenn sie das Smartphone bedienen. Oder sie nehmen eine schlechte Haltung ein, wenn sie vor dem Laptop oder dem Fernseher sitzen. Weil Kinder sich noch im Wachstum befinden, ist es wichtig, auf eine gute Körperhaltung zu achten.  

Macht Medienkonsum dick?

Ob ein Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Übergewicht besteht, ist immer wieder Gegenstand von Untersuchungen. Unbestritten ist, dass verschiedene Faktoren mitspielen, die eine Gewichtszunahme begünstigen. Wer ständig vor dem Bildschirm sitzt, hat keine Zeit mehr, sich zu bewegen oder sportlich zu betätigen. Dass ein intensiver Medienkonsum zu Bewegungsmangel führt und dadurch Gewichtsprobleme fördert, ist erwiesen. Eltern sollten im Alltag also auf einen ausgewogenen Mix zwischen Medienkonsum und Bewegung achten. Und natürlich ist es ebenfalls wichtig, ein gesundes Essverhalten zu fördern.  

Rauben Medien den Schlaf?

Bis jetzt ist nicht eindeutig bewiesen, dass Schlafstörungen mit der Dauer der Mediennutzung zusammenhängen. In einigen Studien zeigt sich allerdings, dass das Risiko für Schlafstörungen erhöht ist, wenn Bildschirmmedien direkt vor dem Schlafengehen konsumiert werden. Der hohe Anteil an blauen Lichtwellen beeinflusst den Tag-Nacht-Rhythmus und verzögert so das Einschlafen. Obwohl es möglich ist, den blauen Lichtanteil auf dem Display zu reduzieren, sollten digitale Medien abends ausgeschaltet werden, zum Beispiel eine Stunde vor dem zu Bett gehen.

Auch empfiehlt es sich als Eltern darauf zu achten, dass der Sohn oder die Tochter nicht durch eingehende Nachrichten oder Anrufe am Ein- oder Durchschlafen gehindert wird. Zu wenig Schlaf oder eine schlechte Schlafqualität wirken sich negativ auf das allgemeine Wohlbefinden aus. So wird die Konzentrationsfähigkeit in der Schule oder der Ausbildung beeinträchtigt.  

Einige Zahlen aus der JAMESfocus 2020 Studie

89 Prozent der Schweizer Jugendlichen zwischen 12 bis 19 Jahren schätzen ihren allgemeinen Gesundheitsstand als gut oder ausgezeichnet ein. Trotzdem geben 53 Prozent der Befragten an, täglich oder mehrmals wöchentlich unter Müdigkeit zu leiden. Der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die regelmässig an körperlichen Beschwerden leiden, ist hoch. Rückenschmerzen (17 %), Kopfschmerzen (16 %) und Nackenschmerzen (13 %) haben einen direkten Bezug zur Dauer der Mediennutzung. 

Macht Medienkonsum unglücklich?

Sich das Leben der anderen auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube anzuschauen ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Man schaut zu, wie andere sich präsentieren und rückt sich auch selber ins beste Licht. Durch verbreitete Schönheitsideale oder typisierte Geschlechterrollen werden viele Kinder und Jugendliche beeinflusst. Unter Umständen verunsichern diese perfekten Welten, die auf sozialen Plattformen zu finden sind. Das Gefühl, diesen Ansprüchen ebenfalls entsprechen zu müssen, löst Druck aus und macht unglücklich.  

Was bewirken vermeintliche Idealbilder?

Idealisierte Körperbilder können sich auf Jugendliche, die ohnehin unzufrieden mit dem eigenen Aussehen sind, negativ auswirken und beispielsweise zu Essstörungen führen. Laut der JAMESfocus Studie reagieren Mädchen häufiger mit psychischen Beschwerden als Jungs. Jugendliche, die mit digitalen Medien bereits problematische Erfahrungen gemacht haben, beispielsweise mit Cybermobbing, berichten häufiger von psychischen Symptomen. Sie hegen starke Selbstzweifel, stellen sich selbst in Frage und haben ständig das Gefühl, nicht zu genügen.

Ausgleich in der Freizeit

Viel Zeit mit der Familie zu verbringen ist ein guter Ausgleich. Gemeinsam etwas zu unternehmen, lenkt ab, verbessert das Wohlbefinden und fördert den Zusammenhalt. Kinder und Jugendliche, die sich gleichermassen in der Offline- und Online-Welt bewegen, berichten weniger von psychischen und körperlichen Beschwerden.  

Tipps für Eltern

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind kurz vor dem zu Bett gehen keine Bildschirmmedien nutzt. Über Nacht sollten Smartphones und Tablets ausserhalb des Schlafzimmers aufbewahrt werden.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind abends, rechtzeitig ins Bett zu gehen, damit es zu genügend Schlaf kommt.
  • Legen Sie gemeinsam medienfreie Zeiten fest, die für die ganze Familie gelten. 
  • Suchen Sie für die Freizeit Alternativprogramme, damit der Medienkonsum nicht zu viel Raum einnimmt. Sorgen Sie für Bewegungspausen, wenn Ihre Tochter oder Ihr Sohn längere Zeit vor dem Bildschirm sitzt. 
  • Seien Sie sich stets bewusst, wie wichtig Ihre Vorbildrolle als Eltern ist. 
  • Zeigen Sie Interesse an der realen und medialen Erlebniswelt Ihres Kindes. 
  • Regen Sie durch Fragen und in Diskussionen zum Denken an und fördern Sie eine kritische Haltung, damit Ihr Kind lernt Medieninhalte zu hinterfragen.