Medien & Internet

Machen Games gewalttätig?

Für viele Kinder und Jugendliche gehören Games zum Alltag. Entsprechend gross ist die Wahrscheinlichkeit, mit Gewaltdarstellung in Berührung zu kommen. Wie sich Games auf die Gewaltbereitschaft auswirken, ist eine komplexe Frage und die Suche nach einer eindeutigen Antwort nicht einfach.
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Jugendlicher am Gamen. Machen Games gewalttätig?

Ausgeprägte Darstellungen von Gewalt und Brutalität haben einen Einfluss auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Nichts bleibt ohne Wirkung, das ist auch bei digitalen Spielen nicht anders. Games mit Inhalten wie Action, Kampfsport, Kriegsstrategien oder Militärsimulation besitzen ein hohes Gewaltpotenzial und können Kinder, je nach Entwicklungsstand, Alter und Verfassung, überfordern. Darstellungen von Gewalt oder fiktive Gewalthandlungen wirken verstörend, lösen Angst aus oder verstärken womöglich ein bedrohliches Weltbild. Vor allem bei jüngeren Kindern können die Reaktionen sehr stark ausfallen. 

Wird eine Person gewalttätig, spielen meistens verschiedene Faktoren wie etwa Fremdenfeindlichkeit, selbst erlebte Gewalt in der Familie oder eine instabile psychische Verfassung mit.

Die Frage, ob Games Kinder und Jugendliche zu Gewalttaten inspirieren, kann nicht mit einem klaren Ja oder Nein beantwortet werden. Es gibt Faktoren, die auf das Verhalten einwirken und nicht unterschätzt werden sollten. Hilfreich ist zu wissen, wie Games aufgebaut sind und was es dabei zu beachten gilt: 

Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion

Wie hoch die Intensität einer Gewaltdarstellung ist, hängt stark von der Darstellungsform ab. Das Spektrum reicht vom lustigen Comic-Stil bis zu realitätsnahen blutigen Szenarien. Auch wenn gewalthaltige Szenen in Games bloss gezeichnet sind, besteht doch stets ein Bezug zur Wirklichkeit. Umso wichtiger also, dass Eltern sich über den Inhalt eines Games informieren und Altersangaben beachten. Jugendliche können in der Regel beim Spielen gut zwischen Fiktion und Realität unterscheiden und doch passiert es leicht, dass sich diese beiden Welten vermischen. Im Gegensatz zu jüngeren Kindern, denen es grundsätzlich schwerfällt, diese Grenze zu ziehen. 

Faktoren, die Frust auslösen

In actiongeladenen Spielen sind Spielerinnen und Spieler oft äusserst angespannt. Alles muss schnell gehen, die Gefahr lauert hinter jeder Ecke. Auf die Zeit nach dem Spielen kann sich diese Anspannung negativ auswirken. Weil der Gemütszustand erregt ist, kann dies vorübergehend zu einer Steigerung von aggressiven Gedanken, Gefühlen oder einem auffälligen Verhalten führen. Faktoren, wie der Schwierigkeitsgrad oder das Spielen unter Wettbewerbsbedingungen tragen ebenfalls dazu bei, die Aggressivität und den Frust der Spielenden zu erhöhen oder auszulösen. Das geschieht unabhängig vom Gewaltgehalt der Spiele. Auch der Fussballsimulator FIFA löst Aggressionen aus, wenn man permanent verliert. 

Durch Gewalt zum Sieg

Egoshooter-Spiele wie Call of Duty, Counter Strike oder Overwatch werden oft auch als «Killerspiele» oder «Ballergames» bezeichnet. Angesiedelt in einer fiktiven Spielwelt, ist das realistisch simulierte Töten von Lebewesen dennoch ein zentraler Bestandteil der Spielhandlung. Meist hängt bei solchen Games der Erfolg des Spielenden im Wesentlichen davon ab. Diese Kombination führt dazu, dass Gewalt als legitimes Mittel oder angemessene Lösung angesehen wird, um einen Konflikt zu lösen. Nach diesem Muster funktioniert auch das beliebte Game «Fortnite». Obwohl das Spiel erst ab zwölf Jahren freigegeben wäre, wird es oft bereits von jüngeren Kindern gespielt  

Die Wirkung von Gewaltdarstellungen

Bei der Frage, ob und inwiefern Gewalt in Medien für Kinder und Jugendliche schädlich ist oder aggressiv macht, kommen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine klare und eindeutige Aussage. Einig ist sich die Wissenschaft darin, dass der Konsum gewalthaltiger Inhalte nicht automatisch zu Gewalthandlungen führt. Wird eine Person gewalttätig, spielen meistens verschiedene Faktoren mit. Mögliche Auslöser sind etwa Fremdenfeindlichkeit, selbst erlebte Gewalt in der Familie oder im Umfeld, eine instabile psychische Verfassung oder eine psychische Erkrankung. Bereits vorbelastete Kinder und Jugendliche sind also besonders gefährdet. Nicht ausgeschlossen wird, dass der Konsum von gewalthaltigen Medieninhalten ein begünstigender Faktor ist. Games sind also eines von verschiedenen Puzzleteilen, welche die Gewaltbereitschaft erhöhen. 

Tipps für Eltern

  • Informieren Sie sich über die Games, welche Ihr Kind spielt. Vergewissern Sie sich, dass die Inhalte dem Alter und der Entwicklung Ihres Kindes entsprechen. Orientieren Sie sich auch an den Alterseinstufungen von PEGI.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Risiken von Games und ungeeignete Inhalte wie Gewalt. Äussern Sie Ihre Bedenken und vertreten Sie eine klare Haltung. Zeigen Sie Ihrem Sohn, Ihrer Tochter weshalb Sie gewisse Inhalte nicht dulden und was Sie nicht akzeptieren.
  • Schützen Sie jüngere Kinder besonders gut vor Gewaltdarstellungen in Medien. Lassen Sie ein Primarschulkind nicht unbeaufsichtigt gamen.
  • Mit älteren Kindern und Jugendlichen können Sie Gewaltdarstellung kritisch anschauen und hinterfragen. 
  • Versuchen Sie zu differenzieren und werfen Sie nicht alle Games in einen Topf. Vermeiden Sie Begriffe wie «Killerspiele» oder «Ballerspiele», weil dadurch mögliche Fronten zwischen Ihnen und dem Jugendlichen entstehen.
  • Beispiele für Games ohne Gewalt gibt es unzählige. Ein grundsätzlich geringes Gewaltpotenzial enthalten Jump’n’Run, Sportspiele, Simulationen, Wirtschaftsspiele, Adventure, Denkspiele und gewisse Strategiespiele. Am besten suchen Sie mit dem Suchbegriff «Games ohne Gewalt» und lassen sich von einer Top-10-Liste inspirieren.  

Dieser Text gehört zur Themenreihe «Welt der Games». In diversen Beiträgen werden verschiedene Aspekte wie Chancen, Risiken und Faszination rund um digitale Spiele beleuchtet. Allgemeine Tipps und Empfehlungen im Umgang mit digitalen Spielen werden im Beitrag «Hilfreiche Tipps zum Thema Gamen für Eltern» vermittelt.

Gewalt und Jugendschutz

Die Wirkung von Gewaltdarstellungen in Comics, am Fernseher oder bei Games ist unterschiedlich. Um zu beurteilen, ob Inhalte die Jugend gefährden, wird angeschaut, wie Gewalt in Medien dargestellt ist. Je realistischer die Darstellung, umso höher steigt die Alterslimite zur Freigabe von Games und Filmen. Bei Games gelten die Richtlinien von PEGI (Pan European Game Information). Weitere Informationen finden Sie auch im Artikel Jugendschutz-Richtlinien für Games.

Anhand verschiedener Kriterien wird die Darstellung von Gewalt in einer Nummernskala beurteilt:

  • PEGI-7: Sehr milde Formen von Gewalt. Vergleichbar mit Kindercomics wie Tom & Jerry, die eher lustig als bedrohlich wirken.
  • PEGI-12: Gewalt wird im Comicstil gezeigt und spielt sich in einer Fantasie-Umgebung ab. Es kann zu Gewalt gegen Fantasiewesen kommen. 
  • PEGI-16: Diese Gewalt wirkt sehr glaubwürdig und wirklichkeitsnah. Die grafische Darstellung ist teilweise sehr realitätsnah und erinnert an Filmszenen.
  • PEGI-18: Die Gewalt spielt sich auf einer Ebene ab, die als Darstellung von grober Gewalt, scheinbar unmotiviertem Töten oder Gewalt gegen wehrlose Charaktere empfunden wird.

Die Themenreihe «Welt der Games» entstand in enger Zusammenarbeit mit Simon Staudenmann und Renato Hüppi von Gameinfo.