Schule & Ausbildung

So gelingt die Bewerbung auf die Lehrstelle

Das Bewerbungsdossier entscheidet über Weiterkommen oder Absage für eine Lehrstelle. Wie gelingt es, mit der Bewerbung einen positiven Eindruck zu hinterlassen und das Interesse für ein näheres Kennenlernen zu wecken?
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Ein Teenager stellt die Bewerbungsunterlagen zusammen. Diese geben dem Lehrbetrieb einen ersten Eindruck.

Die Bewerbung ist oft das Erste, das der Lehrbetrieb von einer Person zu sehen bekommt. Sie ist wie eine Visitenkarte: Die Unterlagen entscheiden, ob jemand in die engere Auswahl kommt und zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Es lohnt sich deshalb, genügend Zeit aufzuwenden, um ein Bewerbungsdossier zu erstellen. Entscheidend ist, dass eine Bewerbung positiv auffällt und man sich von anderen Bewerbenden abhebt.

Das Bewerbungsdossier

Zu einer Bewerbung für eine Lehrstelle gehören folgende Dokumente:  

  1. Bewerbungsschreiben
  2. Lebenslauf (CV)
  3. Schulzeugnisse
  4. Berichte der Schnupperlehren
  5. Zeugnisse von Arbeitseinsätzen

Jugendliche können für die Erstellung ihrer Lehrstellenbewerbung Vorlagen nutzen. Solche Vorlagen gibt es beispielsweise bei Yousty oder der Berufsberatung. Auf lehrstell.ch können CVs und Motivationsschreiben erstellt werden, die automatisch korrekt formatiert werden. 

Was gehört ins Bewerbungsschreiben?

Im Bewerbungsschreiben können Jugendliche zeigen, warum sie sich gerade für diesen Lehrbetrieb und diesen Beruf interessieren. Ein gutes Bewerbungsschreiben nimmt direkt Bezug auf die ausgeschriebene Lehrstelle, nennt konkrete Gründe für das Unternehmen und beschreibt die Motivation für den gewählten Beruf. Relevante Stärken, Interessen, Fähigkeiten und bereits gesammelte Erfahrungen sollten ebenfalls kurz und prägnant erwähnt werden. Wichtig: Das Bewerbungsschreiben sollte immer individuell auf jeden Betrieb abgestimmt werden. So wird ersichtlich, dass das Interesse echt ist und Jugendliche motiviert sind, dort die Lehre zu beginnen.

Es kann für Jugendliche verlockend sein, ihr Bewerbungsschreiben von künstlicher Intelligenz schreiben zu lassen. KI-Tools können durchaus unterstützend eingesetzt werden, etwa zur Verbesserung eines bereits geschriebenen Entwurfs oder bei einer Schreibblockade. Allerdings bleibt ein Chatbot oft oberflächlich und nutzt allgemeine Floskeln, die wenig aussagen. Es ist deshalb zwingend, einen KI-Text zu überarbeiten und ihm eine persönliche Note zu geben. Auch sollten der KI keine persönlichen und vertraulichen Daten gegeben werden.

Tipps für Jugendliche mit Behinderung

Personen mit einer chronischen Krankheit oder einer Behinderung fragen sich oft: Soll ich diese in der Bewerbung oder im Gespräch erwähnen? Und wie gestalte ich überzeugende Unterlagen? Bei EnableMe finden Sie praktische Tipps zum Bewerben mit Behinderung.

Kreative Bewerbungen

Auf manche Lehrstellen bewerben sich ganz viele Jugendliche. Mit einer auffälligen Bewerbung können Jugendliche aus der Masse herausstechen. Je nach Lehrberuf gibt es mehr oder weniger Spielraum für kreative Gestaltungsmöglichkeiten. In gestalterischen Berufen wie Grafik oder Fotografie ist es empfehlenswert, bereits mit den Bewerbungsunterlagen Kreativität zu zeigen – beispielsweise mit einem ungewöhnlichen Lebenslauf oder einem schön gestalteten Deckblatt. Auch bei administrativen Berufen kann etwas Farbe verwendet werden, allerdings dezent.

Weitere kreative Möglichkeiten sind:

  1. Videobewerbung: In einem kurzen Video stellen sich die Bewerbenden direkt vor und zeigen, dass sie das Medium beherrschen. Informationen und Tipps gibt es zum Beispiel bei AUBI-plus.
  2. Eigene Webseite: Eine eigene Webseite ist ein digitales Aushängeschild. Sie kann Persönlichkeit und Talente vielschichtiger zeigen, als es mit einem traditionellen Lebenslauf möglich wäre.
  3. Portfolio: Bei kreativen Berufen können Beispiele von Arbeiten beigelegt werden (Portfolio) oder es kann auf ein Onlineportfolio verwiesen werden.

Die Rolle von Social Media

Arbeitgeber schauen sich nicht nur die Bewerbungsunterlagen an. Oft suchen sie auch im Internet, was es über die Person zu finden gibt. Deshalb ist wichtig, dass sich Jugendliche im Bewerbungsprozess Gedanken über den eigenen Auftritt in sozialen Medien machen. Was steht über die Person im Internet? Gibt es unvorteilhafte Bilder oder Videos, die öffentlich sichtbar sind? Hierfür lohnt sich eine kurze Google-Suche zur Person. Ebenso ist ein Check der persönlichen Profildaten in sozialen Medien, Kommentare und Fotos sinnvoll. Unseriöse oder missverständliche Inhalte sollten aus dem Profil entfernt werden.

Bewerbung verschicken: Darauf ist zu achten

Meistens steht in der Stellenausschreibung, über welchen Kanal die Bewerbung einzureichen ist, zum Beispiel über ein Bewerbungsportal, per E-Mail oder per Post. Falls nichts erwähnt ist, wird diese Entscheidung dem*der Bewerber*in überlassen. Bei der digitalen Bewerbung ist wichtig, dass sämtliche Unterlagen gut strukturiert und sorgfältig aufbereitet sind. Scans müssen qualitativ gut sein. Gibt es unnötige oder leere Seiten, müssen diese gelöscht werden. Auch sollte auf die richtige Reihenfolge der Dokumente geachtet werden. Beilagen - bevorzugt im PDF-Format - sind korrekt zu bezeichnen. Idealerweise werden Dokumente zusammengefasst, sodass höchstens ein bis zwei Dateien mit der Bewerbung mitgeschickt werden.

Wichtig ist auch eine seriöse Mailadresse von der die Bewerbung geschickt wird und die als Kontaktinformation dient. Werden die Bewerbungsunterlagen ausgedruckt, ist auf eine hohe Druckqualität achten. Das Dossier sollte sauber, ordentlich und frei von Flecken oder Knicken sein.

Unterstützung der Eltern im Bewerbungsprozess

Im Bewerbungsprozess sind Eltern eine wichtige Stütze. Sie können Jugendliche motivieren und Fragen beantworten. Viele Jugendliche sind auch froh um Hilfe beim Erstellen des Dossiers, beispielsweise um Tipps zur Gestaltung der Unterlagen oder sprachliche Formulierungen. Trotzdem ist es wichtig, dass die Jugendlichen sich selbst um ihre Bewerbung kümmern und den Hauptteil der Arbeit übernehmen.

Auch beim Üben für das Vorstellungsgespräch – egal ob vor Ort oder online – können Eltern ihrem Kind helfen. Je öfter Jugendliche in einem Rollenspiel das Vorstellungsgespräch üben können, desto sicherer fühlen sie sich im echten Vorstellungsgespräch.

Tipps für Eltern

  • Schauen Sie zusammen mit Ihrem Kind Beispiele von Bewerbungsdossiers an, um Ideen zu sammeln.
  • Lesen Sie gemeinsam das Stelleninserat: Welche Anforderungen werden genannt? Wie könnten diese ins Bewerbungsschreiben einfliessen?
  • Überprüfen Sie die Unterlagen vor dem Abschicken auf Vollständigkeit, Rechtschreibung und Formulierungen.
  • Eine Bewerbung abzuschicken ist etwas Besonderes. Loben Sie den Durchhaltewillen und bestärken Sie Ihr Kind, dranzubleiben.
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