Familie & Gesellschaft
Stand: 16.05.2022

Wie mit Kindern über Krieg sprechen? Tipps für Eltern

Mit Kindern über schwierige Themen wie Krieg zu sprechen, überfordert viele Eltern. Trotzdem ist dies wichtig, denn auch Kinder und Jugendliche werden damit konfrontiert. Erfahren Sie, wie Eltern mit ihren Kindern über den Krieg sprechen und kindgerecht erklären können, was Krieg ist.
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Mutter spricht mit Tochter über den Krieg.

Der aktuelle Krieg in der Ukraine beschäftigt nicht nur die Erwachsenen. Auch Kinder und Jugendliche kommen damit in Berührung. Sie schnappen Bruchstücke aus Gesprächen auf, sehen verstörende Bilder in den Nachrichten oder in sozialen Medien. Je älter die Kinder sind, desto wahrscheinlicher ist der Krieg auch Thema unter ihren Freundinnen und Freunden: Es werden Bilder und Videos auf dem Pausenplatz herumgereicht oder in Chats gepostet.

Je nach Lebenswelt des Kindes ist der Krieg in der Ukraine weit weg oder doch sehr nah – auf dem eigenen Kontinent. Möglicherweise haben sie Verwandte oder Bekannte, die in der Ukraine leben oder aus dem osteuropäischen Land stammen. Der Krieg macht Kinder und Jugendliche betroffen, schürt Ängste und löst viele Fragen aus. Gleichzeitig haben sie noch nicht so gute Bewältigungsstrategien wie Erwachsene. Sie brauchen die Unterstützung ihrer Eltern, um das Geschehen einzuordnen und zu verarbeiten.

Wie können Eltern den Kindern erklären, was Krieg ist?

Es ist eine schwierige Aufgabe, Kindern zu erklären, was bei einem Krieg passiert, ohne sie zu überfordern. Vielleicht wird die Frage nach dem «Warum» kommen. Hier können und dürfen Erwachsene zugeben, dass sie es nicht wissen. Dass es für manche Dinge keine Erklärung gibt. Wie Eltern den Kindern erklären, was Krieg ist, hängt auch stark vom Alter und dem Entwicklungsstand des Kindes ab.

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass es Politiker gibt, welche nach Macht streben und die bereit sind, Gewalt anzuwenden, um andere Länder zu erobern oder ihre Interessen durchzusetzen. Kleinere Kinder verstehen allenfalls besser, was Krieg ist, wenn Eltern ihn als einen sehr schlimmen Streit unter Erwachsenen bezeichnen. Gleichzeitig sollte betont werden, dass Gewalt nie eine Lösung ist.

Der Krieg macht Kinder und Jugendliche betroffen, schürt Ängste und löst viele Fragen aus.

Bestimmt findet sich auch ein Atlas oder eine Weltkarte, auf der gemeinsam geschaut werden kann, wo die Ukraine und Russland liegen. Vielleicht weckt die geografische Nähe die Frage, ob der Krieg auch in die Schweiz kommt. In diesem Fall kann es sinnvoll sein zu erklären, dass die Schweiz ein neutrales Land ist. Als solches mischt sie sich nicht in Kriege ein, sondern versucht zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln. Eltern können von weiteren Kriegen auf der Welt erzählen und davon, dass Menschen ihr Land verlassen müssen, um als Flüchtlinge Schutz zu suchen – auch in der Schweiz.  

Tipps für Eltern: Wie mit Kindern über Krieg sprechen?

  • Nehmen Sie die Angst des Kindes ernst und informieren Sie altersgerecht. Bei kleineren Kindern ist es empfehlenswert, nur über den Krieg zu sprechen, wenn das Kind gezielt danach fragt. Grausame Details sollten nach Möglichkeit vermieden werden.
  • Ist ein Kind beunruhigt und fragt nach, können Eltern ehrlich antworten, ohne zu beschönigen.
  • Vermitteln Sie als Eltern oder Bezugsperson Ruhe und Sicherheit. Lassen Sie die Emotionen der Kinder zu. Trösten Sie und nehmen Sie Ihr Kind in den Arm.
  • Kinder haben sehr feine Antennen. Sind die Eltern besorgt, spüren die Kinder das. Eltern sollten sich die Frage stellen, was Krieg für sie bedeutet und wie sie mit dem Thema umgehen. Machen Sie daraus kein Tabu, sondern fassen Sie ihre Sorgen kindgerecht in Worte.
  • Bei Jugendlichen können Eltern das Gespräch aktiv anbieten und zum Beispiel fragen, was er oder sie darüber denkt.
  • Informieren Sie sich bei älteren Kindern oder Teenagern, wo sie auf das Thema gestossen sind. Was haben sie gesehen oder gelesen? Ist die Quelle der Informationen seriös? Besprechen Sie verstörende Bilder oder Videos mit den Heranwachsenden.
  • Knüpfen Sie an der Lebenswelt des Kindes an. Welche Bilder von Kämpfen hat es aus Büchern oder Games im Kopf? Je nach Alter können Bilderbücher oder Nachrichtensendungen für Kinder helfen, den Krieg kindgerecht zu erklären.
  • Vielleicht möchten Kinder oder Jugendliche aktiv etwas tun. Sie können als Familie eine Kerze für die Menschen in der Ukraine anzünden oder Geld für Kinder und Jugendliche in der Ukraine spenden. Kinder und Jugendliche können ihre Gedanken, Wünsche und Gefühle in einer Zeichnung oder einem Brief aufs Papier bringen.
  • Ist der Krieg sehr präsent in Ihrer Familie, können Sie sich gemeinsam ablenken. Unternehmen Sie etwas, das gut tut: Holen Sie sich beispielsweise ein spezielles Essen oder machen Sie einen Spaziergang.
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