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Was tun bei Cybergrooming

Im Internet haben Personen mit unlauteren Absichten oft ein leichtes Spiel. Mit falschen Identitäten versuchen Erwachsene immer wieder, Kinder und Jugendliche für ihre sexuellen Neigungen zu benutzen. Für Eltern bedeutet das, hellhörig zu sein und Kinder auf die Gefahren von Cybergrooming aufmerksam zu machen
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Bei Cybergrooming werden Kinder und Jugendliche von Erwachsenen kontaktiert, um einen sexuellen Missbrauch vorzubereiten

Cybergrooming bezeichnet das Phänomen, dass Erwachsene online den Kontakt zu einem Kind herstellen, um einen sexuellen Missbrauch vorzubereiten. Über soziale Netzwerke bringen Täter und Täterinnen in Erfahrung, welche Vorlieben ihre potenziellen Opfer haben, welche Musik sie mögen, wie der Modegeschmack ist und welche Hobbys sie pflegen. Mit diesem Wissen stellen sie Gemeinsamkeiten her und bauen Vertrauen auf. Da sie aufmerksam, verständnisvoll und hilfsbereit sind und Komplimente machen, erscheinen sie den Kindern als ideale Gesprächspartner und -partnerinnen.

Die JAMES-Studie 2020 der ZHAW belegt, dass beinahe die Hälfte der Jugendlichen (44%) bereits online von einer fremden Person mit unerwünschten sexuellen Absichten angesprochen wurden. Sexuelle Belästigung ist also weit verbreitet, bei Mädchen fast doppelt so oft wie bei Jungen. Bei den 14- bis 15-jährigen Jugendlichen in der Schweiz sind 43 Prozent betroffen. Bei den 16- bis 17-Jährigen sind es gar 54 Prozent.

Rechtliche Grundlagen

Im Unterschied zum Sexting, welches im Einverständnis zwischen Gleichaltrigen passiert, geht die Definition von Cybergrooming von einer Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs seitens Erwachsenen aus. Falls das Kind in einen Vorfall verwickelt ist, sollten Eltern das entsprechende Material gemeinsam mit der Tochter oder dem Sohn sichern, zum Beispiel per Screenshot. Ähnlich wie beim Cybermobbing existiert auch beim Cybergrooming bis anhin kein Gesetz. Einzelne Aktionen, welche zu Cybergrooming gehören, sind aber klar rechtswidrig. Nötigung oder Erpressung sind beispielsweise strafbar und auch bei «sexueller Belästigung» kann eine Strafanzeige eingereicht werden. Wenn sich das Opfer schämt und sich niemandem anvertraut, kann die zeitliche Beschränkung für eine Strafanzeige problematisch sein. Damit die Frist für eine Anzeige nicht verfällt muss der Antrag spätestens drei Monate nach der (versuchten) Tat eingereicht werden.

Relevante Gesetzesartikel

  • Art. 22 StGB: Der Versuch einer Tat ist strafbar, sofern dieser klar nachgewiesen werden kann.
  • Art. 187 StGB: Ist das Opfer unter 16 Jahren, kann der Artikel «sexuelle Handlungen mit Kindern» zur Anwendung kommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sexuelle Handlungen aktiv vorgenommen wurden oder ob das Opfer dabei zum Zuschauen gezwungen wurde. Mit oder ohne Körperkontakt – ist das Opfer unter 16 Jahren, ist eine sexuelle Handlung strafbar.
  • Art. 197 StGB: Zugang zu Pornografie an unter 16-Jährige zu gewähren ist rechtswidrig.
  • Art. 198 StGB: Übertretung der sexuellen Integrität und sexuelle Belästigung stehen unter Strafe.

Verhalten der Täterinnen und Täter

Zuerst gilt es, zwischen sexuell motivierten und professionellen Täterinnen und Tätern zu unterscheiden. Die einen haben meist pädosexuelle oder hebephile Neigungen, während die anderen erpressen und materielle Forderungen stellen. Im Text «Wenn Sexting öffentlich wird» findet sich ein Abschnitt zu «Das Geschäft mit der Erpressung». Auch im Ausmass der Ansprüche bestehen grosse Unterschiede: Einige Personen können ihr Bedürfnis befriedigen, wenn sie online sexuelle Gespräche mit Jugendlichen führen, andere arbeiten gezielt auf reale Treffen hin. Täterinnen und -Täter wissen genau über die Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen Bescheid und nutzen dieses Vertrauen schamlos aus.

Sobald ein entsprechendes Foto oder Video von den Jugendlichen verschickt wurde, besitzen die Täterinnen und Täter ein ideales Druckmittel.

In Chats oder auf ähnlichen Plattformen geben sie sich als verständnisvolle Freunde und Freundinnen aus und gewinnen so das Vertrauen ihres Opfers. Teilweise versprechen sie auch Geschenke. Kaum ist das Vertrauen aufgebaut, folgen Fragen wie: Bist du allein zu Hause? Hast du eine Webcam? Hattest du schon mal Sex? Würdest du mir Fotos von dir zusenden? Wollen wir uns einmal treffen?

Sobald ein entsprechendes Foto oder Video verschickt wurde, besitzen die Täterinnen und Täter ein ideales Druckmittel. Nun fordern sie die Jugendlichen zu einem realen Treffen oder zum Versenden weiterer Aufnahmen auf. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sind sich Jugendliche bewusst, dass ihnen die Sache zu entgleiten droht. Weil sie sich schämen, kann es sein, dass sie sich niemandem anvertrauen und sich online oder offline weiter ausnützen lassen. In jedem Fall sind die Konsequenzen äusserst unangenehm.

Betroffenen den Rücken stärken

Je besser Kinder und Jugendliche über Gefahren und Risiken im Internet Bescheid wissen, umso eher können sie sich vor Cybergrooming schützen. Eltern sollten alles daransetzen, damit die Tochter oder der Sohn nicht in den Sog dieser Täterschaft gerät. Ist das Kind trotzdem von Cybergrooming betroffen, sollten ihm Eltern zuallererst den Rücken stärken. Das Gegenüber muss scharf verurteilt werden, nicht aber das Verhalten des Kindes. Falsch wäre, zu drohen, die entsprechenden Geräte wegzunehmen. Solche Massnahmen bergen das Risiko, dass das Kind gar nichts von seiner unangenehmen Situation preisgibt.

Vorfälle publik machen

Am besten versucht man vorurteilsfrei herauszufinden, wie es zum Cybergrooming gekommen ist. Wichtig ist auch, das Material für die Beweisführung zu sichern und den Vorfall der Betreiberfirma der entsprechenden Plattform zu melden. Um weiteren Vorfällen vorzubeugen, sollte eine Anzeige gegen Unbekannt geprüft werden. Falls Eltern unsicher sind, wie sie vorgehen könnten, sollten sie nicht zu lange zögern und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es hilft, sich von Fachleuten beraten zu lassen. Unter Pro Juventute «Beratung + Hilfe 147» finden sich Expertinnen und Experten, welche Eltern oder Kinder auf Wunsch anonym und kostenlos beraten. Jederzeit kann man sich auch an (kantonale) Opferhilfestellen wenden. Wichtig ist, zu reagieren und die Geschehnisse nicht einfach zu ignorieren.

Tipps für Eltern

  • Sollte Ihr Kind ein Opfer von Cybergrooming sein, benötigt es Ihre Solidarität und Unterstützung und keine moralisch geprägten Sanktionen.
  • Machen Sie Ihrem Kind bewusst, dass bei einer Kontaktaufnahme mit Fremden äusserste Vorsicht geboten ist.
  • Raten Sie Ihren Kindern, online nichts Privates preiszugeben und weisen Sie darauf hin, wie wichtig es ist, die Einstellung der Privatsphäre so restriktiv wie möglich zu handhaben. Mehr Informationen dazu im Artikel «So lernen Kinder, ihre Daten im Internet zu schützen».
  • Will sich Ihr Kind unbedingt mit jemandem verabreden, den oder die es im Internet kennengelernt hat, sollte das Treffen auf einem öffentlichen Platz und bei Tageslicht stattfinden. Am besten trifft Ihr Kind solche Internetbekanntschaften nie alleine. Kinder und Jugendliche unter 16 sollten sich von einer erwachsenen Person begleiten lassen. Es ist wichtig, dass eine erwachsene Vertrauensperson über den Ort und die Zeit des Treffens sowie den Namen der anderen Person informiert ist. 
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das, was es im Netz erlebt. Bieten Sie ihm auch an, sich bei einer anderen Vertrauensperson auszusprechen.
  • Klären Sie Ihre Tochter, Ihren Sohn über das Risiko auf, dass jedes Foto oder Video das geteilt wird, immer auch für falsche Zwecke verwendet und missbraucht werden kann.