Die Notwendigkeit von Spielraum und Spielkultur

Damit Kinder gesund aufwachsen können, brauchen sie Freiraum zum selbstständigen Spielen und Entdecken. Sie haben das Recht, sich auszutoben, zu erholen und gemeinsam mit anderen Kindern und ohne Aufsicht von Erwachsenen freie Zeit zu verbringen. Dies ist heute aber nicht mehr selbstverständlich, daher engagiert sich Pro Juventute in den Themen «Spielraum» und «Spielkultur».

Kindern Freiräume zu bieten, in denen sie eigene Erfahrungen machen können und so ihre gesunde Entwicklung zu fördern, ist seit jeher ein wichtiges Element der Arbeit von Pro Juventute. Angefangen um 1925 mit dem Artikel «Spielplätze und Turnen» in der Zeitschrift «Pro Juventute», über den ersten Robinsonspielplatz in den 1950er Jahren in Zürich-Wipkingen, bis zur Expertise in der Spielraumberatung: Pro Juventute hat seit jeher europaweit eine führende Rolle in der Thematik des Spielraums und der Spielkultur eingenommen.

Freiräume für das Spiel – gestern und heute

Die Inspiration zu neuen Entdeckungen, das Bestehen von Herausforderungen und das Eingehen von Risiken, bilden den Kern des Spielens und Lernens.

Die Lebens- und Entwicklungsbedingungen für Kinder haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verändert. Die starke Zunahme des Strassenverkehrs, die Verdichtung der städtischen Ballungsgebiete und die Abnahme der Kinderzahlen haben dazu geführt, dass Kinder heute in einer anderen Lebensumwelt aufwachsen als noch vor 30 Jahren. Ein wichtiger Teil dieser veränderten Lebensbedingungen betrifft die Möglichkeiten für Kinder, sich in ihrem Wohnumfeld selbständig und unbeaufsichtigt zu bewegen, zu spielen oder andere Kinder zu treffen. Auch die zeitlichen Freiräume für das selbstbestimmte, freie Spiel gehen mehr und mehr verloren. Sozial auffälliges Verhalten sowie Bewegungs- und Koordinationsstörungen gehören zu den möglichen negativen Folgen dieser Entwicklung.

Noch in den 1970er Jahren haben sich Kinder und Jugendliche im Durchschnitt 3 bis 4 Stunden pro Tag bewegt. Heute verbringen sie einen Grossteil ihrer Schul- und Freizeit sitzend. Sie spielen auch deutlich seltener als früher draussen, wie die 2016 publizierte Studie «Freiraum für Kinder» von Pro Juventute zeigt. Im Durchschnitt spielt ein Kind in der Schweiz noch 47 Minuten pro Tag draussen, davon 29 Minuten selbstständig und ohne Aufsicht.

Wichtigkeit des Spielens und von Spielkultur

Kinder entwickeln ihr Wesen durch das Spiel. Sie brauchen dafür sinnesanregende und gestaltbare Räume. Ihr Fühlen, Denken, Wollen, ihre Kreativität und Fantasie ebenso wie ihre motorischen Fähigkeiten, sind im freien Spiel gleichwertig engagiert. Über echte Sinneserfahrungen begreifen Kinder die Welt. Spielen ist ein wesentlicher Aspekt der Kinderkultur und somit die Art der Kinder, ihr Umfeld und die Gesellschaft mitzugestalten. Spielen ist somit nicht nur die Basis jeglicher kindlicher Entwicklung sondern auch eine Form von Kommunikation und Interaktion – mit anderen Kindern, mit der Umwelt, zwischen Generationen und Kulturen. Für die Erwachsenen geht es darum, Spiel als kulturellen Eigenwert der Kinder zu verstehen und das Spiel an vielerlei Orten, zu vielerlei Themen und Anlässen und in vielerlei Formen zuzulassen, zu unterstützen und zu stärken.

Kinder haben ein Recht auf Spiel und Freiraum

Spielräume und eine kindereigene Spielkultur ist nicht bloss eine gutgemeinte kinderfreundliche Idee sondern ein grundlegendes Kinderrecht, über das Kinder gemäss der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 31) verfügen.

Mehr Spielmöglichkeiten für Kinder

Durch Information, Kommunikation und politische Arbeit will Pro Juventute die Spielmöglichkeiten für Kinder und ihre Familien fördern und verbessern sowie Aus-, Weiterbildungs- und Vernetzungsmöglichkeiten dazu für Fachpersonen entwickeln.
Langfristige Ziele unseres Engagements sind Qualitätsstandards für kindergerechte Freiräume, eine institutionelle Verankerung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in den Prozessen der Raumplanung sowie die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gestaltung des öffentlichen Raums. Wir möchten Impulse geben und alle Generationen dazu inspirieren, mehr zu spielen. Damit Kinder wieder mehr unverplante Zeit zur Verfügung haben und das Spiel wieder die Bedeutung als Fundament der kindlichen Entwicklung und als Kulturgut erhält, die es verdient.

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