Medien & Internet

Jugendschutz-Richtlinien für Games

Weil der unbegleitete und uneingeschränkte Konsum von Games Risiken birgt, gibt es Labels und Richtlinien zu Alters- und Inhaltsangaben. Wichtig ist, dass Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen, Inhalte prüfen und den Medienkonsum der Kinder begleiten.
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Kind spielt am iPad. Jugendschutz-Richtlinien sind für Kinder und Jugendliche sehr wichtig.

Elektronische Spiele und andere digitale Medien üben eine grosse Anziehungskraft aus. Oft auch auf Altersgruppen, für welche sie nicht gedacht sind. Verschiedene Labels geben Aufschluss über Altersfreigabe und jugendgefährdende Inhalte. Weil in der Schweiz eine gesetzliche Grundlage fehlt, sollten Eltern Inhalte, die Kinder konsumieren, sorgfältig prüfen. Wichtig ist, Kinder beim Medienkonsum zu begleiten und mit ihnen über verschiedene Phänomene zu sprechen.  

Richtlinien und Labels

Um den Schutz der Kinder und Jugendlichen – trotz fehlenden Gesetzen – zu verbessern, unterstellen sich Schweizer Hersteller und Verkaufsstellen von Games freiwillig einem «Code of Conduct». Mit dieser Erklärung verpflichten sich die Beteiligten beim Verkauf von digitalen Spielen, die europaweit anerkannten «Pan European Game Information», kurz PEGI genannt, einzuhalten. Bei einer Zuwiderhandlung können Händler, welche die Erklärung unterzeichnet haben, vom Verband PEGI mit Bussen belegt oder eine Unterbrechung der Warenlieferung innerhalb der Schweiz verfügt werden. 

Dieser Text gehört zur Themenreihe «Welt der Games». In diversen Beiträgen werden verschiedene Aspekte wie Chancen, Risiken und Faszination rund um digitale Spiele beleuchtet. Allgemeine Tipps und Empfehlungen im Umgang mit digitalen Spielen werden im Beitrag «Hilfreiche Tipps zum Thema Gamen für Eltern» vermittelt.

Kriterien für Spiele

Alle in der Schweiz vertriebenen Spiele werden in der PEGI-Datenbank aufgeführt und nach acht Inhaltskriterien beurteilt. Die Symbole auf den Spielen geben Aufschluss darüber, ob beispielsweise Gewalt, vulgäre Sprache, Angst, Glücksspiele, sexualisierte Darstellungen, Drogen, Diskrimination oder In-Game-Käufe im Spiel vorkommen. Fünf Alterskennzeichnungen weisen darauf hin, ab welchem Alter ein Spiel geeignet ist.

Mangelhafte Kontrollen in der Schweiz 

Obwohl Schweizer Onlinehändler dazu verpflichtet sind, Games mit jugendgefährdenden Inhalten nur über einen Account mit Altersbestätigung freizugeben, besteht nach wie vor Verbesserungspotenzial. Dass Minderjährige bei internationalen Spielplattformen, wie beispielsweise Steam oder dem App Store von Apple ohne Kreditkarte Spiele beziehen können, erschwert den Schutz der Jugend. Umfragen bestätigen, dass Jugendliche oft einen Weg finden, um an ein gewünschtes Spiel zu gelangen. Beim Kauf werden Schutzmechanismen mit Hilfe von Kollegen, dem grossen Bruder oder Erwachsenen relativ einfach umgangen.

Unterschiedliche Empfehlungen 

Europaweit ist das PEGI-System anerkannt und wird von der Europäischen Kommission nachdrücklich unterstützt. Deutschland setzt jedoch auf ein eigenes System, der sogenannten Selbstkontrolle der Unterhaltungssoftware (USK). Auffallend ist, dass viele Games von der USK strenger einstuft werden. Weder die Symbole von PEGI noch die Einstufung der USK sagen etwas über den Schwierigkeitsgrad oder die Qualität eines Games aus. Eltern sollten sich also nach der ersten Orientierung über die Altersfreigaben zusätzlich ein eigenes Bild über ein Game machen, um zu beurteilen, ob das Spiel für ihr Kind geeignet ist.  Auf der Ratgeberseite www.spieleratgeber-nrw.de gibt es zu vielen Games ausführliche Beschreibungen und zusätzliche pädagogische Beurteilungen.

Neues Bundesgesetz

Im Juni 2019 erstellte der Bundesrat einen Entwurf für ein Bundesgesetz zum Jugendschutz. Angestrebt wird, Minderjährige in Filmen und Videospielen vor Inhalten zu schützen, die ihre körperliche, geistige, psychische, sittliche oder soziale Entwicklung gefährden könnten. Mit dem neuen Gesetz sollen Regulierungslücken geschlossen und die bestehenden Bestrebungen zur Selbstregulierung seitens der Video- und Filmbranche gesetzlich verankert und staatlich kontrolliert werden. Pro Juventute ist mit der Stossrichtung des Gesetzesentwurfs einverstanden, fordert aber Verbesserungen in den Bereichen Prävention und der fachlichen Begleitung zur Erarbeitung der Jugendschutzregeln. Mehr Info siehe Pressemitteilung vom 25.6.2019: «Die Schweiz braucht einen wirkungsvolleren Jugendmedienschutz».
 

Tipps für Eltern

  • Thematisieren Sie heikle Inhalte mit Ihrem Kind. Für junge Spielerinnen und Spieler ist es wichtig, Games gemeinsam nach kritischen Inhalten oder Risiken zu hinterfragen.
  • Lassen Sie jüngere Kinder beim Gamen nicht allein. Begleiten Sie Ihr Kind, wenn es elektronische Spielen konsumiert. So sehen Sie, wie es reagiert, was ihm gefällt, was es lustig, komisch oder unverständlich findet und was ihm Angst macht. 
  • Legen Sie fest, wie viel Zeit zum Gamen Sie als sinnvoll erachten und welche Inhalte Sie Ihrem Kind zumuten können. Die Altersvorgaben und Hinweise der einzelnen Spiele sind eine mögliche Grundlage, um mit Kindern und Jugendlichen zu diskutieren.
  • Informieren Sie sich über das Game. Die Beschreibung auf der Verpackung enthält aufschlussreiche Informationen zum Inhalt. Auf YouTube können Sie beispielsweise mit dem Stichwort «How to play» und dem Spieltitel nach einem Spiel suchen und mehr darüber erfahren. 
  • Auf der deutschen Ratgeberseite www.spieleratgeber-nrw.de finden Sie zu vielen Games eine ausführliche Beschreibung und pädagogische Beurteilung.
     

Die Themenreihe «Welt der Games» entstand in enger Zusammenarbeit mit Simon Staudenmann und Renato Hüppi von Gameinfo.